27.02.2017
Erschienen in: 02/ 2017 FLUG REVUE

Leiser landenDLR möchte Anfluglärm verringern

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat ein Pilotenassistenzsystem entwickelt, das den Anfluglärm verringern soll. Erste Testflüge waren vielversprechend.

IN DIESEM ARTIKEL

Weniger Lärm beim Landeanflug: Das klingt vor allem für Flughafenanwohner verheißungsvoll. Aufwendige Triebwerksmodifikationen oder aerodynamische Verbesserungen am Flugzeug braucht es dafür nicht unbedingt. Ein Display im Cockpit und eine ausgeklügelte Software reichen – fertig ist das Pilotenassistenzsystem, das vom Institut für Flugsystemtechnik des DLR entwickelt wurde. Das „Low Noise Augmentation System“ (LNAS) soll Piloten dabei unterstützen, während der arbeitsintensiven Landung die jeweils nötigen Handlungen zum optimalen Zeitpunkt durchzuführen. Dadurch soll ein möglichst großer Teil des Anflugs im leisen und treibstoffsparenden Triebwerksleerlauf stattfinden und der Einsatz der Störklappen auf ein Minimum reduziert werden.

Was einfach klingt, ist in Wirklichkeit eine sehr aufwendige Optimierung, denn ein Landeanflug ist komplex. Bei einem Präzisionsanflug werden bei der jeweils entsprechenden Geschwindigkeit auf einer Höhe von etwa 3000 Fuß (ca. 915  m) über dem Boden die Klappen auf Stufe 1 gesetzt. Auf spätestens 2000 Fuß wird das Fahrwerk ausgefahren. Auf 1000 Fuß muss das Flugzeug für die Landung konfiguriert sein, das heißt, die Anfluggeschwindigkeit muss erreicht sein, die Klappen sind auf „full“ und die Triebwerke nicht mehr im Leerlauf, um im Zweifel durchstarten zu können.

Für das Energiemanagement im Anflug müssen unter anderem das Gewicht des Flugzeugs und der sich ständig ändernde Wind berücksichtigt werden. Der Bordcomputer, das Flight Management System (FMS) eines Verkehrsflugzeugs, berechnet zwar bereits das wirtschaftlichste Anflugprofil, aber: „In der Praxis ist es für den menschlichen Bediener fast nicht möglich, ein ideales Profil zu fliegen“, sagt Prof. Stefan Levedag, Leiter des DLR-Instituts für Flugsystemtechnik. Grund dafür sind Vorgaben der Flugsicherung, beispielsweise bestimmte Geschwindigkeiten an bestimmten Punkten, kurzfristige Bahnänderungen oder eine kürzere oder längere Streckenführung als vom Piloten erwartet. Heute ist es die handwerkliche Leistung des Piloten, die jeweiligen Handlungen zum richtigen Zeitpunkt durchzuführen. Hier soll das LNAS ansetzen und helfen, auch mit den Lotsenvorgaben einen lärmarmen Landeanflug durchzuführen. „Tendenziell sagt einem das System, man soll die Klappen später setzen als im normalen Betrieb“, erklärt der DLR-Testpilot Hans-Jürgen Berns.


WEITER ZU SEITE 2: Leiser landen

1 | 2 |     
Mehr zum Thema:
Ulrike Ebner


Weitere interessante Inhalte
ILA 2018 Fliegende Stars in Schönefeld

23.04.2018 - Interessante Flugzeuge am Boden und spektakuläre Vorführungen in der Luft: Die ILA hat in dieser Hinsicht wieder einiges zu bieten, bis hin zur Weltpremiere der Sikorsky CH-53K King Stallion. … weiter

Nach Triebwerksschaden bei Southwest Rund 500 CFM56-7B müssen zur Inspektion

23.04.2018 - Die US-Luftfahrtbehörde FAA und die europäische Agentur für Flugsicherheit EASA haben nach dem tödlichen Flugunfall bei Southwest dringliche Lufttüchtigkeitsanweisungen herausgegeben. … weiter

Umbaufrachter Boeing liefert ersten 737-800BCF aus

19.04.2018 - Der erste 737-800 Boeing Converted Freighter (BCF) wurde an GE Capital Aviation Services (GECAS übergeben, das den Frachter an die West Atlantic Group mit Sitz in Schweden verleast. … weiter

Sechsstrahlige, fliegende Startplattform für Satelliten Stratolaunch soll im Sommer zum Erstflug starten

19.04.2018 - Das von Scaled Composites in Mojave gebaute Riesenflugzeug Stratolaunch soll in diesem Sommer seine Flugerprobung aufnehmen. Erste Nutzlastabwürfe wären damit ab etwa 2020 möglich. … weiter

Passagierin stirbt durch Trümmerwirkung Southwest-Notlandung nach CFM56-Versagen

18.04.2018 - Eine Boeing 737-700 von Southwest Airlines musste am Montag in Philadelphia notlanden, nachdem eines ihrer Triebwerke nach dem Verlust einer Fanschaufel schwer beschädigt worden war. … weiter


FLUG REVUE 05/2018

FLUG REVUE
05/2018
09.04.2018

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- GROSSE ILA-VORSCHAU
- Bundeswehr: Die neuen Beschaffungspläne
- GE Aviation GE9X: Flugerprobung des Turbofans
- Ethiopian: Afrikas größte Fluggesellschaft
- Fokker DR I: Der Dreidecker des Roten Barons
- Raumstation: Wartungstrupp im All