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Galleys – mehr als nur Bordküchen

Galleys – mehr als nur Bordküchen

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Von der Einbauküche mit Kühlschrank und Elektroherd bis zur heutigen, hochmodernen Galley haben die High-tech-Installationen fürs leibliche Wohl der Passagiere eine lange Entwicklung durchgemacht. Wir werfen einmal einen Blick „in die Töpfe“.

Galleys - Mehr als nur Bordküchen

ATLAS ist eine Abkürzung. Sie steht für Air France, Iberia (mit dem T als erstem Buchstaben des damaligen internationalen Airline-Codes TY), Lufthansa, Alitalia und Sabena. Vor Jahren schon einigten sich diese Fluggesellschaften auf einheitliche Maße für ihre Speisentabletts und daraus abgeleitet für Servierwagen (Trolleys) und alle weiteren Kücheninstallationen, wie Öfen, Kaffeemaschinen oder Kühlfächer. Diese Vereinbarung in Form eines umfangreichen Katalogs sollte mit zunehmendem Luftverkehr – in Ausdehnung und Passagierkapazität – vor allem auch die Möglichkeit des gegenseitigen Caterings schaffen, also der schnellen und hygienischen Belieferung der Flugzeuge mit Speisen, Getränken und Verbrauchsgütern.

ATLAS und weitere Normen

ATLAS gilt heute für die meisten Fluggesellschaften weltweit als Norm und bewährt sich täglich millionenfach. Daneben gibt es noch KSSU, einst vereinbart von KLM, SAS, Swissair und UTA, und die Unterschiede lassen sich an den Abmessungen eines Standard-Trolleys am besten verdeutlichen. Ein ATLAS-Wagen ist 1,03 m hoch, 30,4 cm breit und 81 cm tief, während der KSSU-Trolley bei gleicher Breite und Höhe 84,8 cm in der Tiefe misst. Dieser Standard ist aber nicht weit verbreitet.


Von der Flugzeugküche zur Galley

Einst bei der Lufthansa bereitete ein Koch das Essen zu. Heute wird das Essen vorgekocht, gekühlt und an Bord nur noch erwärmt. Foto und Copyright: Lufthansa

Initiiert worden waren die Vereinbarungen von den Herstellern der entsprechenden Bordausrüstungen, der Galleys, wie die Küchen in der Fachsprache heißen. Schon 1955, im ersten Jahr ihres Bestehens, präsentierte die neue Deutsche Lufthansa ihren Passagieren nämlich eine Weltneuheit, die sie von ihren Mitbewerbern abhob, nämlich eine spezielle Flugzeugküche, entwickelt von Sell Haus- und Küchentechnik im hessischen Herborn. Sie wurde in den Super Constellations installiert, und auch wenn in den zwanziger Jahren bereits einzelne Flugzeugtypen über Küchenabteile verfügten, so ging es doch jetzt zum ersten Mal um die serienmäßige Ausrüstung von Linienflugzeugen und um die Bordversorgung größerer Passagierzahlen.

Das bedeutete aber auch, dass an Bord bald nicht mehr für eine exklusive Kundschaft gekocht werden konnte. Die Speisen mussten am Boden vorbereitet, hygienisch verpackt und gekühlt sowie an Bord gelagert werden, um zum vorgegebenen Zeitpunkt nur noch aufgewärmt zu werden. Diese geschlossene Verpflegungskette reichte eben bis hin zum Geschirr, und Sell entwickelte ein solches Servicekonzept, mit dem das Unternehmen 1955 sogar als erster deutscher Aussteller nach dem Krieg in Le Bourget vertreten war. Aufträge von weiteren Airlines waren die Folge, und heute gehören Bordküchen zur Standardausstattung aller Verkehrsflugzeuge weltweit.

Stetige Weiterentwicklung

„Inzwischen sind wir einer der Marktführer und haben mehr als 70 Prozent Marktanteile bei der A380 und den übrigen Wide Bodies. Zusätzlich gehören wir zu den wenigen Unternehmen in Deutschland, die wachsen und weiterhin Personal einstellen“, verkündet stolz Marketingdirektor Jürgen Just. Das ist nicht zuletzt Folge ständiger Anstrengungen zur technologischen Weiterentwicklung der Produkte. Allein die Gesamtmasse der Galleys konnte in den vergangenen Jahren erheblich gesenkt werden. In Herborn werden schon lange konsequent Wabenstrukturen verbaut, die bis zu 15 Prozent Gewichtseinsparung bei höherer Festigkeit bieten.

