Awiadwigatel PD-14

Russlands erster neuer Turbofan geht in Serie

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Die russische Luftfahrtbehörde hat das Awiadwigatel PD-14 zur Serienfertigung zugelassen. Das PD-14 ist Russlands erster nach Ende der UdSSR entwickelter Turbofan. Es soll den Airliner MS-21 antreiben – und zum Vater eine ganzen Triebwerksfamilie werden.

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Die Ansprüche an das neue Triebwerk sind enorm: Mit dem Awiadwigatel PD-14 will Russlands Luftfahrtindustrie auch in Antriebsfragen endlich zur Konkurrenz aus dem Westen aufschließen. Der erste russische Turbofan, dessen Wurzeln nicht bis in die Sowjetzeit zurückreichen, soll im Betrieb zwischen 14 und 17 Prozent sparsamer sein als die seit Jahren etablierten Konkurrenztriebwerke à la CFM 56. Die Lebenszykluskosten sollen im Vergleich ebenfalls deutlich unterboten werden. Mit den neuen Triebwerken PW1000G und CFM Leap will man zumindest auf Augenhöhe sein. Garant für all das seien "bewährte Designlösungen", moderne Technologien und die Verwendung einheimischer Komponenten, erklärt Russlands Staatskonzern Rostec.

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Das Awiadwigatel PD-14 ist für die Irkut MS-21 maßgeschneidert und fliegt an diesem Airliner seit Ende 2020 in der Erprobung.

Triebwerk für die MS-21

Der Industriegigant verantwortet das PD-14 nach außen. Entwickelt wurde es von Awiadwigatel in Perm, einer Tochtergesellschaft der – wiederum zu Rostec gehörenden – staatlichen United Engine Corporation. Die Fertigung des PD-14 erfolgt ebenfalls in Perm im dortigen Motorenwerk. Ein erstes Los an Vorserientriebwerken wurde dort bereits produziert. Ein Paar dieser Triebwerke treibt den fünften Prototypen der Irkut MS-21 an – jenes Verkehrsjets, mit dem Russland der Übermacht des Westens im Standardrumpfbereich Paroli bieten möchte. Demnächst soll auch der – noch mit dem PW1000G von Pratt & Whitney bestückte – erste Prototyp der MS-21 auf PD-14 umgerüstet werden. So will Irkut die Zulassung der Triebwerksoption für seinen neuen Airliner beschleunigen.

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Die Irkut MS-21 wird weiter "russifiziert". Projektname der neuen Variante: MS-21-310rus.
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Die MS-21-310rus soll möglichst keine Komponenten aus dem Westen mehr besitzen. Doch dafür ist noch ein Stück Weg zu gehen.

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Bereits serienreif ist der russische Turbofan PD-14 - wenngleich die Ingenieure auch beim Triebwerk noch Optimierungsmöglichkeiten sehen.
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Ebenfalls fertig ist der Kohlefaserflügel der MS-21-310rus, der vollständig aus in Russland hergestellten Verbundwerkstoffen besteht.
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In Irkutsk wird gegenwärtig der fünfte Prototyp der MS-21 auf russische Systeme umgerüstet. 

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Mit dem auf den rus-Standard umgebauten Testflugzeug sollen die nötigen Parameter für die Zulassung der neuen Variante erflogen werden.

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Bei einem Werksbesuch im September 2023 machte sich UAC-Chef Sljusar (zweiter von rechts) ein Bild vom Fortschritt der Arbeiten. Hier inspiziert die Delegation die Kabine des Prototyps Nummer 5. 

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Erstkundin Rossija wird auf die MS-21-310rus noch etwas warten müssen. Die Aeroflot-Tochter soll das erste Flugzeug aber plangemäß 2024 erhalten.

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Ein MS-21-Prototyp wurde 2022 bereits in Rossija-Farben bemalt. Er besitzt aber noch US-Getriebefans aus dem Hause Pratt & Whitney.
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Das erste Vorserienexemplar der MS-21-300 war bereits im November 2021 in Irkutsk aus der Halle gerollt.
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Die insgesamt sechste MS-21 nutzt erstmals einen komplett in Russland gefertigten CFK-Flügel.
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Im Juni 2021 wurden die Tragflächen angedockt.
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Auch der Flügelkasten - hier beim Belastungstest - ist aus Verbundwerkstoff gefertigt.
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Insgesamt besteht die MS-21 zu rund 40 Prozent aus Verbundwerkstoffen.
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Auf dem MAKS 2021 präsentierten sich die MS-21-300 mit US-Getriebefans und die MS-21-310 mit russischen Triebwerken erstmals zusammen dem Publikum.
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Die Irkut MS-21 erhielt Ende 2021 ihre (russische) Zulassung - allerdings nur mit Pratt & Whitney-Antrieb. Fünf Prototypen absolvieren insgesamt die Flugerprobung.
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Als fünfter und letzter Prototyp rollte die MS-21-310 am 6. November 2020 erstmals in Irkutsk aus der Montagehalle.
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Sie war das erste Exemplar der MS-21, das von Beginn an russische Triebwerke besaß.
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Der Erstflug von "Nummer 5" folgte am 15. Dezember 2020.
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Die MS-21-310 wird von zwei PD-14-Turbofans angetrieben, entwickelt und produziert von Awiadwigatel.
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Das Triebwerk feierte seinen Erstflug bereits 2015 - unter dem Flügel einer Il-76, die seither auch als Testplattform diente.
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Bei "Nummer 5" kam es erstmals seiner eigentlichen Bestimmung nach.
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Die vier ersten Prototypen der MS-21 wurden bislang komplett von PW1400G-Triebwerken aus dem Hause Pratt & Whitney angetrieben.
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Irkut wollte die MS-21 am Markt mit beiden Triebwerksoptionen anbieten. Daraus wird nun nichts.
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Von Dezember 2021 bis September 2022 erhielt auch der erste MS-21-Prototyp in Irkutsk einen Umbau auf PD-14.
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Damit existieren zwei MS-21-310 mit dem russischen Antrieb - wobei 73055 (Foto) wie bereits erwähnt zurzeit in Irkutsk unterm Messer liegt.

