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Messerschmitt Me 262 Archiv KdL
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Düsenjäger im Kriegseinsatz

Me 262: Mit Turbo an den Feind

Die Messerschmitt Me 262 sollte die große Wende im Luftkrieg bringen, doch ihre Möglichkeiten wurden nicht sofort erkannt. Erst spät setzte man sie gegen feindliche Jäger und einfliegende Bomberverbände ein.

Kurz vor dem 18. März 1945 hatte die 9. Staffel des JG 7 erstmals eine neue Bewaffnung am modernsten Jäger der Luftwaffe getestet. Leutnant Schnörer, der einstige Rottenflieger von Walter Nowotny, schoss 24 ungelenkte R4M-Raketen ab. Diese hingen unter den Flächen der Messerschmitt Me 262. Der erste Test verlief eher unglücklich, denn einige der Geschosse hingen immer noch unter der Fläche und brannten dort ab. Die Sprengköpfe explodierten zum Glück nicht. Am darauffolgenden Tag funktionierte alles einwandfrei, und man rüstete umgehend sechs Jets der 9. Staffel mit der zusätzlichen Bewaffnung aus.

Erfolg gegen die „Flying Fortress“

Am Morgen des 18. März ging an den Standorten Brandenburg-Briest und Oranienburg die Meldung ein, dass ein Großangriff alliierter Bomber bevorstünde. An den Tagen zuvor hatten die deutschen Jäger nicht früh genug herangeführt werden können, um wirksam eingesetzt zu werden. Diesmal ging der Alarm rechtzeitig los, und so gelang es, einen geschlossenen Gefechtsverband zu sammeln und an die großen Pulks der Amerikaner heranzuführen. Im Raum Nauen/Rathenow und Brandenburg/Potsdam stießen die Messer-schmitts auf die einfliegenden Bomberverbände. Der Angriff erfolgte mit derart geballter Kraft, dass die USAAF-Besatzungen völlig überrascht waren. Um 11:09 Uhr schoss der Kommodore des JG 7, Major Theodor Weißenberger, die erste B-17 ab, bereits eine Minute später folgte sein nächster Abschuss. In nur acht Minuten schossen die Piloten sechs der „Fliegenden Festungen“ ab.

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Der Einsatz der Me 262 wurde lange durch Hitler selbst verhindert. Die anfängliche Nutzung als Jagdbomber setzte sich nicht durch.

Verluste auf beiden Seiten

Wenige Minuten später befand sich auch die 9. Staffel mitten im Einsatzgeschehen. Als sie auf 500 Metern hinter den Bombern lagen, drückten die Piloten auf den Auslöser. Einen Feuerschweif hinter sich herziehend, jagten 144 Raketen in den Pulk. Es war ein schreckliches Inferno. Metallteile schossen in alle Richtungen, Tragflächen und Leitwerke wirbelten durch die Luft, Motoren rissen ab und fielen zu Boden. Nur wenige Besatzungsmitglieder konnten sich mit dem Fallschirm aus den Bombern retten. Die 8. US-Luftflotte verlor an diesem Tag zwölf B-17 und eine B-24 Liberator. Doch auch das JG 7 verzeichnete an diesem Tag Verluste. Bei Kaltenkirchen stießen zwei Me 262 in dichten Wolken zusammen. Drei weitere Maschinen gingen an diesem Tag durch Feindeinwirkung verloren.

Wunder Punkt bei Start und Landung

In den folgenden Tagen konnten noch mehrfach größere Verbände an neuen „Turbos“ (so wurden die Messerschmitts teilweise aufgrund ihrer Turbinen genannt) an die Bomber herangeführt werden und einige Abschüsse verzeichnen. Dabei kam es auch immer wieder zu Berührungen mit gegnerischen Jägern, die als Begleitschutz für die Bomber dabei waren. Die Messerschmitts konnte den Mustangs mühelos davonfliegen und mussten sich nicht auf einen Kampf einlassen. Allerdings waren sie in der Start- und Landephase und im Langsamflug schwerfällig und verwundbar. Alliierte Jäger versuchten deshalb gezielt, diese Momente über den Heimatbasen der Me 262 abzupassen. Am 7. Oktober 1944 wurden zum Beispiel zwei startende Me 262 des Kommando Nowotny von amerikanischen Mustangs im Sturzflug angegriffen und abgeschossen.

Die erste Prototypen der Me 262 waren noch mit Spornrad ausgestattet. Den Jungfernflug absolvierte die Maschine bereits 1941, doch erst im Sommer 1944 kam die Me 262 an die Front.

Die Me 262 als Bomber – des Führers Irrweg

Dennoch wurde die Me 262 in kurzer Zeit ein gefürchteter Gegner: Im ersten Einsatzmonat meldete allein das Kommando Nowotny den Abschuss von vier schweren Bombern, zwölf Jägern und drei Aufklärern. Die Geschwindigkeit war der Vorteil der Me, den Hitler anfangs nicht erkannte und sie ausschließlich als Bomber einsetzen wollte. Die Diskussion zwischen Hitler und den Verantwortlichen, die alle eine Nutzung als Jäger bevorzugten, führten zum Zerwürfnis zwischen dem Diktator und der Luftwaffenführung. Dem Befehl zum Einsatz als Jagdbomber setzte Generalfeldmarschall Erhard Milch angeblich entgegen: „Mein Führer, das sieht doch jedes Kind, dass dies kein Bomber, sondern ein Jäger ist.“

Als Bomber war die Me 262 ein Fehlgriff - Hitler selbst sah die Maschine aber vor allem in dieser Rolle.

Viel Klasse, zu wenig Masse

Der erste Luftsieg mit dem Düsenjäger Me 262 gelang am 26. Juli 1944. Trotzdem wurden ab August 1944 erste Jagdbombereinsätze über Frankreich vom Kommando Schenk geflogen. Im Sommer 1944 erfolgte die Aufstellung weiterer Kampf-, Jagd-, Aufklärungs- und Nachtjagd-Einheiten. 1945 wurden auch die mit mäßigem Erfolg operierenden Jagdbomberverbände zunehmend zu Jagdeinsätzen herangezogen. Der erste konzentrierte Angriff von 26 Me 262 auf eine amerikanische Bomberformation fand am 3. März 1945 statt. Bis Kriegsende wurden etwa 1400 Me 262 produziert und 1200 ausgeliefert, von denen aber nie mehr als 200 gleichzeitig bei Frontverbänden einsatzbereit gewesen sein dürften.

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