06.04.2017
FLUG REVUE

Deutschlandpremiere in BremenErste Landung mit reiner Satellitenführung erfolgreich

Ein neues satellitengestütztes Präzisionsanflugverfahren wurde am Bremer Flughafen ohne die Unterstützung von bodenseitiger Navigationsinfrastruktur erfolgreich durchgeführt.

Landung Satellitenführung in Bremen 2017

Ein Business-Jet der Fluggesellschaft NetJets Europe abolvierte am 6. April 2017 eine Landung nur mit Satellitenführung. Foto und Copyright: Deutsche Flugsicherung  

 

Die Fluggesellschaft NetJets Europe hat am 6. April 2017 am Bremer Flughafen erstmals in Deutschland eine Landung durchgeführt, die nur mit Satellitenführung erfolgte. Aufgrund des neuen satellitengestützten Präzisionsanflugverfahrens SBAS (Satellite Based Augmentation System) ist eine bodengestützte Navigation nicht mehr notwendig.

Das SBAS-Verfahren basiert auf EGNOS (European Geostationary Navigation Overlay Service), dem europäischen Erweiterungssystem zur GPS-Navigation. Gegenüber den bisher gebräuchlichen Anflugverfahren hat die neue SBS-Technik den Vorteil einer höheren Positionsgenauigkeit. Anstelle von 10 bis 20 Metern wird eine Genauigkeit von ein bis drei Metern erzielt. Des Weiteren wird bei diesem Verfahren die teure und wartungsintensive Navigations-Bodeninfrastruktur nicht mehr benötigt.

Die SBAS-Technik gilt für die erste (CAT 1) von drei Stufen der Allwetterbedingungen. Satelliten navigieren den Piloten präzise vertikal und horizontal bis zu einer Höhe von 200 Fuß (60 m). Ist die Landebahn dann sichtbar, kann die Landung erfolgen. Diese Führung zur sogenannten „Entscheidungshöhe“ erfolgt bislang nur durch bodengestützte Systeme wie das Instrumentenlandesystem ILS oder dem satelliten- und bodengestützte System GBAS (Ground Based Augmentation System).

Piloten der Landung mit Satellitenführung in Bremen 2017

Das Team des ersten reinen satellitengestützten Anflugs (v.l.n.r.): Christian Knuschke (Bremen Airport, Leiter Aviation), Enrico Stumpf-Siering (DFS Center Bremen, Leiter operativer Betrieb), Christian Glock (Netjets, Pilot), Maurizio Lupi (Netjets, Pilot) und Andre Biestmann (DFS, Bereichsleiter Luftraum- und ANS-Support). Foto und Copyright: Deutsche Flugsicherung  

 

Durch das Zusammenspiel von GPS-Signalen und den geostationären Satelliten von EGNOS werden bei dem SBAS-Verfahren die ICAO-Standards erfüllt. Das SBAS-Präzisionsanflugverfahren wurde von der internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO unter der Bezeichnung „LPV 200“ (Localizer Performance with Vertical Guidance) freigegeben.

Am Bremer Flughafen hat die Deutsche Flugsicherung (DFS) bereits das GBAS-Verfahren im Einsatz. 2012 wurde in Bremen der weltweit erste Anflug mit diesem Verfahren durchgeführt. Wie bei der SBAS-Technik werden auch beim GBAS-System Satellitensignale des GPS genutzt. Allerdings werden die Signale durch bodengestützte Antennen am Flughafen präzisiert und erst dann als Navigationsgrundlage an die Flugzeuge gesendet.

In Bremen steht mit dem Präzisionsanflugverfahren SBAS eine weitere Alternative zu dem bisherigen konventionellen Instrumentenlandesystem (ILS) bei schlechten Wetterbedingungen zur Verfügung.

Damit die Satellitensignale von den Flugzeugen empfangen werden können, muss das Cockpit mit EGNOS-Empfängern ausgerüstet sein. Aktuell sind in den Flugzeugen der großen Hersteller noch keine EGNOS-Empfänger eingebaut.




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