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McDonnell FH-1 Phantom

Der erste Kampfjet der US Navy

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Mit der Phantom startete die US Navy 1945 ins Jetzeitalter. Für McDonnell sicherte der Auftrag das Überleben nach dem Zweiten Weltkrieg und schuf die Basis für schnell folgende Muster wie die F2H Banshee und die F3H Demon.

Als sich die US Navy im Laufe des Jahres 1942 ernsthaft mit der Entwicklung eines trägergestützten Jägers mit Strahltriebwerken befasste, war die noch kleine Firma McDonnell Aircraft Corp. rechtzeitig zur Stelle. Obwohl sie keine Erfahrung mit Marineflugzeugen besaß und noch nie eine Eigenkonstruktion in Serie gebaut hatte, erhielt sie am 7. Januar 1943 einen "Letter of Intent" für die Entwicklung und den Bau von zwei Prototypen eines Fighters, der die Navy-Flugzeugträger gegen Angriffe aus der Luft schützen sollte.

Keine spezifischen Leistungsanforderungen

Die Vorgaben der Navy für den neuen Jäger waren bewusst vage gehalten und enthielten keine spezifischen Leistungsanforderungen bezüglich Geschwindigkeit oder Reichweite. So untersuchten die Ingenieure in St. Louis unter Leitung des stellvertretenden Chefingenieurs Kendall Perkins für das als XFD-1 geführte Muster zunächst auch unkonventionelle Auslegungen (D als Firmenkürzel für McDonnell; wurde 1946 in H geändert).

Pionierprogramm auf der konservativen Seite

Schnell setzte sich allerdings die Erkenntnis durch, dass man bei einem solchen Pionierprogramm eher auf der konservativen Seite bleiben sollte, denn der neue Antrieb könnte Schwierigkeiten genug bereiten. Als Triebwerk kam schließlich nur das Model 19B von Westinghouse in Frage. Das Unternehmen war von der Navy am 8. Dezember 1941 mit Studien beauftragt worden und hatte am 19. März 1943 die ersten Prüfstandsläufe mit dem resultierenden Model 19A absolviert. Nur zweieinhalb Monate später, Ende Mai, erfolgte die erste Inspektion eines vorläufigen Mock-ups der XFD-1 in St. Louis.

US Navy
Dienstgipfelhöhe: 12 525 m

Ganzmetallbauweise

Der später als Phantom bezeichnete Jet präsentierte sich letztlich als recht konventioneller Entwurf in Ganzmetallbauweise mit gerader Flügelvorderkante und Kreuzleitwerk sowie einer Bewaffnung von vier 12,7-mm-MGs im Bug. Die Triebwerksmontage in der aufgedickten Tragflächenwurzel versprach aufgrund des kurzen Lufteinlasses und der kurzen Schubdüse geringe Reibungsverluste, und der asymmetrische Schub im Falle eines Triebwerksausfalls war leicht beherrschbar. Zudem blieb der Rumpf im Bereich des Schwerpunkts frei für Tanks. Die Tragflächen verfügten über Spreizklappen und waren hochklappbar.

Der erste Prototyp

Für die detaillierten Konstruktionsarbeiten an der XFD-1 benötigte McDonnell etwa ein Jahr, wobei der endgültige Auftrag erst am 30. August 1943 unterzeichnet wurde. Der erste Prototyp war Ende 1944 für die Rollversuche bereit. Diese wurden anfangs mit nur einem der nun als WE-19XB-2B bezeichneten Triebwerke durchgeführt, da Westinghouse doch einige Schwierigkeiten mit der Entwicklung und Fertigung hatte.

Erstflug Anfang 1945

Der Erstflug vom Lambert Field gelang am 26. Januar 1945. McDonnells Cheftestpilot Woodward Burke führte an diesem Tag zwei Flüge mit einer Gesamtflugzeit von 49 Minuten durch. Bis zum Frühjahr zog sich die Erprobung wegen Triebwerksproblemen eher schleppend hin. Abgesehen davon waren die Eigenschaften der Phantom recht zufriedenstellend. Kleinere Mängel, wie zu starke Reibung in der Querruderansteuerung oder leichtes "Schwänzeln" bei hohen Geschwindigkeiten, konnten einfach behoben werden. Die Höchstgeschwindigkeit von 780 km/h und die Steigrate von 25 m/s waren ebenfalls ansprechend. Die US Navy erteilte daher bereits am 7. März 1945 McDonnell Aircraft einen Auftrag für 100 FD-1. Sie sollten ab Januar 1946 geliefert werden. Die Stückzahl wurde allerdings nach dem Sieg über Japan im August auf 30 Flugzeuge reduziert. Später erhöhte man die Bestellung wieder auf 60 Maschinen.

