30.11.2015
Erschienen in: 06/ 2011 FLUG REVUE

Berufe in der LuftfahrtVorfeldlotse

Die Vorfeldlotsen sitzen als Partner der Fluglotsen mit im Kontrollturm. Aber sie kümmern sich vor allem um den Landverkehr von Luftfahrzeugen.

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Für den sicheren und pünktlichen Flugbetrieb auf Drehkreuzflughäfen haben die Vorfeldlotsen eine entscheidende Bedeutung. Foto und Copyright: FMG  

 

Per Funk und auf Englisch meldet sich ein anlassbereiter Airbus A321 bei „Munich Apron“, also bei der Vorfeldkontrolle am Flughafen München, und bittet um die Freigabe  zum „Pushback“, dem Zurückschieben vom Gate mit Schlepperhilfe. Der Vorfeldlotse am anderen Ende der Verbindung sitzt zwar auch auf dem 78 Meter hohen Münchener Tower, doch er untersteht nicht wie die regulären Fluglotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS), sondern der Flughafengesellschaft (FMG).

Separate Vorfeldlotsen gibt es nur an größeren  Flughäfen mit ausgedehntem Vorfeld. Sie kümmern sich als Spezialisten um den Weg, den ein Flugzeug zwischen Parkposition und Startbahn zurücklegt.
Erst kurz vor der Startbahn, in München auf Höhe der Rollwegbrücken, die über die Flughafenstraße führen, wechselt die Zuständigkeit. Ab hier beginnt das Reich der DFS-Lotsen, die den Flugverkehr über die Rollwegsysteme unmittelbar vor den Startbahnen, das sogenannte Rollfeld, leiten und die eigentlichen Starts und Landungen kontrollieren.

Die Vorfeldlotsen leiten dagegen die Flugzeuge über Rollwege im „Hinterland“ sicher durch den Vorfeldverkehr zur Parkposition. Dazu nennen sie den Piloten per Funk die Route und lassen sich diese Anweisung zurücklesen. Beim Rollen überwachen sie ständig jeden ihrer Kunden, damit niemand falsch abbiegt oder anderen zu nahe kommt.

Auch Fahrzeuge müssen überwacht werden

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Nicht nur Flugzeuge, auch die Fahrzeuge müssen überwacht werden. Foto und Copyright: Fraport  

 

Bei schlechtem Wetter steht den Vorfeldlotsen auch das me­tergenaue Bild zweier Bodenra­dargeräte zur Verfügung. Bei Sichtweiten unter 300 Metern wird den Piloten, auf Knopfdruck des Vorfeldlotsen,  ihre individuelle Route zusätzlich durch die grün leuchtende Rollmittellinien-Befeuerung angezeigt.

Jeder Vorfeldlotse kontrolliert gleichzeitig abfliegende und ankommende Flugzeuge. In Spitzenzeiten muss er, gleich bleibend sicher und pünktlich, manchmal über zehn Rollbewegungen parallel überwachen. Dabei staffelt er seine  Flugzeuge auch noch zeitlich, etwa wenn enge Abflugslots, Überflugslots oder Nachtflugverbote am Zielort eingehalten werden müssen.

Auf den Vorfeldern rollen auch zahlreiche Bodenfahrzeuge zur Abfertigung der parkenden Flugzeuge. In dringenden Fällen dürfen Fahrzeuge mit ausdrücklicher Funkerlaubnis der Vorfeldlotsen auch direkt auf den Rollwegen fahren.  Dazu gehören Feuerwehr und Polizei, Einweiser in Leitfahrzeugen, Schneepflüge und die Flughafen-Verkehrsleitung. Letztere braucht keine Erlaubnis und handelt auf eigene Verantwortung.

Die Verkehrsleitung des Flughafens informiert die Towerlotsen wiederum über jegliche Besonderheiten und Aktivitäten auf dem Flughafen, zum Beispiel über Baustellen, Wasserlachen oder zeitweilige Sperrungen. Die Disposition, also der ständig aktualisierte Belegungsplan über die individuelle Gate-Verteilung der Flugzeuge, stammt dagegen von der Flughafen-Verkehrszentrale. Anhand dieser Disposition weisen die Vorfeldlotsen ihren Kunden die Rollwege an.

Wegen des umfangreichen Datenaustausches arbeiten die Vorfeldlotsen immer in Paaren. Je ein „Controller“, der eigentliche Lotse, und ein „Coordinator“, ein Helfer, der die Computerbildschirme auswertet, sitzen gemeinsam im Tower. Bei diesen Tätigkeiten wechseln sie sich ab.

Vorheriger Lotsentest

An unserem Beispielflughafen München, zu dem die Informationen vom Leiter der Vorfeldkontrolle Peter Kanzler stammen, arbeiten 36 Vorfeldlotsen, davon vier höherrangige „Supervisors“. Sie werden binnen 20 bis 24 Monaten vom Flughafen intern ausgebildet und erhalten eine flughafenspezifische Prüfung. Die Arbeit erfolgt im Schichtdienst rund um die Uhr. Die Schichten dauern jeweils rund acht Stunden, davon ist eine Stunde Pause.

In drei Zuständigkeitsbereichen sind ständig sechs Vorfeldlotsen (drei Paare) im Einsatz: für Hangar- und Frachtvorfeld und das Vorfeld von Terminal 1 auf dem großen Tower und für die Vorfelder 2 und 3, die Allgemeine Luftfahrt und Hubschrauber auf dem kleineren Tower am Satellitengebäude von Terminal 2. Alle Vorfeldlotsen in München können jederzeit und reihum alle Positionen besetzen und werden dazu immer wieder überprüft. Ein ausgebildeter Vorfeldlotse verdient 60000 bis 70000 Euro im Jahr.

Der Weg zum Vorfeldlotsen unterscheidet sich je nach Flughafen. Er beginnt typischerweise nach der Mittleren Reife mit Auswahlgesprächen am Flughafen und führt, jedenfalls bei den Münchner Vorfeldlotsen, vor der Ausbildung drei Tage lang zum DLR-Lotsentest nach Hamburg. Die zweijährige, flughafeninterne Ausbildung schließt auch ein Funksprechzeugnis und die genaue Einweisung in die baulichen und betrieblichen Verhältnisse des Flughafens ein.

FLUG REVUE Ausgabe 06/2011



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