10.03.2012
Erschienen in: 12/ 2011 FLUG REVUE

Flight Training LufthansaMPL und Citation Statt FUTURA und Cheyenne

Die Lufthansa-Verkehrsfliegerschule hat in den vergangenen drei Jahren den Generationswechsel vollzogen: MPL-Aus­bildung löste die bisherige FUTURA-Schulung ab. Außerdem rückte die Cessna Citation CJ1+ an die Stelle der Piper Cheyenne. Zeit für eine Zwischenbilanz in Bremen.

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Simulatorhalle bei Lufthansa in Bremen. Die modernen FNPT II ermöglichen intensives Training für die Citation. Foto und Copyright: LH Flight Training  

 

Aus Sicht von Flugschulleiter Dirk Kröger und seinen Kollegen Jürgen Kamps (Ausbildungsleiter) sowie Reinhard Dresbach (Flugbetriebsleiter) hat sich die Umstellung gelohnt. „Das neue Ausbildungskonzept bereitet den Nachwuchs noch effektiver auf den Einsatz auf der Linie vor“, sagt Kamps. Im Trainingszentrum am Flughafen Bremen herrscht aktuell Hochbetrieb: 300 bis 330 Schüler pro Jahr sollen im Schnitt ausgebildet werden – „inzwischen ist auch die Suche nach entsprechend qualifizierten Fluglehrern eine Herausforderung“, berichtet Kröger. Daher wird derzeit der Flugbetrieb in Bremen weiter ausgebaut. Bis zum Jahresende soll ein sechster Verfahrenstrainer von Mechtronix in Citation-Konfiguration und ein weiteres, fünftes Schulflugzeug vom Muster Citation CJ1+ den Schulungsbetrieb ergänzen.

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In Arizona absolvieren die Lufthansa-Flugschüler weiterhin das fliegerische Basistraining. Wetter und Luftraum sind ideal für die Grundschulung. Foto und Copyright: LH Flight Training  

 

Bereits mit dem alten FUTURA-Programm von 1987 hatte Lufthansa ein stark linienorientiertes Ausbildungskonzept entwickelt: Full-Flight-Simulation der Piper Cheyenne, intensives Training zur Crew Coordination und ähnliche Aspekte standen auf dem Stundenplan. Bei den Formalien musste auch Lufthansa ganz traditionell den CPL-IFR mit ATPL-Theoriekredit als Basis nehmen. Damit schloss die Ausbildung nach der Prüfung durch das Luftfahrtbundesamt (LBA) ab.

Mit der Multi Crew Pilot Licence (MPL) als neuem luftrechtlichem Rahmen entstand nun ein Ausbildungsplan, der sich noch stärker an den Erfordernissen des Linieneinsatzes orientieren konnte. Dafür krempelte die Schule in der norddeutschen Hansestadt ihren Lehrplan kräftig um, verlagerte mehr Lerninhalte aus Phoenix, Arizona, wieder nach Deutschland. „Das praktische Training im MPL-Syllabus wird in Bremen nahezu verdoppelt“, erklärt Kröger. Das Ziel ist klar: Lufthansa will zügig und effektiv qualifizierten Nachwuchs für die eigene Flotte und ihre Standards ausbilden. Es geht nicht um die Qualifikation für eine allgemeine Ausgangslizenz, mit welcher den Absolventen theoretisch Karrierewege von der Airline bis zum Einmann-Betrieb in der Executive-Fliegerei offenstehen.

Am Anfang des Lufthansa-Lehrplans steht jetzt ein sehr umfangreicher Theorieblock: In rund zwölf Monaten geht es in Bremen durch Klassiker der ATPL-Theorie wie beispielsweise Flugleistung, Flugplanung, Flugzeugsysteme, Meteorologie, Navigation oder Menschliches Leistungsvermögen. 

Dann packen die Schüler ihre Koffer und reisen nach Goodyear bei Phoenix. Jetzt folgen die ersten fliegerischen Grundlagen: Seit Jahren setzt Lufthansa in Arizona auf die Kombination aus handwerklich solidem Basistraining, idealen Wetterbedingungen für Sichtflüge und der bewährten Beech Bonanza. In den Vereinigten Staaten stehen 115 Stunden in der F33 beziehungsweise im entsprechenden Verfahrenstrainer auf dem Programm. Vier Monate dauert dieser Teil des Lehrgangs. Im alten Ausbildungskonzept waren es noch rund 180 Flugstunden in Phoenix.

