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Projekt „Flitzer“

Focke-Wulfs geheime Jägerentwicklung

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Noch im Jahr 1943 startete Focke-Wulf das Strahljäger-Projekt P. VI. Das Flugzeug, das bald den Namen „Flitzer“ erhielt, sollte allen alliierten Jägern überlegen sein. Doch das benötigte starke Triebwerk He S 011 stand noch nicht zur Verfügung. Praktisch als Notlösung planten die Ingenieure deshalb den Einbau eines zusätzlichen Raketenmotors.

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Es ging darum, einen Strahljäger zu bauen, der die Leistungen der Me 262 übertraf. Gleichzeitig sollte er weniger aufwändig und mit geringerem Materialeinsatz zu verwirklichen sein. Unter der Projektbezeichnung P. VI ging ein Team unter dem Ingenieur Hans Multhopp im Winter 1943/44 daran, ein solches Flugzeug, das bald den Namen „Flitzer“ erhielt, auf die Beine zu stellen.

Im Februar lagen die wichtigsten Grundlagen für das Flugzeug fest. Neben einem Strahltriebwerk sollte für den Start und den Steigflug ein Walter-Flüssigkeitsraketenmotor HWK 109-509 verwendet werden. Nur in dieser Hybrid-Antriebslösung sah man eine Möglichkeit, die angestrebten hohen Geschwindigkeiten und schnellen Aufstiege auf große Höhen realisieren zu können.

Eine vorläufige Ausführung des Strahljägers sollte als Haupttriebwerk das BMW 003 erhalten, die endgültige Version dann mit dem deutlich stärkeren He S 011 fliegen, das damals noch in der Entwicklung stand. Die tragende Zellenstruktur beider Varianten sollte identisch sein. Dabei wurde der „Flitzer“ mit unterschiedlichen Flügelflächen von 14, 15,5 und 17 Quadratmetern durchgerechnet. Dazu variierten die Ingenieure lediglich die Flügeltiefe bei mit acht Metern gleich bleibender Spannweite.

Der neue Strahljäger sollte in Metallbauweise entstehen. Nur die Bugkappe sollte aus Holz gefertigt werden. Die Grobkalkulation für die Materialanteile, angesichts 1944 schon sehr knapper Ressourcen ein wichtiger Punkt, sah die Verwendung von 52 Prozent Stahl, 45 Prozent Leichtmetall und drei Prozent sonstiger Werkstoffe vor.

Um die projektierten schnellen Aufstiege auf bis zu rund 14 000 Metern realisieren zu können, war es unumgänglich, den „Flitzer“ mit einer Druckkabine auszurüsten. Die Bewaffnung, zwei MK 108, sollte unter dem Kabinenboden ihren Platz finden. In einer der angedachten Varianten war zusätzlich der Einbau von zwei MG 151 in den Flügeln vorgesehen. Hinter der Druckkabinensektion war der Einbau von zwei Treibstofftanks mit 470 Litern und 200 Litern Inhalt für das Raketentriebwerk geplant. Zusätzlich sollten die dichtgenieteten Leitwerksträger jeweils 156 Liter Treibstoff aufnehmen. Das Kerosin für die Strahlturbine sollte in den Außenflügeln untergebracht werden, die ebenfalls dichtgenietet werden sollten. Die Ingenieure sahen vor, die komplette Antriebssektion an einem Spant hinter den Rumpftanks mit Schraubverschlüssen anzuschließen. Damit wäre sie sehr schnell austauschbar gewesen. Angesichts der noch unausgereiften und wenig standfesten Strahltriebwerke war dies ein wichtiger Punkt. Das He S 011 sollte über einem Zwischenboden montiert werden, darunter der Raketenmotor. Als problematisch erwies sich die Verbrennungsluftzufuhr zu dem im Heck montierten Strahltriebwerk. In Windkanal-Testreihen musste erst eine Form der Einlaufkanäle in den Flügelwurzeln ermittelt werden, die den Strömungsverlust zum Triebwerk gering hielt.

Für den rechten und linken Flügel waren jeweils zwei Querruder im Außenbereich vorgesehen. Die inneren sollten beim Aktivieren der zwischen dem Rumpf und den Leitwerksträgern angeordneten Spreizklappen differenziert mit nach unten fahren und so geringe Anfluggeschwindigkeiten ermöglichen. An die Tragflächen setzten die Leitwerksträger an. Sie besaßen eine identische Geometrie und waren dadurch austauschbar. Durch sie hindurch führte ein Rohr, in dem die Steuerseile für Höhen- und Seitenruder liefen. Zur Trimmung sollte die gesamte Höhenflosse durch zwei in den Seitenleitwerken montierte E-Motoren verstellbar sein. Seiten und Höhenruder waren stoffbespannte Dural-Konstruktionen.

Modernes Konzept mit gepfeiltem Flügel

In seiner grundsätzlichen Auslegung ähnelte der „Flitzer“ der größeren de Havilland D.H. 100 Vampire, deren Prototyp im August 1943 erstmals geflogen war. Allerdings war sein aerodynamisches Konzept mit einem gepfeilten Flügel moderner als das der britischen Konkurrenz. Dennoch wurde die Entwicklung gegen Ende 1944 praktisch eingestellt. Hans Multhopp, den der „Aerodynamik-Papst“ Ludwig Prantl einmal als seinen besten Studenten bezeichnet hatte, konzentrierte sich mit seinem Entwicklungsteam bei Focke-Wulf nunmehr auf die Ta 183 „Huckebein“.

Das Konzept dieses Strahljägers mit extrem gepfeiltem Tragflügel war damals geradezu revolutionär. Und es machte Multhopp zu einem von den Alliierten umworbenen Mann. Nach 1945 arbeitete er für das RAE Farnborough, bevor er in die USA zu Martin Marietta wechselte. Seine in den Flugkörpern SV-5 und X-24 eingearbeiteten Kenntnisse zu sogenannten Lifting Bodies fanden später in der aerodynamischen Auslegung der NASA Space Shuttle Niederschlag.

Von insgesamt sechs durchgerechneten Varianten des „Flitzer“ wurde keine verwirklicht. Es blieb bei der weit fortgeschrittenen Konstruktion und dem Bau des Mock-ups. Die Hybrid-Antriebslösung, die schubschwachen damaligen Triebwerke mit Raketenmotoren zu kombinieren, übernahmen nach dem Krieg noch einige andere Konstrukteure.

Technische Daten

Focke-Wulf „Flitzer“

Geplante Verwendung: einsitziger Strahljäger
Planungsstand: Februar 1944
Antrieb: 1 x Heinkel Strahlturbine He S 011 mit 12,7 kN/1300 kg Startschub, 1 x Walter Raketenmotor HWK 509 mit max. 2000 kg Schub
Spannweite: 8,00 m
Länge: 10,55 m
Höhe: 2,35 m
Flügelfläche: 15,50 Quadratmeter
Startmasse: 4750 kg
Treibstoff: 1170 kg
max. Flächenbelastung: 306,4 kg pro Quadratmeter
Höchstgeschwindigkeit in Meereshöhe: 785 km/h
in 6000 m Höhe: 830 km/h
in 9000 m Höhe: 825 km/h
in 12 000 m Höhe: 800 km/h
Startrollstrecke: 400 m
Dienstgipfelhöhe: 13 000 m
Reichweite: zirka 890 km
Bewaffnung: 2 x MK 108, 2 x MG 151

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