28.06.2015
FLUG REVUE

ÜberschalltechnikDer Traum von Reisen im Überschallbereich: Aerion SBJ

Durchhaltevermögen haben die Inhaber der Firma Aerion durchaus bewiesen: Seit etwa einem Jahrzehnt tüfteln sie an dem Konzept eines überschallfähigen Business Jets.

Im Mittelpunkt der Anstrengungen stand bisher die Erforschung des Tragflächenprofils. Nun denken die Aerion-Schöpfer auch über ein anderes Triebwerk nach. Bisher war das Pratt & Whitney JT8D-219 im Gespräch, das dem Flugzeug zu einer Reisegeschwindigkeit von Mach 1.6 (1695 km/h) verhelfen sollte. Damit wäre ein Flug von New York nach Paris in viereinhalb Stunden denkbar.

Aber das Triebwerk dürfte künftigen Lärmanforderungen nicht genügen. So haben sich die Aerion-Konstrukteure auf die Suche nach einem anderen Antrieb begeben, den sie nicht im aktuellen Programm eines etablierten Herstellers zu finden erwarten. Vielmehr setzen sie auf eine eigens für ihr Projekt angepasste Ausführung.

Die Neuorientierung eröffne die Chance, glauben die Aerion-Macher, wesentliche Eigenschaften des Flugzeugs zu verbessern, etwa die Reichweite und den Rumpfdurchmesser. Die bisher genannte Reichweite beträgt 4000 NM, die Kabinenbreite 2,0 m. An der geplanten Höchstgeschwindigkeit soll dagegen festgehalten werden.

Bisher gibt es neben den Tragflächenprofilen wenig Vorzeigbares von dem geplanten überschallfähigen Business Jet. Immerhin gehören der Unternehmensleitung namhafte Fachleute wie der frühere Learjet-Präsident Brian Barents und der Aerodynamiker Dr. Richard Tracy an. Tracy hat maßgeblich an der X-30 und der Global Hawk mitgearbeitet. Geführt wird das Unternehmen von dem Milliardär Robert Bass. Der Firmenname ist von dem Namen des Pferdes Areion abgeleitet, das in der griechischen Mythologie eine Rolle spielt. Es erscheint dort als sehr schnelles Wunderpferd.

Wichtige Erkenntnisse hat die Aerion Corporation bei der Erforschung überschallfähiger Tragflächenprofile gewonnen. Dafür wurden unter anderem Windkanaltests im kryogenischen transsonischen Windkanal in Köln durchgeführt als auch Flugtests mit maßstäblich verkleinerten Bauteilen an einer McDonnell Douglas F-15B der NASA im Dryden Flight Research Center in Kalifornien absolviert.

Das bisherige Konzept des Überschall-Geschäftsreiseflugzeugs sah ein Flugzeug mit 19,6 m Spannweite und einem maximalen Abfluggewicht von 40830 kg vor. Für die Kabine waren typischerweise acht, höchstens zwölf Passagiersitze vorgesehen. Als höchstzulässige Reisegeschwindigkeit war eine Geschwindigkeit von Mach 1,6 (1695 km/h) geplant. Im Unterschallbereich sollte der SBJ mit Mach 0,99 fliegen. Die Dienstgipfelhöhe hätte 51000 Fuß (15544 m) betragen.

Das Flugzeug soll in konventioneller Bauweise aus Aluminium und Verbundwerkstoffen gebaut werden und über Fly-by-Wire-Steuerung verfügen. Die Entwicklungskosten für den Überschalljet werden auf mindestens 1,4 Milliarden Dollar geschätzt. Als angestrebter Verkaufspreis für den Aerion-Jet werden derzeit 80 Millionen Dollar genannt.

Die technischen Herausforderungen für ein überschallfähiges Reiseflugzeug sind gewaltig. Ein zentrales Problem ist der sogenannte Überschallknall, der bei Geschwindigkeiten oberhalb der Schallgewindigkeit (in der Luft bei 20 °C etwa 1235 km/h bzw. 666 kts) entsteht. In den USA und anderen Ländern sind daher zivile Überschallflüge nicht erlaubt. Die Aufgabe der Ingenieure besteht demnach darin, die Wirkungen dieser Stoßwellen zu elimieren.

Ein entscheidendes Kriterium für die Verkaufschancen eines so teuren Reiseflugzeugs ist die Reichweite. Bereits zugelassene oder in der Entwicklung befindliche Muster wie die G650 von Gulfstream oder die Global 7000/8000 von Bombardier erzielen eine Reichweite jenseits von 7000 NM (12965 km).

Inzwischen hat sich Aerion die technische Unterstützung von Airbus Defence and Space für die Entwicklung eines Überschall-Geschäftreisejets gesichert.

„Die beiden Unternehmen werden sich über Wissen und Fähigkeiten in den Bereichen Design, Produktion und Zertifizierung austauschen, um ihre beiderseitigen Ziele besser verfolgen zu können“, hieß es. Airbus wird technische Unterstützung und Hilfe bei der Zertifizierung bereitstellen. Dies beinhaltet die Entsendung von Ingenieuren in die Entwicklungsabteilung von Aerion in Reno, Nevada.

Im Gegenzug wird Aerion der Airbus Group Einblick in seine firmeneigenen Technologien zur geben, wie spezifische Designtools und patentierte aerodynamischen Konzepte im Bereich Laminarflügel.



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