04.04.2016
FLUG REVUE

Versuchsreihen des DLRExtremsituationen im Flugsimulator

Um Pilotentraining und Cockpitverfahren anzupassen, hat das DLR Versuchsreihen mit Crews europäischer Fluggesellschaften im Simulatorzentrum in Braunschweig durchgeführt.

Man4Gen-Forschungsprojekt des DLR

Nebel, Anweisungen der Flugsicherung, Autopilotenfehler und dann noch ein Vogelschlag: In Versuchsreihen mussten sich Piloten Extremsituationen im Simulator stellen. Foto und Copyright: DLR  

 

Im Fokus des EU-Projekts Man4Gen (Manual Operation of 4th Generation Airliners) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) stand die Reaktion von Besatzungen auf unerwartete Ereignisse. Dazu fanden zwei Versuchsreihen mit 17 Crews europäischer Airlines im Simulatorzentrum AVES (Air Vehicle Simulator) in Braunschweig statt.

Die für die Versuche entworfenen Szenarios setzten sich aus Ereignissen zusammen, die in der Realität nur selten zeitgleich während eines Fluges auftreten. So sollte untersucht werden, wie sich die Besatzung in Extremsituationen verhält. An "Bord" des bewegten A320-Simulators waren nacheinander 17 real zusammengestellte Crews, bestehend aus einem Captain und einem First Officer derselben Airline.

Als Szenario für die erste Versuchsreihe diente ein realer Linienflug von Amsterdam Schiphol nach Frankfurt/Main. In Amsterdam musste die Crew das Flugzeug mit einer Einschränkung, die das automatische Landen verhindert, übernehmen. Jedoch machten Nebelfelder eine manuelle Landung unmöglich, so dass die Piloten zum Durchstarten gezwungen waren. Während des Durchstartens wies die Flugsicherung eine schnelle Rechtskurve an. Ein zusätzlicher Autopilotenfehler zwang die Crew in dieser zeitkritischen Situation, die manuelle Steuerung zu übernehmen. Doch damit nicht genug: in der Rechtskurve erlitten beide Triebwerke einen Vogelschlag. Der hierdurch verursachte Leistungsverlust, starke Vibrationen, sowie der in diesem Moment aufreißende Nebel am Zielflughafen zwangen die Teams zu einer schnellen Entscheidung über das weitere Vorgehen.

Assistenzsystem als Hilfe bei komplexen Entscheidungen

Simulatorzentrum AVES in Braunschweig

Die Versuche wurden in einem bewegten A320-Simulator durchgeführt. Foto und Copyright: DLR  

 

Ziel dieses Szenarios war es, herauszufinden wie die Crews Entscheidungen treffen und mit welchen technischen Hilfsmitteln dies unterstützt werden kann. Auf Basis dieser Ergebnisse entwickelten die DLR-Wissenschaftler den Prototypen des "Risk Information Systems", eines Pilotenassistenzsystems, das die Crews auf einen Blick über den Gesamtzustand des Flugzeuges informiert und sie bei ihrer Entscheidungsfindung unterstützt.

Im zweiten Versuchsszenario hatten die Piloten das "Risk Information System" mit an Bord des Simulators. Die auf einem Display dargestellten Risikoeinschätzungen und Hinweise dienen der Crew als "roter Faden" während unklarer und komplexer Situationen. Das Assistenzsystem stellt das Risikolevel für die verschiedenen Flugphasen Steigflug, Reiseflug, Sinkflug und Landeanflug dar. Es zeigt den Piloten, welche Auswirkungen die Fehler auf den Gesamtzustand des Flugzeuges bezogen auf den aktuellen Flug haben. So können sich die Piloten auf die bevorstehenden Schritte zur Fehlerbehebung vorbereiten und diese strukturiert abarbeiten.

Alle Crews hätten diese Extremsituationen gut gemeistert und schließlich die richtigen Entscheidungen getroffen, um das Flugzeug sicher zu landen. Die Versuche hätten zudem gezeigt, dass das neu entwickelte "Risk Information System" die Arbeitsbelastung der Piloten während unerwarteter und komplexer Situationen reduziert. Der Systemansatz soll nach Angaben des DLR in zukünftigen Arbeiten weiter erforscht werden.

Mehr zum Thema:
www.flugrevue.de/UE


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