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In der Montagehalle von Irkutsk zeigte sich bei Sljusars Besuch auch dieses teilmontierte Exemplar.

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Mutmaßlich handelt es sich dabei um das Flugzeug mit der Bordnummer 73361. Aus ihm soll die erste voll russifizierte MS-21-310rus für die Aeroflot-Gruppe werden.

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Die MS-21-300 des russischen Flugzeugherstellers Irkut Corporation (seit Juli 2023 Jakowlew) absolvierte am 28. Mai 2017 ihren Erstflug. Foto und Copyright: Irkut Corporation

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Die Kabine der MS-21 ist mit 3,81 Metern noch breiter als bei der A320-Familie (3,70 m). Foto und Copyright: OAK

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Das bietet Raum für Komfort und Beinfreiheit.
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Das Kabinenlayout der Irkut MS-21 in der Computer-Ansicht. Grafik und Copyright: OAK

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Die Gepäckfächer in der MS-21 bieten überdurchschnittlich viel Platz, auch für großes Handgepäck. Foto und Copyright: OAK

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Die Irkut MS-21 ist mit einem modernen Glascockpit mit großen Displays ausgestattet. Die Aufnahme entstand im Simulator. Ob die MS-21-310rus weiterhin aktive Sidesticks besitzen wird (wie ursprünglich von Collins aus den USA geliefert), ist unklar.

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Das Cockpit der MS-21 bleibt aber wohl auch in der russifizierten Version auf dem aktuellen Stand der Technik. Foto und Copyright: OAK

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Das MS-21-Programm musste wegen eines Kohlefaser-Embargos der USA schon Ende 2018 auf Verbundwerkstoffe aus anderen Quellen umsteigen. (Foto: OAK)

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Spezialisten des russischen Luftfahrt-Forschungsinstituts ZAGI (Zentralny Aerogidrodinamitscheski Institut) führten seit Dezember 2018 mit einem MS-21-Testrumpf Belastungstests durch. Foto und Copyright: Irkut

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Rollout der ersten MS-21-300 bei Irkut in Sibirien am 8. Juni 2016 (Foto: OAK). Damals war das Projekt noch ausgesprochen international aufgestellt.

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Mehr als die Hälfte der Zulieferer für Russlands modernstes Passagierflugzeug kam ursprünglich aus dem Westen.

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Die erste MS-21 in der Endmontage. Foto und Copyright: OAK
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Die MS-21-300 kann je nach Konfiguration 160 bis 210 Passagiere in der Kabine aufnehmen. Foto und Copyright: OAK
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Die ersten Flügel für die MS-21 wurden bei AeroComposite in Uljanowsk fertig gestellt - mit Verbundwerkstoffen aus US-Produktion. Foto und Copyright: Irkut
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Die russische Frachtfluggesellschaft Volga-Dnepr Airlines flog den Rumpf eines Passagierflugzeugs vom Typ Irkut MS-21 vom russischen Irkutsk nach Schukowski bei Moskau. Foto und Copyright: Volga-Dnepr Group
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Eine frühe Illustration der Irkut MS-21. Grafik und Copyright: OAK
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In Planung ist auch eine gestreckte MS-21-400 (bzw. 410), die in die Größenordnung des Airbus A321neo vorstoßen soll. Irgendwann einmal...

Serienbau genehmigt

Einen wichtigen Schritt dorthin hat das PD-14 nun vollführt: Russlands zivile Luftfahrtbehörde gab offiziell grünes Licht zum Start der Serienfertigung des neuen Turbofans. Dabei habe die Behörde neben dem Triebwerk selbst auch das Qualitätsmanagement des Herstellers sowie "die technologischen Prozesse der Fertigung, Montage und Prüfung von Flugzeugtriebwerken" unter die Lupe genommen, erläutert Rostec. 2021 will Awiadwigatel in Perm die Fertigung hochfahren und "mehrere" PD-14 zusammenbauen – vorrangig jedoch als Reserve für die Flugtests im Rahmen der MS-21-Erprobung.

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Der Großraumjet CRAIC CR929 soll das gegenüber dem PD-14 stark vergrößerte PD-35 als Antrieb erhalten.

Eine Familie von Turbofans

Mit dem PD-14 hat der Staatskonzern aber auch abseits des Projekts MS-21 noch viel vor. Der Turbofan soll vielmehr zum Stammvater einer ganzen Familie neuer Motoren avancieren. Wichtigste Sprösslinge dieser Familie sollen das kleinere PD-8 für den Suchoi Superjet und das Amphibium Beriew Be-200 sowie das größere und stärkere PD-35 für den chinesisch-russischen Großraumjet CR929 sein. Für den Hubschrauber-Giganten Mil Mi-26 steht mit dem PD-12W ebenfalls eine auf dem PD-14 basierende Antriebsvariante im Raum. Die Ziffer in der Typbezeichnung steht jeweils für die avisierte Leistung des Triebwerks, angegeben in Tonnen. "PD" ist das Kürzel für "Perspektivisches Triebwerk" (russisch: Перспективный Двигатель).

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