13.04.2015
Erschienen in: 11/ 2014 FLUG REVUE

LuftfahrtindustrieLuftfahrt made in Germany – Die Standorte

Neben der dominierenden Airbus Group gibt es in Deutschland viele Zuliefer- und Servicefirmen, die sich vor allem um die traditionellen Hauptstandorte der Branche gruppieren. Ausgewählte Regionen stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

IN DIESEM ARTIKEL

Nachdem der Alliierte Kontrollrat 1945 ein Verbot der Entwicklung und Produktion von Flugzeugen in Deutschland verhängt hatte, dauerte es zehn Jahre, bis Deutschland seine Lufthoheit wiedererlangte. Der Grundstein zum Wiederaufbau der Luftfahrtindustrie war gelegt. Am 5. Mai 1955 wurde die Bundeswehr gegründet. Die Anfänge der Raumfahrt fallen in diesen Zeitraum. Der enge Schulterschluss zwischen Deutschland und Frankreich führte 1970 zur Gründung von Airbus. Seit der Auslieferung des ersten Airbus A300 im Jahr 1972 sind 40 Jahre vergangen. Zu diesem Zeitpunkt waren 56 500 Menschen in der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie beschäftigt, der Umsatz betrug 1,9 Milliarden Euro. Im vergangenen Geschäftsjahr verzeichnete unsere Branche ein Allzeithoch bei Umsatz und Beschäftigten: 105 500 Arbeitnehmer erwirtschafteten einen Umsatz von 30,6 Milliarden Euro. 2013 wurden fast 5000 neue, hochwertige Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen.

Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie kennzeichnet seit Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum. In den vergangenen vier Jahrzehnten hat sich die Beschäftigtenzahl annähernd verdoppelt, der Umsatz ist um das 16-fache gesteigert worden. Diese Branche hat sich zu einem starken Job- und Wirtschaftsmotor für Deutschland entwickelt. Sie zählt zu den Schlüsselsektoren für den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland. Ihr kommt eine elementare strategische Bedeutung zu für die Industrie-, Wirtschafts-, Technologie-, Sicherheits-, Umwelt-, Klimapolitik und übergreifend für die Europa- und Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland.

Die zivile und militärische Aerospace-Industrie hat aufgrund ihrer hohen Innovationskraft und der vielfältigen Abstrahleffekte eine Schrittmacherfunktion für die Technologieentwicklung für die gesamte deutsche Industrie. Ohne ihre Pionierleistungen wären Innovationen und Forschungsergebnisse, die inzwischen selbstverständliche Begleiter unseres alltäglichen Lebens geworden sind, nicht erfolgt. Die moderne Kommunikationswelt und die weltweiten Märkte für Mobiltelefonie und Navigationssysteme wären ohne die Raumfahrt nicht entstanden. Auch bei der Steuerung von Logistikketten, der Bekämpfung von Umweltkatastrophen, etc. spielen Satelliten die entscheidende Rolle. Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie ist leistungsstark, hochinnovativ und vielfältig: Sie trägt als Technologieführer und entscheidender Impulsgeber auch für andere Branchen dauerhaft und wesentlich zur Wertschöpfung bei. Viele Technologien und Prozesse aus unserer Industrie haben Eingang in andere Branchen gefunden.

Diese Vorreiterrolle nimmt auch die militärische Luftfahrtindustrie ausgeprägt wahr, zum Beispiel bei zukunftsweisenden Technologien und Produkten wie unbemannt fliegende Systeme. Dieser „spin-off“ gilt nicht nur für die Systemindustrie, sondern auch für unsere mittelständisch geprägte Ausrüstungsindustrie. Klare Grenzen zwischen militärischen und zivilen Technologien verschwinden zunehmend. Dabei ist unsere Branche aufgrund ihrer verteidigungs- und sicherheitspolitischen Funktion von strategischer Bedeutung: Nur mit einer nachhaltig aufgestellten, schlagkräftigen und leistungsfähigen militärischen Luftfahrtindustrie kann Deutschland auch künftig seiner sicherheits-, bündnis- und wirtschaftspolitischen Verantwortung nachkommen. Mit über 60 Prozent Exportanteil ist Deutschland ein wesentlicher Standort für diese europäisch integrierte, in komplexe multinationale Kooperationsprogramme eingebundene Branche. Gleichzeitig ist der nationale Wertschöpfungsanteil hoch. Unsere Weltmarktposition können wir nur halten, wenn wir in der Technologie immer einen Vorsprung besitzen. Als Hochlohnland können wir nur in der Kombination von Innovation mit höchster Qualität bestehen. Kurzum: Die Luft- und Raumfahrtindustrie mit ihren Systemherstellern und Zulieferunternehmen sind Garant für Spitzentechnologie „made in Germany“. Diese Stellung, die sie auch im weltweiten Wettbewerb wettbewerbsfähig und erfolgreich macht, gilt es zu erhalten und gezielt auszubauen.

Dietmar Schick, Hauptgeschäftsführer des BDLI


WEITER ZU SEITE 2: Hamburg

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | ...    


Weitere interessante Inhalte
MTU Aero Engines Neue Technologien für Getriebefans

15.12.2017 - Im Rahmen des europäischen Forschungsprogramms Clean Sky 2 optimiert MTU die Niederdruckturbine und den Hochdruckverdichter der Getriebefan-Familie von Pratt & Whitney weiter. Dafür werden zwei … weiter

Enders und Brégier gehen Airbus tauscht die Führung aus

15.12.2017 - Der europäische Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern Airbus tauscht seine Führungsspitze aus. Konzernchef Tom Enders verlängert seinen Vertrag nicht um eine dritte Amtszeit über den April 2019 … weiter

Kampfhubschrauberregiment 36 Tiger-Schießkampagne in der Oberlausitz

13.12.2017 - Nachdem der Kampfhubschrauber Tiger wieder für den Flugbetrieb freigegeben ist, setzt das Kampfhubschrauberregiment 36 aus Fritzlar die Ausbildung der Besatzungen fort. … weiter

Rolls-Royce Zukunftstriebwerk im Test

07.12.2017 - Rolls-Royce hat die Bodenerprobung mit dem Advance-3-Demonstrator im britischen Derby begonnen. … weiter

Airbus Helicopters Mexiko übernimmt letzte AS565 MBe Panther

06.12.2017 - Die mexikanische Marine hat ihre letzten beiden AS565 MBe-Hubschrauber während einer Auslieferungszeremonie bei Airbus Helicopters in Marignane erhalten. … weiter


FLUG REVUE 01/2018

FLUG REVUE
01/2018
11.12.2017

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- 100. Airbus A380 für Emirates
- Airbus-Hoffnung China
- Auftragsfeuerwerk Dubai Air Show
- Tornado-Training
- F-35 für die Luftwaffe?
- Adaptive Tragflächen
- Vorausschauende Instandhaltung
- Mehrwegraketen