14.06.2016
FLUG REVUE

Forschungsprojekt THORAirbus druckt sich weitere Mini-Flugzeuge

Von 3D-gedruckten Strukturteilen über verbesserte Aerodynamik bis zu künstlicher Intelligenz: Das Klein-Flugzeug THOR dient Airbus als Versuchsträger für künftige Technologien. Und die nächste Version steht bereits in den Startlöchern.

THOR Erstflug November 2015

Das 3D-gedruckte Flugzeug THOR absolvierte am 21. November 2015 seinen Erstflug in Stade. Foto und Copyright: Airbus  

 

"Druck mir ein Flugzeug": diesen Slogan hat Airbus mit THOR (Testing High-tech Objectives in Reality) umgesetzt. Entstanden ist ein 3,5 Meter langes Flugzeug mit einer Spannweite von 3,7 Metern, dessen Strukturkomponenten zu 90 Prozent aus Kunststoff und Polyamid bestehen. Fünf der 21 Kilogramm Gesamtgewicht bestehen aus nicht-gedrucktem Zubehör wie Trimmgewicht, Batterien und Motor. THOR ist mit zwei elektrisch-angetriebenen Propellern (je 1,5 Kilowatt) ausgestattet. 

"Dieses Mini-Flugzeug repräsentiert kein echtes Airliner-Design, über das Airbus nachdenkt", stellt Detlev Konigorski, der das THOR-Projekt betreut, klar. Vielmehr sei THOR eine Plattform, um die risikoarme und schnelle Entwicklung verschiedener Technologien unter echten Flugbedingungen zu ermöglichen.

Für THOR wurde nach Angaben von Airbus ein bestehendes Designkonzept verwendet. Innerhalb von rund sieben Wochen sind die 60 Strukturelemente gedruckt worden. Endmontiert wurde das Flugzeug innerhalb von einer Woche. Darauf folgten drei Tage Feintuning der elektrischen Systeme, bevor es flugbereit war.

Im nächsten Schritt werden verschiedene Flügel getestet

Der Erstflug von THOR erfolgte im November 2015. Nachdem das gedruckte Flugzeug kürzlich bei den Airbus Innovation Days und auf der ILA gezeigt wurde, soll nun das Testprogramm beendet werden. "Beim ersten Flug ging es einfach ums Fliegen", sagt Konigorski. "Nun wollen wir Basisdaten unter anderem zu Flughöhe, Geschwindigkeit und Beschleunigung generieren."

Die nächsten Versionen von THOR werden derzeit im neuen ZAL TechCenter in Hamburg zusammengebaut. Bei ihnen wird ein modulares Design angewendet, das nach Angaben von Airbus eine größere Flexibilität bei Tests von Zelle und Struktur ermöglicht. Zudem erhalten die neuen Versionen austauschbare Flügel. Getestet werden sollen hexagonale Flügel mit einer Stützstruktur, die sich aus Bienenwaben ableitet, Aluminium-Flügel und flexible Flügel aus kohlefaserverstärktem Kunststoff.

Sobald die Flügeltests abgeschlossen sind, soll sich das Forschungsprojekt zusammen mit Airbus Defence and Space und der Muttergesellschaft Airbus Group auf das Thema künstliche Intelligenz fokussieren. THOR soll einmal komplett eigenständig landen, Hindernisse auf der Landebahn identifizieren und entscheiden können, ob eine Landung sicher ist - alles ohne Unterstützung von bodenbasierter Infrastruktur.

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www.flugrevue.de/Ulrike Ebner


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