24.03.2017
FLUG REVUE

Untersuchungen im Auftrag der EASAStudien sehen keine Probleme bei Kabinenluft

Die Luft in Kabinen von Verkehrsflugzeugen ist unbedenklich. Zu diesem Ergebnis kommen zumindest zwei von der europäischen Agentur für Flugsicherheit in Auftrag gegebene Untersuchungen.

A380 Lufthansa ca 2010

Messflüge wurden unter anderem mit Airbus A380 der Lufthansa durchgeführt. (Foto: Airbus).  

 

Die EASA hat am Dienstag zwei Untersuchungen zur Kabinenluft in Verkehrsflugzeugen veröffentlicht. Demnach soll es keine Gesundheitsrisiken durch Kontamination mit Öldämpfen geben. Immer wieder berichten Airliner-Besatzungen von sogenannten Fume Events, bei denen seltsame Gerüche oder sogar Rauch auftreten, die zu gesundheitlichen Beschwerden führen.

Zuletzt gab es offenbar einen Vorfall mit einem Airbus A340 von Lufthansa. Das Flugzeug war nach einem Bericht des "Aviation Herald" am 18. März unterwegs von München nach Newark, als Piloten im Steigflug Rauch im Cockpit und die Besatzung Gerüche in der Kabine bemerkten. Mehrere Besatzungsmitglieder und Passagiere sollen gesundheitliche Beeiträchtigungen erlitten haben, bei einem Flugbegleiter sei sogar eine Gesichtslähmung eingetreten.

Kabinenluft Messkoffer Lufthansa

Lufthansa Technik und die Medizinische Hochschule Hannover haben für die Messflüge einen speziellen Messkoffer entwickelt, der die Kabinenluft analysiert. Foto und Copyright: Lufthansa  

 

Die erste, von der EASA in Auftrag gegebene Studie wurde von einem Konsortium bestehend aus der Fraunhofer Gesellschaft zur Förderung der angewandten Luftfahrtforschung und der Medizinischen Hochschule Hannover in Zusammenarbeit mit Lufthansa Technik sowie den Fluggesellschaften Lufthansa, Condor und British Airways durchgeführt. Dazu wurden zwischen Juli 2015 und Juni 2016 insgesamt 69 Messflüge mit acht verschiedenen Flugzeugtypen absolviert: 61 davon mit Flugzeugen, die die Kabinenluft über ein Zapfluftsystem aus dem Triebwerksverdichter beziehen (Airbus A320, A321, A340, A380, Boeing 757, Boeing 767, Boeing 747) , sowie acht Flüge mit einer Boeing 787-8, die mit elektrischen Kompressoren arbeitet. Bei allen Flügen seien Messgeräte sowohl im Cockpit als auch in der Kabine installiert worden.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Luftqualität in Cockpits und Kabinen gleich oder sogar besser ist als in Büroräumen, Schulen, Kindergärten oder Wohnungen. Bei den Messflügen seien keine arbeitsschutzrechtlichen Grenzwerte überschritten worden. Besonderes Augenmerk sei bei den Untersuchungen auf Organophosphate, besonders das Nervengift Trikresylphosphate (TCP), gelegt worden. Es seien in allen Flugzeugtypen nur gelegentlich Spuren gefunden worden, so die Autoren der Studie.

Wie giftig sind Triebwerksöle?

Die zweite Studie beschäftigte sich mit den toxischen Effekten von Ölmischungen, die in Flugzeugtriebwerken zum Einsatz kommen. Dabei seien Öl, Öldämpfe und potenzielle Pyrolyse-Abbauprodukte chemisch charakterisiert worden. Letztere entstehen bei der Spaltung organischer Verbindungen unter hohen Temperaturen. Die Forscher untersuchten zwei Ölmarken und nahmen sowohl Proben von neuem als auch gebrauchtem Öl. Durchgeführt wurde die Studie von der Niederländischen Organisation für angewandte wissenschaftliche Forschung und dem Niederländischen Nationalen Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt.

Demnach enthalten die analysierten Öle TCP, allerdings wurden keine giftigen Orthotrikresylphosphate-Isomere nachgewiesen. Laut der Studie sind in den Ölen nach der Pyrolyse neuroaktive Substanzen vorhanden, jedoch in einer so geringen Konzentration, dass sie in einer gesunden Lunge keinen Schaden anrichten können.



Weitere interessante Inhalte
Lufthana Technik setzt Roboter ein Erstmals vollautomatisches Prüfen der Cockpit-Bedieneinheit möglich

18.01.2019 - Die Lufthansa Technik hat den weltweit ersten Roboter für vollautomatisierte Tests von Cockpit-Bedieneinheiten entwickelt. Das Verfahren befindet zur Zeit in der Integrationsphase. … weiter

Frachterflotte wächst in Frankfurt und Leipzig Lufthansa Cargo least eine weitere 777F für AeroLogic

16.01.2019 - Im Jahr 2019 wächst die Flotte von Lufthansa Cargo um insgesamt vier Boeing 777F. Neu ist das vierte Flugzeug. Es wird ab Herbst durch den AeroLogic-Anteilseigner Lufthansa Cargo für die Leipziger … weiter

Fast die Hälfte aller Flugzeuge für Emirates Airbus A380: alle Nutzer im Überblick

11.01.2019 - Das größte Passagierflugzeug der Welt tut sich schwer. Nur 321 Bestellungen konnte Airbus bislang für seine A380 verbuchen. Davon waren zum Jahresende 2018 234 Maschinen ausgeliefert. Unterdessen … weiter

Zahlen für 2018 Lufthansa Group meldet neuen Passagierrekord

10.01.2019 - Die Airlines der Lufthansa Group haben 2018 rund 142 Millionen Passagiere transportiert - und damit mehr als jemals zuvor. Dies geht aus einer aktuellen Mitteilung des Konzerns hervor. Der … weiter

Bordservice mit individueller Vergütung Frontier-Flugbegleiter erbitten Trinkgeld

10.01.2019 - Die amerikanische Fluggesellschaft Frontier Airlines hat individuelles Trinkgeld für ihre Flugbegleiter zugelassen. Beim Kauf von Getränken und Speisen erbittet die Crew nun einen extra Obulus. … weiter


FLUG REVUE 2/2019

FLUG REVUE
2/2019
07.01.2019

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Der Marathon-Flug von Singapore Airlines
- China: Fighter-Show in Zuhai
- Marktübersicht: Die Top-Liga der Business Jets
- Rückkehr zum Mond: NASA plant bemannte Raumstation im Orbit
- Luftwaffe: Der Weg ins Kampfjet-Cockpit