10.10.2016
Erschienen in: 10/ 2016 FLUG REVUE

Berufe in der LuftfahrtAusbildung zum Verkehrspiloten bei der Deutschen Lufthansa

Lufthansa ändert nach Jahrzehnten die Modalitäten ihrer Pilotenausbildung. Ein höherer Eigenanteil und eine ungewisse Zukunft nach der Ausbildung sind die Folgen.

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Galten lange Zeit als eine gut bezahlte Elite: Langstreckenpiloten bei der Lufthansa. Foto und Copyright: Lufthansa  

 

Jahrzehntelang war der Weg für angehende Piloten bei der Lufthansa vorgezeichnet. Hatten sie die anspruchsvollen psychologischen und medizinischen Auswahltests erst einmal bestanden, winkten ein Ausbildungsvertrag an der firmeneigenen Flugschule und die spätere Übernahme. In Bremen wurde die Theorie vermittelt, in Arizona lernten die Aspiranten das praktische Fliegen. Nach zwei bis drei Jahren Ausbildung ging es an die Typenberechtigung auf der Boeing 737 oder dem Airbus A320. Damit gab es eine während der ersten Monate an die ausbildende Fluggesellschaft gebun­dene Multi-Crew Pilot Licence, die es den Inhabern verbietet, bei einem anderen Unternehmen zu fliegen. Dafür ist die Ausbildung exakt auf den späteren Einsatz zugeschnitten. Mit einem Einstiegsgehalt von 60 000 Euro Jahresbrutto ließ sich der zinslose Kredit des Eigenanteils über 60 000 Euro bequem abstottern. Die Ausbildung bei der Tochtergesellschaft Swiss lief nach einem ähnlichen Muster ab. 

Parallel dazu bot die Dachfirma Lufthansa Flight Training in Frankfurt unter dem Namen Pilot Training Network (PTN) eine nicht bindende allgemeine ATPL-Pilotenausbildung auf eigene Kosten an, welche sich auf knapp 70 000 Euro belief. Bewerber mussten keine firmenspezifischen Auswahltests bestehen, sich nach Abschluss der Ausbildung allerdings auf eigene Faust einen Arbeitsplatz im Cockpit suchen.

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Im Airline Training Center Arizona lernten die angehenden Lufthansa-Piloten erstmals ihr Schulungsfluggerät unter realen Bedingungen kennen. Foto und Copyright: Lufthansa  

 

Im Mai gab Lufthansa bekannt, sämtliche Ausbildungsaktivitäten unter dem Titel „European Flight Academy“ zu bündeln. Zunächst sollen Lehrgänge an der ehemaligen PTN beginnen, deren Kadetten nun aber dieselben Zugangsvoraussetzungen wie bsiher an der Bremer Flugschule erfüllen müssen. Ob die praktische Ausbildung dabei weiterhin am Lufthansa-Standort Arizona stattfindet oder dem bisherigen PTN-Standard folgt, bei dem die Ausbildung bei Flight Safety in Florida und danach in Rostock-Laage stattfindet, ist noch fraglich. 

Erworben wird eine ATPL-Lizenz, die an keine Airline gebunden ist. Das entbindet den Ausbildungsbetrieb auf der anderen Seite von Übernahmeverpflichtungen gegenüber den Flugschülern. Damit ist die Lufthansa flexibler bei der Deckung ihres Pilotenbedarfs. Sie spricht dabei von einem „Pool hochqualifizierter Flugzeugführer“, aus dem Fluggesellschaften ihren Bedarf decken können. So werden die fertig ausgebildeten Piloten wohl konzernweit vermittelt werden, beispielsweise auch zur Niedrigpreisgesellschaft Eurowings, deren Gehälter deutlich unter denen der Kollegen der Muttergesellschaft liegen. 

Nach unbestätigten Angaben soll sich der Eigenanteil künftig auf knapp 100 000 Euro belaufen. Finanziert wird er wohl nur noch über externe Finanzdienstleister, die auch im Falle einer Nichtübernahme die Raten von den Absolventen zurückfordern werden, anders als beim bisherigen Modell.

FLUG REVUE Ausgabe 10/2016



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