Fliegerische Grundlagen werden in den USA geschult

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Jet statt Prop: Die Cessna CitationCJ1+ ersetzten die Piper Cheyenne. Basis bleibt weiterhin der Flughafen Bremen. Foto und Copyright: LH Flight Training  

 

Zurück in Deutschland geht es ans Trainingsprogramm für die Cessna Citation. Auch hier kombiniert das Konzept intensiv Verfahrenstrainer und reale Flüge. „Die Citation ist das passende Flugzeug zum neuen Schulungskonzept“, sagt Ausbildungsleiter Kamps. Durch den exakt abgestimmten Mix aus Verfahrenstrainer und Praxisschulung sei die Hürde für die Schüler nicht zu hoch, als erstes IFR-Einstiegsmuster gleich auf den Jet zu gehen. Diese Erfahrung bestätigt auch Lars Neumann. Der Fluglehrer war vor seinem Wechsel zur Lufthansa-Verkehrsfliegerschule als Pilot und Lehrberechtigter auf der Breguet Atlantic und Lockheed P-3 bei der Deutschen Marine tätig. „Man musste sich schon umstellen, es ist ein schnelles und anspruchsvolles Gerät“, sagt Neumann zu seinen Erfahrungen mit der Citation. Entsprechend gut sei aber auch das Resultat in der Schulung. Viele Abläufe lassen sich schon direkt mit Blick auf die Verfahren später im Airbus oder Boeing-Cockpit trainieren, heißt es von den Lufthansa-Ausbildern.

Flugbetriebsleiter Reinhard Dresbach ist mit den Leistungen der Citation ebenfalls zufrieden. Obwohl der Einsatz eines Business Jets als Schulflugzeug eher ungewöhnlich wirkt, habe sich das Muster im Alltagsbetrieb als effektive Trainingsplattform bewährt. Nach 135 Stunden Ausbildung auf der Cessna Citation folgt als nächster Abschnitt die Spezialisierung für das Einstiegsmuster auf der Linie. Dann stehen 74 Stunden im Simulator beziehungsweise realen Flugzeug beim Landetraining auf dem Lehrplan, bevor der Weg ins Cockpit der Boeing 737 beziehungsweise Airbus-A320-Familie führt.

Beeindruckend am Lufthansa-Konzept ist die exakt aufeinander abgestimmte Mischung zwischen Theorieunterricht im Klassenraum, FNPT und realem Flug. „Im Verfahrenstrainer kommen wir viel öfter dorthin, wo es wehtut“, sagt Ausbildungsleiter Kamps schmunzelnd. Mit Sadismus hat das nichts zu tun – eher im Gegenteil. Während der FNPT-Einheiten lernt der Schüler in vielen Situationen mehr, als im realen Flug: Schwierigkeiten beim ILS-Anflug beispielsweise lassen sich im Verfahrenstrainer auf den Punkt üben – mehrmals und in dichter Sequenz. In der Realität liegen zwischen einzelnen Anflügen viele Minuten Leerlaufzeit, wenn sich das Flugzeug erst wieder in die Anflugsequenz eines Airports einreihen muss. Fliegerische Grundlagen bleiben dann umso stärker auf die Praxis-Einheiten konzentriert, ebenso die Alltagserfahrung mit ATC und dem betrieblichen Umfeld.

Im Jahr 2010 bildete die Schule 240 Nachwuchspiloten aus, in diesem Jahr sollen es nach Angaben von Kröger etwa 270 werden. Die Suche nach entsprechend qualifizierten Schülern ist derzeit nur eine He­rausforderung bei der Nachwuchsplanung: Händeringend werden in Bremen auch Fluglehrer gesucht. Neben den formalen Voraussetzungen ist auch der DLR-Test weiterhin Grundlage für den Einstieg. „Wir wollen bei Schülern und Lehrer schließlich die gleichen Voraussetzungen haben“, sagt Kröger. Die Anforderungen sind zwar hoch. Dafür bietet die Beschäftigung als Trainer aber zahlreiche Perspektiven über den Schulungsbetrieb hinaus. So steht den Fluglehrern später auch der Einsatz auf der Passage-Flotte offen.

FLUG REVUE Ausgabe 11/2012



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