10.01.2017
FLUG REVUE

Flughafen ZürichLotsen testen neuen Rollweg virtuell

Wie kommen Fluglotsen mit einem neuen Rollweg am Airport Zürich klar? Wie können Betriebsverfahren optimiert werden? Das untersuchte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit Lotsen - in einer Simulation.

DLR-Rollwegsimulation Flughafen Zürich

In einer Simulation beim DLR in Braunschweig testeten Fluglotsen einen neuen Rollweg am Flughafen Zürich im Alltagsbetrieb. Foto und Copyright: DLR  

 

Der Flughafen Zürich wird von einer aktiven Start- und Landebahn in zwei Bereiche geteilt. Diese zentral gelegene Bahn muss von einem Großteil der ankommenden und abfliegenden Flugzeuge gekreuzt werden. Mit dem Projekt "Umrollung Piste 28" soll die Anzahl der Kreuzungen reduziert und die Sicherheit erhöht werden, indem die Flugzeuge einen neuen Rollweg östlich der Start- und Landebahn nutzen. Im Rahmen einer vom Flughafen Zürich beim DLR in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie testeten Fluglotsen den neuen Rollweg im November und Dezember 2016 virtuell.

Durchgeführt wurden die Untersuchungen am Apron- und Tower-Simulator (ATS) am DLR-Institut für Flugführung in Braunschweig. Der Lotse sitzt dabei wie in der Realität an seinem Arbeitsplatz, leitet die Luftfahrzeuge gemäß der realen Betriebsverfahren und koordiniert die betrieblichen Abläufe. Den Lotsen aus Zürich sei in Braunschweig ein möglichst realitätsnahes Abbild der neuen Rollwegsitutation zur Verfügung gestellt worden, dadurch seien die damit einhergehenden Änderungen erlebbar geworden. "Dabei standen Aspekte wie der erweiterte Zuständigkeitsbereich oder eine möglichst handhabbare Anpassung der Rollanweisungen im Fokus, ebenso wie die Frage, wie betriebliche Sondersituationen im neuen Vorfeldlayout abgearbeitet werden können", sagt Ronny Scharf, Projektleiter vom Flughafen Zürich.

Simulationspiloten führen die Lotsenanweisungen aus

Im ATS werden für die virtuelle Darstellung des Flughafens hochauflösende Projektoren und Bildschirme genutzt. Die Flugverkehrskontrollfreigaben geben die Lotsen über ein simuliertes Funksystem. Ausgeführt werden ihre Befehle dann von sogenannten "Simulationspiloten". Diese DLR-Mitarbeiter führen den Funkverkehr wie echte Piloten und können dabei mehrere virtuelle Flugzeuge über vereinfachte Verfahren gleichzeitig steuern. So ist das DLR in der Lage, für den Flughafen Zürich den neuen Rollweg unter unterschiedlichsten Verkehrs- und Wetterbedingungen zu testen.

Zudem unterstützen Psychologen, Simulations- und Luftfahrtexperten die Studie. Die Eindrücke der Lotsen, ihre Arbeitsbeanspruchung sowie ihr Situationsbewusstsein werden genauso analysiert wie die Roll- und Wartezeiten der Flugzeuge oder die Häufigkeit und die Dauer der im Funk gegebenen Anweisungen und Freigaben. "Nur wenn wir alle Aspekte - von der Lotsenmeinung bis zur Anzahl der Starts - und Landungen - mit einbeziehen, können wir am Ende beurteilen, welche Verbesserungen der neue Rollweg bringt", sagt DLR-Forscher Schier vom DLR-Institut für Flugführung, der die ATS-Aktivitäten leitet.

Tests unter Winter- und Sommerbedingungen

Für die Studie des Flughafens Zürich wird der ATS in einer seiner größten Ausbaustufen verwendet. Nach Angaben des DLR sind nur wenige Simulatoren in der Welt in der Lage, so große und komplexe Möglichkeiten zu realisieren, wie sie für diese Studie nötig sind. Acht Lotsen in zwei getrennten Kontrollräumen führen die virtuellen Luft- und Bodenfahrzeuge. In einem dritten Raum sitzen zehn Simulationspiloten, Bodenfahrzeugoperateure und Koordinatoren. Sie steuern die Luftfahrzeuge, fahren die Flugzeugschlepper zum Zurückschieben der Flugzeuge oder nehmen Telefonanrufe als Flughafenmanagement- oder Enteisungskoordinatoren entgegen.

Gesteuert wird die ganze Simulation von einem vierköpfigen Team aus Versuchsbeobachtern und Simulationsleitern. Über zwei Simulationswochen mit unterschiedlichen Lotsen wird so der neue Rollweg unter Winter- wie Sommerbedingungen getestet. Die Lotsen müssen vom einfachen Flugverkehr nach Plan bis zu komplexen Sonderfällen verschiedene Situationen lösen. Egal ob Flugzeuge mit Fahrwerksdefekt oder Startabbruch, alle Situationen werden vom DLR-Team analysiert und mit den Lotsen besprochen, um Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten.

"Am Ende hilft unsere Machbarkeitsstudie dem Flughafen Zürich das Potenzial des neuen Rollwegs optimal auszunutzen und die entsprechenden Verfahren zu finden, damit Safety- und Effizienzverbesserungen im Rollverkehr in Zürich optimal ausgeschöpft werden können", so Schier. Bis März 2017 sollen die jetzt ermittelten Daten ausgewertet sein.



Weitere interessante Inhalte
Von A330 bis Vahana Die Erstflüge des Jahres 2018

19.12.2018 - Unbemannte Fluggeräte, Flugzeuge mit Elektroantrieb und neue Verkehrsjets – das Jahr 2018 hatte wieder interessante Debütanten zu bieten. … weiter

Meilenstein für brasilianischen Flugzeugbauer Embraer liefert 1500. E-Jet aus

19.12.2018 - Embraer hat am 18. Dezember seinen 1500. E-Jet an einen Kunden übergeben. Die Embraer 175 ging an die Alaska Airlines-Tochter Horizon Air. … weiter

Schneller Scannen ohne erhobene Hände Neuer Passagierscanner am Flughafen Denver

19.12.2018 - Pünktlich zum weihnachtlichen Spitzenandrang hat Colorados Mega-Drehkreuz, der Flughafen Denver, die ersten Durchleuchtungsgeräte in Betrieb genommen, bei denen die Passagiere nicht mehr ihre Hände … weiter

Erfolgreichstes Modell der Familie Rolls-Royce liefert 2000. Trent 700 aus

19.12.2018 - Rolls-Royce feiert mit der Auslieferung des 2.000. Trent 700 einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Trent Familie. … weiter

Fast 800 Mio. Euro Entschädigungsansprüche in 2018 Die Verspätungsbilanz 2018 von Flightright

18.12.2018 - Fluggäste in Europa mussten in diesem Jahr besonders viel Geduld aufbringen. Laut Schätzungen des Fluggastrechteportal Flightright stehen den Passagieren Entschädigungen in Höhe von 780 Millionen Euro … weiter


FLUG REVUE 1/2019

FLUG REVUE
1/2019


Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Absturz: Welche Probleme hat die Boeing 737 Max?
- Airbus A330-800: Start in umkämpften Markt
- Eurofighter: Großübung der Luftwaffe in Laage
- New Horizons: Neues Ziel jenseits von Pluto
- Tupolew Tu-144: Der erste Überschall-Airliner