27.09.2016
FLUG REVUE

Testflüge mit DLR-Forschungsflugzeug in FrankfurtSoftware soll Fluglärm verringern

Bis zum 28. September testet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) an Bord des Airbus A320-232 "D-ATRA" ein neues Pilotenassistenzsystem. Damit sollen leisere Anflüge möglich werden.

Pilotenassistenzsystem LNAS in der Flugerprobung

Das vom DLR entwickelte Pilotenassistenzsystem gibt Hinweise, wann welche Schritte für einen lärmoptimierten Landeanflug durchgeführt werden sollen. Foto und Copyright: DLR  

 

Das Pilotenassistenzsystem LNAS (Low Noise Augmentation System) des DLR wird erstmals im realen Flugbetrieb des Frankfurter Flughafens erprobt. Vom 26. bis 28. September finden insgesamt fünf Testflüge mit dem DLR-Forschungsflieger ATRA (Advanced Technology Research Aircraft) statt. Dabei soll untersucht werden, wie sich die Lärmkonturfläche durch optimierte Anflüge verringern lassen und wie Linienpiloten das System bewerten. Das teilten das DLR und das Umwelt- und Nachbarschaftshaus (UNH), das das Projekt mit 560.000 Euro fördert, bei einer Pressekonferenz am Montag mit.

LNAS zeigt den Piloten auf dem Display des Electronic Flight Bag (EFB) an, wann sie welche Handlung durchführen müssen, um ein ideales, vertikales Anflugprofil zu fliegen. So soll ein möglichst großer Teil der Landephase im besonders leisen und treibstoffsparenden Triebwerksleerlauf stattfinden, zudem soll der Einsatz der Störklappen auf das Nötigste reduziert werden.

Dabei greift LNAS auf die aktuellen Flugdaten des Flight Management Systems (FMS) zurück. Manuell eingeben müssen die Piloten die Vorgaben der Flugsicherung sowie Daten zum Wind am Boden. Für die Integration von LNAS in das EFB hat sich das DLR entschieden, weil es kurzfristig die einfachste Lösung ist. Das EFB ist eine Einrichtung im Cockpit, die nicht sicherheitskritisch ist. Damit wäre auch der Zulassungsaufwand für die Software geringer als bei einer Integration in die primären Systeme wie das FMS.

DLR prophezeit "deutlich hörbaren Unterschied"

Landeanflug des DLR-Forschungsflugzeugs ATRA in Frankfurt

Innerhalb von drei Tagen finden fünf Testflüge mit dem DLR-Forschungsflugzeug ATRA in Frankfurt statt, um das Pilotenassistenzsystem LNAS zu erproben. Foto und Copyright: DLR  

 

Die fünf Testflüge dauern jeweils fünf Stunden, einschließliche Start, Anflug und Turnaround in Frankfurt auf die Landebahn Nordwest. Bei jedem Testflug wird der Flugkapitän, ein DLR-Pilot, von vier Linienpiloten von Condor begleitet. Letztere übernehmen jeweils zwei Anflüge im normalen, operationellen Betrieb - einmal mit und einmal ohne Assistenzsystem. Vor Kurzem haben die Condor-Piloten bereits eine LNAS-Schulung im Simulatorzentrum AVES (Air VEhicle Simulator) des DLR in Braunschweig erhalten. Die DLR-Testpiloten haben bereits drei reale Testflüge mit dem System in Hannover und Braunschweig hinter sich.

In welchem Bereich sich die erwartete Fluglärmreduzierung bewegt, wollte Stefan Levedag, Leiter des DLR-Instituts für Flugsystemtechnik, am Montag noch nicht sagen. "Aber wir werden einen deutlich hörbaren Unterschied haben", sagte Levedag. Die Ergebnisse des Projekts werden im November auf der ICANA 2016, der internationalen Konferenz zum aktiven Schallschutz, präsentiert und anschließend veröffentlicht. Bis ein solches System aber wirklich in den Cockpits von Verkehrsflugzeugen Einzug halten kann, werden noch mindestens ein bis zwei Jahre vergehen. "Eine kommerzielle Firma muss die Software übernehmen, auf andere Flugzeugtypen übertragen und bestimmte Softwareprozesse einführen", so Levedag. 

Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
www.flugrevue.de/Ulrike Ebner


Weitere interessante Inhalte
Flugbetrieb soll weitergehen Small Planet Airlines stellt Insolvenzantrag

19.09.2018 - Die deutsche Charterfluggesellschaft Small Planet Airlines hat beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. … weiter

Europäische Bestseller Top 10: Die meistgebauten Airbus-Flugzeuge

06.09.2018 - Am 28. Oktober 1972 startete der erste Prototyp des Airbus A300 zu seinem Jungfernflug. Bis Ende Juli 2018 produzierte der europäische Flugzeugbauer 11.343 Flugzeuge. Aber welche sind die … weiter

Eurowings SR Technics übernimmt Triebwerksinstandhaltung

21.08.2018 - Die Lufthansa-Niedrigpreistochter Eurowings lässt einen Teil ihrer CFM56-5B-Antriebe künftig von dem Schweizer Instandhaltungsdienstleister betreuen. … weiter

Fliegende Testlabore Die Forschungsflugzeuge des DLR

09.08.2018 - Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betreibt die größte zivile Flotte von Forschungsflugzeugen und -hubschraubern in Europa. Wir stellen die ungewöhnlichen Fluggeräte vor. … weiter

Flughafen Frankfurt Neues Verfahren für weniger Fluglärm am Morgen

31.07.2018 - Airlines und Flugsicherung arbeiten an leiseren Anflügen auf den Frankfurter Flughafen in den frühen Morgenstunden. … weiter


FLUG REVUE 12/2018

FLUG REVUE
12/2018
05.11.2018

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Raumfahrt Extra
- Wettbewerb: Spar-Jets für Übermorgen
- Neuer britischer Träger: F-35B auf der "Queen Elizabeth"
- Piloten: Die neue Lufthansa-Ausbildung
- A400M in Wunstorf: Erste Einsatzerfahrungen