16.08.2016
FLUG REVUE

Neuer Eigner bei deutschem Top-AnlagenbauerChinesen kaufen Broetje-Automation

Die Shanghai Electric Group Co. aus China hat am Sonnabend von der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) das Unternehmen Broetje-Automation GmbH gekauft. Auch ein Fonds, der Minderheitsgesellschafter Dürr und weitere Co-Investoren veräußerten ihre Anteile.

Broetje Automation ISAC Boeing 787

Integrated Section Assembly Cell (ISAC) nennt Broetje diese Montageanlage für die Boeing 787. Foto und Copyright: Broetje Automation  

 

Über den Kaufpreis hätten die Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart, teilte die DBAG mit. Das Kartellamt muss der Übernahme noch zustimmen. Broetje-Automation plant und produziert Fertigungslinien für die Luft- und Raumfahrtindustrie. Das erfolgreiche Unternehmen ist der weltweit führende Experte für Produktionsprozesse in dieser Branche und zählt nahezu alle namhaften Hersteller zu seinen Kunden. Das Leistungsspektrum umfasst insbesondere Nietmaschinen und -anlagen, mit denen große Elemente eines Flugzeugs wie Rumpf, Flügel und Cockpit aus Metall oder Kohlefaser automatisch genietet, gefügt und montiert werden können.

DBAG und DBAG Fund V hatten BA im März 2012 aus einem Konzern in Familienbesitz erworben. Die seinerzeit mit der Geschäftsführung des Unternehmens verabredete Strategie wurde erfolgreich umgesetzt. Entsprechend hat sich der Umsatz der Gruppe von ursprünglich 83 Millionen Euro in den vergangenen vier Jahren mehr als verdoppelt. Zu den Maßnahmen gehören unter anderem der Ausbau des Service-Geschäfts, die Verbreiterung des Produkt- und Leistungsangebots sowie die weitere Internationalisierung der Kundenbasis. Durch die 2012 gegründete Service-Gesellschaft konnte das Servicegeschäft nahezu vervierfacht und auf mehr als 20 Prozent des Gesamtumsatzes gesteigert werden. Der Ausbau des Produkt- und Leistungsportfolios wurde auch durch externes Wachstum erreicht, zuletzt 2014 durch den Erwerb der Flugzeug-Montagetechnik des Dürr-Konzerns. Im Zuge dessen erhielt Dürr eine 11-Prozent-Beteiligung an Broetje-Automation. Nach dem Einstieg der DBAG hat BA unter anderem seine Aktivitäten in China verstärkt, etwa durch den Aufbau eines Vertriebsstandorts in Shanghai. Zu Beteiligungsbeginn beschäftigte BA 450 Mitarbeiter, inzwischen ist die Belegschaft auf rund 850 Personen gewachsen.

BA-Geschäftsführer Bernd Schröder sagte: „Wir sind seit mehr als sechs Jahren in China aktiv und bieten dort inzwischen unser gesamtes Produktportfolio an. Shanghai Electric ist unser Wunschpartner, da er die unabhängige Entwicklung des Unternehmens in den Schlüsselmärkten Europa, USA, Japan, Russland und insbesondere China unterstützen wird. SEC wird uns außerdem helfen, unsere Wachstumsziele in den attraktivsten und am schnellsten wachsenden Flugzeugmärkten der Welt zu erreichen“. Der Weltmarkt verlangt in den kommenden 20 Jahren nach mehr als 30.000 Flugzeugen, die zunehmend aus lokalen Produktionsstätten geliefert werden.

Shanghai Electric (Umsatz 2014: umgerechnet 11,5 Milliarden US-Dollar) erhält mit Broetje-Automation direkten Zugang zu allen weltweit tätigen Herstellern im Flugzeugbau. SEC ist ein in Shanghai und Hongkong börsennotierter Mischkonzern und unter anderem in den Geschäftsfeldern regenerative Energie, Industrieausrüstung und Dienstleistungen tätig. Das Unternehmen unterhält zahlreiche Kooperationen mit deutschen Unternehmen, etwa mit Siemens und dem Pumpenhersteller KSB. Seit Jahresbeginn ist es an dem Maschinenbauunternehmen Manz Automation beteiligt. Ziel der Beteiligung an Broetje-Automation ist der Aufbau eines Standbeins für SEC in der Flugzeugindustrie und einer Basis für künftige Geschäftsmöglichkeiten mit BA-Kunden wie Airbus und Boeing.

Vor kurzem war bereits der deutsche Roboterhersteller Kuka an den chinesischen Investor Midea verkauft worden.

www.flugrevue.de/Sebastian Steinke


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