24.06.2015
Erschienen in: 02/ 2015 FLUG REVUE

LuftwaffeWaffenmechaniker beim Systemzentrum Luftfahrzeugtechnik

Die Luftwaffe bietet vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten nicht nur im Cockpit von Flugzeugen oder Hubschraubern. Gerade im Bereich Wartung und Instandsetzung findet sich so manche ungewöhnliche Tätigkeit.

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Der Übungsbombenträger erfordert teils aufwendige Arbeiten. Foto und Copyright: Luftwaffe  

 

Die Besatzungen von Flugzeugen und Hubschraubern von Luftwaffe, Heer und Marine müssen sich darauf verlassen, dass die Waffen und Außenlasten im Einsatz zuverlässig funktionieren. Dafür sorgen die Mitarbeiter der Teileinheit Bordwaffen und Abwurfgeräte des Systemzentrums Luftfahrzeugtechnik in Erding. Sie haben eine Waffenmechanikerausbildung absolviert, die meist auf einer Ausbildung als Fluggerätmechaniker aufbaut.

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Hier wird ein M3M zerlegt. Foto und Copyright: Luftwaffe  

 

In Erding erwartet die erfahrenen Spezialisten ein vielseitiges Arbeitsumfeld, denn der Auftrag endet nicht bei der Instandsetzung im Rahmen der routinemäßigen Überholung, der Bedarfsinstandsetzung sowie der fachgerechten Demilitarisierung und Entsorgung am Ende des Lebenszyklus der Geräte. Auch die Zuarbeit für Kommandobehörden in Form von Probeinstandsetzungen, Erproben neuer Werkstoffe, Untersuchen von Vorfällen mit Waffen und Munition, auch Umrüsten ist Bestandteil des Aufgabenpaketes.

In der Bordwaffenwerkstatt werden Bordkanonen und Startschienen der Waffensysteme Eurofighter, Tornado, UH Tiger, Sea Lynx, Sea King, CH-53 und das Marineleichtgeschütz (Anteil Bordkanone) bearbeitet.

Die Bordkanone 27 mm, kurz BK 27, wird im Tornado und im Eurofighter genutzt. Früher oder später wird jede BK 27 in der Bordwaffenwerkstatt eintreffen, sei es für eine Grundüberholung, eine Bedarfsinstandsetzung oder außerplanmäßig zu einer Sonderuntersuchung. Dabei wird diese Waffe vollständig zerlegt, chemisch gereinigt, auf Schäden untersucht und – wo nötig – instand gesetzt. Danach wird die Bordkanone einem Funktionsbeschuss unterzogen und später in das entsprechende Waffensystem eingebaut.

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In Erding arbeiten die Waffenmecha­niker an vielen unterschiedlichen Geräten. Foto und Copyright: Luftwaffe  

 

Das schwere Maschinengewehr SMG 12,7 mm, auch M3M genannt, wird in der Bundeswehr vorrangig als Hubschrauberbewaffnung genutzt. Der Umfang der Arbeiten ähnelt prinzipiell denen an der Bordkanone 27. Das M3M dient auch als Bewaffnung für den Unterstützungshubschrauber Tiger des Heeres. Dafür wurde ein MG-Behälter mit einer speziellen Waffenaufnahme entwickelt. Aktuell wird an einem solchen aus Glasfaser- und Kohlefaser-Verbundwerkstoff gefertigten Gun Pod eine Probeinstandsetzung vorgenommen. Das Verwenden dieser Materialien für diesen Zweck ist nämlich neu.

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Sorgfalt ist bei den Arbeiten an elektrischen Bauteilen gefragt, wie hier an einem Tornado-Lastenschloss. Foto und Copyright: Luftwaffe  

 

Die Startschienen LAU-7/A und ASML-1B/C ermöglichen das Beladen des Waffensystems Tornado mit Lenkflugkörpern wie IRIS-T und HARM. Diese Startschienen sind schon seit Jahrzehnten im Einsatz und werden regelmäßig gewartet. Aufgrund ihres hohen Alters und der Flugbelastung wurden sie stetig verbessert und modifiziert, sodass die Luftwaffe auch heute noch diese Schienen als funktionsfähiges System nutzt. Ein wesentlicher Bestandteil der Instandsetzung des ASML-1B/C besteht aus den 36 Monats-Checks der mobilen Instandsetzungstrupps. Die Intervalle sind so verteilt, dass der Mobtrupp etwa zwei Mal im Jahr ausrückt. 

Lastenschlösser ermöglichen dem Tornado ein kontrolliertes Abwerfen der mitgeführten Einsatzlasten im Flug. Diese Schlösser können Lasten von über 1000 kg halten. Durch die im Flug hervorgerufenen hohen g-Kräfte entstehen schnell große dynamische Kräfte, die dem Material alles abverlangen. Damit auch bei einer langen Nutzungsdauer stets die 100-prozentige Sicherheit der Schlösser gewährleistet ist, werden sie durch die Abwurfgerätewerkstatt regelmäßig vollständig zerlegt, gereinigt, befundet, wo nötig instand gesetzt und neu beschichtet. Anschließend erfolgen der Zusammenbau und die Funktionsüberprüfung am eigenen Teststand.

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Teststände erlauben die Endkontrolle nach der Instandsetzung. Hier wird ein Schwerlastenschloss geprüft. Foto und Copyright: Luftwaffe  

 

Der Übungsbombenträger CBLS 200 GY ermöglicht dem Tornado die Mitnahme von vier Übungsbomben. Diese Übungsbombenträger werden von den Geschwadern intensiv genutzt. In der Werkstatt wird dieser „Patient“ untersucht und „geheilt“. Der Träger ist zwar ein vergleichsweise einfaches Gerät, doch gerade die höchst unterschiedlichen Schadensbilder erfordern Reparaturen zum Teil auch in auswärtigen Werkstätten. Darunter fallen auch die Oberflächenbehandlung für das chemische und mechanische Entlacken sowie der Neuauftrag einer Oberflächenbeschichtung durch Lackieren oder Galvanisieren. Auch muss oftmals die Schweißerei hinzugezogen werden. 

Um die elektrischen Anteile in der eigenen Werkstatt instandsetzen zu können , hat die Teileinheit zusätzlich eine Elektrikwerkstatt eingerichtet. Dort wird sichergestellt, dass Auslöse- und Abgangssignale funktionieren. Über die Jahre hat sich die Bordwaffen- und Abwurfgerätewerkstatt als zuverlässiger Partner rund um Waffen und Waffengerät erwiesen.



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