21.06.2016
FLUG REVUE

X-57 "Maxwell"NASA plant Elektroflugzeug mit 14 Motoren

Mit dem Forschungsflugzeug X-57 will die US-Raumfahrtbehörde NASA neue Antriebskonzepte untersuchen. Es ist das erste von sechs X-Flugzeugen, die in den kommenden zehn Jahren gebaut werden sollen.

X-57 der NASA

Die NASA will mit X-57 verteilte elektrische Antriebe testen. Foto und Copyright: NASA Langley/Advanced Conceps Lab, AMA, Inc.  

 

NASA-Administrator Charles Bolden stellte die Pläne der X-57 am Freitag bei der Aviation 2016 in Washington vor. "Mit der Rückkehr bemannter X-Flugzeuge in die Forschungsfähigkeiten der NASA, wird die X-57 der erste Schritt in eine neue Ära der Luftfahrt sein", wird Bolden in einer Pressemitteilung zitiert. Im Rahmen des über zehn Jahre angelegten Forschungsprogramms "New Aviation Horizons" sind insgesamt sechs X-Flugzeuge geplant, anhand derer Technologien zur Reduzierung von Treibstoffverbrauch, Lärm und Emissionen erprobt werden sollen.

Die Basis für die X-57 ist das zweimotorige italienische Leichtflugzeug Tecnam P2006T. Die Original-Tragfläche des Hochdeckers und die beiden Kolbenmotoren werden durch eine lange, schmale Tragfläche mit 14 darin integrierten Elektromotoren ersetzt - zwölf an den Vorderkanten für Start und Landung und jeweils ein etwas größerer Motor an den Flügelenden für den Reiseflug. Die Energie für die Elektromotoren liefern Batterien. Mithilfe dieser Konstruktion will die NASA bestätigen, dass sich durch die Verteilung integrierter elektrischer Antriebe der Energiebedarf eines Privatflugzeugs mit einer Reisegeschwindigkeit von rund 280 km/h um den Faktor fünf reduzieren lässt.

Die Technologie der über die Tragfläche verteilten elektrischen Antriebe hat die NASA bereits bei Bodentests untersucht. Beim Forschungsprojekt LEAPTech (Leading Edge Asynchronous Propeller Technology) wurde in den vergangenen zwei Jahren eine 9,45 Meter lange Flügelseketion aus Kohlefaserverbundwerkstoff mit 18 Elektromotoren ausgestattet. Die Motoren wurden von Lithium-Eisenphosphat-Akkus gespeist. Dieser Flügel namens HEIST (Hybrid-Electric Integrated Systems Testbed) wurde auf einem modifizierten Lastwagen montiert, der bei Geschwindigkeiten bis knapp 113 km/h durch einen ausgetrockneten See in der Nähe der Edwards Air Force Base in Kalifornien fuhr.

Die Geschichte der X-Flugzeuge begann 1947 mit der X-1, dem ersten Flugzeug, dass schneller als der Schall flog. Die X-57 erhält den Spitznamen "Maxwell" - nach dem schottischen Physiker James Clerk Maxwell, der im 19. Jahrhundert einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des Elektromagnetismus leistete. Zum Erstflug könnte die X-57 laut Medienberichten bereits 2017 abheben.

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www.flugrevue.de/Ulrike Ebner


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