Bauchlandung

Inzwischen war im Juni 1945 die zweite XFD-1 (BuNo. 48236) zu ihrem Jungfernflug gestartet. Sie wurde allerdings bereits am 25. August bei einer Bauchlandung schwer beschädigt. Die erste Phantom ging am 1. November 1945 verloren, als Burke wegen eines Querruderdefekts die Kontrolle verlor. Er wurde beim Absturz getötet.

US Navy
Maximale Reichweite: 1575 km

"USS Franklin D. Roosevelt"

Trotz der Rückschläge ging die Flugerprobung weiter. Im Juli 1946 wurde die XFD-1 auf die in Norfolk am Pier liegende "USS Franklin D. Roosevelt" (CVB-42) gehievt, damals der größte Flugzeugträger der Navy mit einer Decklänge von etwa 290 Metern. Vor der Küste Virginias führte Korvettenkapitän James T. Davidson am 21. Juli die ersten Starts eines amerikanischen Strahlflugzeugs von einem Trägerdeck aus durch (die erste Landung nur mit Jetantrieb hatte die Ryan FR-1 am 6. November 1945 vollbracht). Insgesamt fünf Starts und Landungen sowie ein Durchstartmanöver standen am Ende des Tages für die Phantom zu Buche.

Serienausführung

Inzwischen hatte McDonnell für die Serienausführung kleine Änderungen konstruiert. Dazu zählten eine eckigere Seitenleitwerksspitze, ein um 148 Zentimeter verlängerter Bug, mehr Kraftstoffkapazität und ein Zusatztank unter dem Rumpf (1115 Liter) sowie Bremsklappen. Das Triebwerk lieferte Westinghouse mit seinem J30-WE-20, eine verbesserte Ausführung des Model 19XB. Die erste FH-1 absolvierte ihren Jungfernflug am 28. Oktober 1946, und die Lieferungen der 60 Maschinen erfolgten von Januar 1947 bis 29. Mai 1948.

Flugzeugträger-Qualifikation

Als erste Einsatzstaffel für den neuen Jet hatte die Navy die in Quonset Point auf Long Island stationierte VF-17A ausgewählt. Dort trafen die ersten beiden Phantoms am 11. August 1947 ein. Einige Piloten hatten bereits zuvor Gelegenheit, die FH-1 in St. Louis zu fliegen. Die gutmütigen Eigenschaften des Jets waren dabei sehr hilfreich. Die Ausstattung der VF-17A war bis Frühjahr 1948 so weit abgeschlossen, dass sie am 1. Mai mit 16 Maschinen auf die "USS Saipan" (CVL-48) verlegen konnte. Dort wurden im Rahmen der Flugzeugträger-Qualifikation der Piloten binnen fünf Tagen 176 Starts durchgeführt.

Kurze Einsatzzeit

Die einzige andere mit der FH-1 ausgerüstete Einsatzstaffel war die in Beaufort stationierte VMF-122 des Marine Corps. Sie erhielt ihre ersten Maschinen im November 1947. 1948 und 1949 präsentierte sie den Jet auch mit einem Viererteam ("Flying Lethernecks"). Wie bei der Navy löste bei den Marines die F2H-1 bald die Phantom ab. Die noch vorhandenen Flugzeuge wurden daher ab Ende 1949 der US Navy Reserve zugewiesen. Aufgrund der nach dem Zweiten Weltkrieg mit rasender Geschwindigkeit fortschreitenden Kampfflugzeug-Entwicklung war dem ersten Jetmuster der US Navy also nur eine extrem kurze Dienstzeit vergönnt.

Technische Daten

McDonnell FH-1 Phantom

Hersteller: McDonnell Aircraft Corp.
Typ: Jagdflugzeug
Besatzung: 1
Antrieb: 2 x Westinghouse J-30-WE-20
Schub: 2 x 7,11 kN
Länge: 11,81 m
Höhe: 4,32 m
Spannweite: 12,42 m
Flügelfläche: 25,64 m2
Leermasse: 3030 kg
max. Startmasse: 5460 kg
Höchstgeschwindigkeit: 771 km/h
Steigrate: 21 m/s
Dienstgipfelhöhe: 12 525 m
max. Reichweite: 1575 km
Bewaffnung: vier 12,7-mm-MGs im Bug

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