15.04.2015
Erschienen in: 12/ 2014 FLUG REVUE

Sauber ist gleich sicherManager Cabin Quality

26 Jahre lang flog Cornelia Schmeing als Flugbegleiterin bei Condor. Dann besuchte sie Lehrgänge und qualifizierte sich zur Fachwirtin für Reinigung & Hygiene, was ihr sichtlich Spaß macht.

fr 12-2014 Condor Hygiene (01)

"Monitore? Ein Horror! Langeweile macht die Passagiere erfinderisch.“ Foto und Copyright: Gründer  

 

Alles begann im Jahre 2009, als man bei Condor Überlegungen anstellte, sich mit der Kabine deutlich vom Markt abzuheben. Dabei ging es nicht vordergründig um neue Sitze oder Teppiche, aber wie genau das Vorhaben aussehen sollte, wussten die verschiedenen damit beauftragten Abteilungen auch nicht so genau. Zwei Jahre später, die Idee lebte immer noch, sollte sich ein neuer, spezieller Bereich mit diesem Thema beschäftigen, und man sprach Cornelia Schmeing an, ob sie sich dort nicht einbringen wollte: „Ich war lange geflogen und suchte ohnehin eine neue Aufgabe. Warum also nicht? Ich war schließlich bekannt dafür, dass ich mich für Ordnung und Sauberkeit engagiere. Drei Monate sollte ich Zeit haben, und so zog ich mit meinem Hausfrauenwissen los und sah mir unsere Flugzeugkabinen genauer an.“

Schnell stellte sich allerdings heraus, dass drei Monate wohl kaum ausreichten. Ein Projekt wurde geboren, das 18 Monate umfassen sollte; seit Oktober 2013 ist schließlich ein eigener Fachbereich daraus geworden. Cornelia Schmeing besuchte Lehrgänge, qualifizierte sich am Forschungs- und Prüfinstitut für Facility Management in Metzingen und kann sich mit ansteckender Leidenschaft für die Sauberkeit an Bord engagieren.„Umfragen haben ergeben, dass die Passagiere die Sauberkeit an Bord gleich hinter der Sicherheit und noch vor der Freundlichkeit der Besatzung einstufen. Eine schmuddelig wirkende Kabine wird automatisch mit mangelnder Flugsicherheit gleichgesetzt“, sagt die resolute Fachwirtin, die bei der Qualität der Kabinenreinigung keine Kompromisse zulässt und ein nachahmenswertes Kontrollsystem eingeführt hat. Die Condor bezahlt einen Dienstleister für die Reinigungsarbeiten und verlangt dafür eine entsprechende Gegenleistung, „aber machen wir uns doch nichts vor“, sagt Cornelia Schmeing, „allein am Flughafen Frankfurt beschäftigt das Unternehmen rund 1000 Leute. Woher sollen die denn so viel qualifiziertes Personal nehmen?“

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Die Arbeiten werden gründlich kontrolliert und wöchentlich ausgewertet. Foto und Copyright: Gründer  

 

Also wurden Forderungskataloge erstellt, die unter anderem verschiedene Arbeitspakete enthalten, Kurzreinigungen in der knappen Stunde Umlaufzeit zwischen Kurz- und Mittelstreckenflügen, gründlicheres Herangehen bei längeren Pausen oder nach technischen Checks über Nacht und immer wieder Kontrollen und Auswertung der Mängel. „Ich frage dann die Kollegen vom Reinigungsdienst, ob sie, nachdem sie lange für ihre Urlaubsreise gespart haben, selbst mit diesem Flugzeug fliegen würden“, erzählt Cornelia Schmeing, während sie durch die Kabine eines Flugzeuges geht, das gerade von der Crew für einen Langstreckenflug übernommen wird. Man kennt sie und ruft ihr freundliche Grüße zu; niemand hat das Gefühl, dass hier jemand mit übertriebenen Forderungen nervt.

Während sie wie beiläufig ein Sitzkissen richtet oder schnell eine Ablage kontrolliert, erläutert sie, dass an Bord streng darauf geachtet wird, dass beispielsweise für Toiletten oder andere Bereiche unterschiedliche Putzmittel nach einem einfachen Farbsystem verwendet werden. „Wir kontrollieren jede Kabine nach Abschluss der Arbeiten. Mängel können sofort mittels einer speziellen App übers Smartphone in die Protokolle eingetragen werden. Der Gast soll sich willkommen fühlen.“

Bei einem Konferenzbesuch stellte Cornelia Schmeing fest, dass Virgin America ebenso arbeitet, und seitdem gibt es mit diesen Kollegen rege Kontakte. Bei KLM scheint es ein ähnliches System zu geben, „aber die haben nicht auf meine Anfrage geantwortet. Schade!“.

Derzeit sollen die Qualitätskontrollen an allen deutschen Condor-Standorten eingeführt werden, parallel dazu in der gesamten Thomas-Cook-Gruppe. Reinigung ist Teil der Maintenance, lautet das Motto, und angesichts von Ebola und anderen epidemisch verlaufenden Krankheiten in aller Welt kann man  Cornelia Schmeings Engagement gar nicht hoch genug einschätzen.

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Matthias Gründer


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