15.07.2017
Erschienen in: 07/ 2017 FLUG REVUE

Can touch thisCockpit der Zukunft: Tippen, wischen, Finger spreizen

Immer größere Bildschirme und Bedienung durch bloßes Berühren: Bei den Cockpits künftiger Verkehrsflugzeuge lassen sich die Hersteller von Smartphones und Tablet-Computern inspirieren. Über das Internet sollen Piloten auf wichtige Echtzeit-Daten zugreifen können.

Die Piloten lassen sich auf ihren Plätzen im Cockpit nieder, von vorne fahren vier große Bildschirme dicht an sie he-ran. Ein Schubhebel befindet sich in der Mitte zwischen ihnen, rechts und links gibt es Sidesticks zur Steuerung. Schalter, Drehknöpfe, ein Bedienpanel an der Decke sucht man hingegen vergeblich. Sämtliche Eingaben werden direkt auf den Monitoren gemacht, das Ganze erinnert an die Bedienung überdimensionierter iPads. Vom Kopfbügel der Headsets neigt sich ein kleines Display direkt vor das rechte Auge der Piloten. Darauf werden Aufnahmen einer Wärmebildkamera eingespielt und mit computeranimierten Geländedarstellungen fusioniert. Dieses Combined-Vision-System ermöglicht auch bei Nacht und schlechtem Wetter vollen Durchblick in alle Richtungen.

Was sich eher nach „Raumschiff Enterprise“ anhört, könnte bald schon Realität in Verkehrsflugzeugen sein. Zumindest, wenn es nach dem französischen Avionikhersteller Thales geht. Das futuristische Avionics-2020-Konzept wurde 2013 auf der Paris Air Show erstmals vorgestellt und seitdem weiterentwickelt. Schon in drei Jahren könnten das Cockpitdesign und die dahinterliegende Softwarelösung laut Thales in Dienst gehen. Simulationen und Flugtests wurden bereits durchgeführt.

Ein Cockpit ohne Schalter und Drehknöpfe

„Die Einführung der Touchscreen-Interaktion wurde beispielsweise mithilfe einer um sechs Achsen beweglichen Plattform überprüft, die verschiedene Arten von Turbulenzen simulieren kann. Einige andere Funktionen wurden im echten Flug mit kleinen Flugzeugen getestet“, sagt Guillaume Lapeyronnie, Head of Marketing for Flight Avionics bei Thales. Einen Erstkunden soll es bereits geben. Um wen es sich handelt, wollte das Unternehmen aber auf Nachfrage der FLUG REVUE nicht preisgeben.

Avionics 2020 ist Thales‘ Antwort auf die Frage, wie die Bedienung künftiger Airliner einfacher, sicherer und besser vernetzt werden kann. „Wir haben festgestellt, dass die Luftfahrtindustrie rasant an die Grenze der Komplexität (…) kommt, die in aktuelle Cockpit-Architekturen integriert werden kann“, sagt Lapeyronnie. Heute hat fast jedes System im Flugzeug seine eigene Schnittstelle, sprich: eine eigene Anzeige und ein Bedienelement. Aus der Fülle an Informationen müssen die Piloten die jeweils relevanten herausfiltern.

Thales will mit Avionics 2020 weg von diesem Prinzip. Das gesamte Cockpit sei um die Bedürfnisse der Piloten herum aufgebaut. Das beinhaltet ergonomische Aspekte, aber auch ein „aufgabenorientiertes Design, das den Piloten ermöglicht, die richtigen Informationen zu erhalten, um die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen“, so Lapeyronnie. Das soll die Arbeitsbelastung in den einzelnen Flugphasen verringern, das Situationsbewusstsein steigern und dadurch die Sicherheit erhöhen.


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Ulrike Ebner


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