95 Prozent der Galleys werden von den Airlines direkt bei den Herstellern bestellt, die genaue Vorstellungen von der äußeren Gestaltung und der Ausstattung haben. Zugleich soll aber alles langlebig und praktikabel sein, und da stellen die 15 Jahre Garantie von Sell schon einen bemerkenswerten Industrierekord dar. „Früher sollten die Passagiere die Bordküche möglichst gar nicht sehen. Da war alles rein funktionell und nicht gerade schön“, erläutert Jürgen Just. Doch inzwischen haben die Fluggesellschaften die Galley als Designelement entdeckt, als integralen Bestandteil der Kabine, die der Passagier sogar wahrnehmen und als angenehm empfinden soll.

Unverwechselbare Lösungen für jede Fluggesellschaft

Optimale Raumaufteilung und große Funktionalität zeichnen eine moderne Galley aus. Ihre Kapazität richtet sich nach dem Angebot an Energie, Wasser, Kühl- und Abluft am jeweiligen Standort in der Kabine. Foto und Copyright: Matthias Gründer

Zahlreiche Detaillösungen mussten nämlich entwickelt werden, welche die Küche unverwechselbar machen. Kein Detail einer Lufthansa-Galley darf sich bei einer für die Konkurrenz wiederfinden, jede Flugzeugküche ist genau vorbestimmt, für die Airline, den Flugzeugtyp, den Verwendungszweck für First, Business oder Economy Class. Zudem erfolgt die Produktion im gleichen Takt wie die Montage beim Flugzeughersteller. Zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt muss die Küche am Montageplatz bei Airbus oder Boeing stehen, und es muss genau die passende Küche für dieses eine Flugzeug sein. Wenn man bedenkt, dass eine A340- oder B777-Galley eingebaut werden muss, bevor der Rumpf geschlossen wird, dann kann man sich vorstellen, was Lieferverzögerungen für Folgen hätten.


Elektroengineering und Energieeinsparung

Aber auch die Energieeinsparung spielt eine große Rolle, steht doch an Bord eines Passagierflugzeuges nur sehr begrenzt Energie zur Verfügung. „Aus Sicherheitsgründen machen wir das Elektroengineering selbst“, betont Jürgen Just. Manche Kunden wollen zusätzlich zur Standardausstattung noch Espressomaschinen oder Reiskocher, und da muss knallhart kalkuliert werden. Mit „intelligentem Powermanagement“ wird es bald gelingen, Verbrauchsspitzen auf die Millisekunde genau entweder der Kaffeemaschine oder dem Konvektionsofen zum Auftauen der Speisen zuzuweisen.

Airbus A380 – Eine neue Herausforderung

Solche Designstudien bekommen die Airlinevertreter vorgelegt, wenn sie neue Flugzeuge in Dienst stellen wollen. Foto und Copyright: Sell

Neue Herausforderungen brachte auch hier die A380, denn während bei allen anderen Verkehrsflugzeugen eine Spannung von 115 Volt/400 Hertz zur Verfügung steht, sparten die Konstrukteure beim Megaliner genau jene Baugruppen ein, welche die gleichbleibende Frequenz gewährleisten. Heute müssen alle Bordgeräte in der Lage sein, innerhalb der Schwankungen eines breiten Frequenzbandes arbeiten zu können.

Sicherheit und Funktionalität

Dabei braucht wohl kaum extra betont zu werden, dass alle mitgeführten Lasten auch sicher verstaut sein müssen. Bis zu 9 g in Vorwärtsrichtung müssen die Installationen im Test aushalten und daher mit „Primary und Secondary Latches“ doppelt gesichert sein. Und schließlich schreibt die FDA, die US Food and Drug Administration, in ihrem Vorschriftenkatalog genau die Zugänglichkeit der Fächer und die Bedingungen ihrer Reinigung vor. Bei aller Schönheit aber steht nach wie vor die Funktionalität im Vordergrund, und das heißt pünktlich warmes oder kaltes Essen für mehrere hundert Passagiere.

FLUG REVUE Ausgabe 09/2006

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