in Kooperation mit

Fitnesskur für eine Legende

Instandsetzung der F-4F Phantom in Jever

Die Ära der F-4F Phantom bei der Luftwaffe ist leider endgültig vorbei. Bis zum Schluss waren die Jets in einem tadelosen Zustand. Mit dafür verantwortlich war die Instandsetzung in Jever. Die FLUG REVUE hatte sich in Friesland umgeschaut.

Instandsetzung der F-4F Phantom in Jever

Die Erste wird die Letzte sein: Am 18. April 1974 übernahm das Jagdgeschwader 71 "Richthofen" in Wittmund mit der Phantom "37+01" die erste F-4F der Luftwaffe. Damit sie wie derzeit geplant bis zum 31. Dezember 2014 einsatzbereit bleibt, steht das, was von ihr übrig ist, gerade in einer Halle in Jever. Dort kümmern sich die Spezialisten der Luftwaffeninstandhaltungsgruppe 21 (LIG) um das Urgestein. Fast alles ist ausgebaut und wird instandgesetzt, damit die Phantom bald wieder in neuem Glanz erstrahlen kann. Für die "37+01" ist es bereits die sechste sogenannte Depot-Instandsetzung (D. I.), die alle sechs Jahre beziehungsweise 1200 Flugstunden fällig wird. Sie ist in etwa vergleichbar mit dem D-Check bei Verkehrsflugzeugen.

Obwohl sich die Karriere der Phantom dem Ende neigt, sind die umfangreichen Maßnahmen weiter nötig, um den Flugstundenvorrat der Flotte bis 2014 sicherzustellen. Ist nämlich eine große Instandsetzung fällig, läuft die Verkehrszulassung ab und kann nicht verlängert werden. "Die Flugzeuge, die jetzt rausgehen, schaffen es gerade bis 2015", sagt Hauptmann Klaus Keller von der LIG 21. Eine DI dauert zwischen acht Monaten und einem Jahr, je nach den zu behebenden Schäden. Dafür sind grob geschätzt 20000 Mannstunden nötig.

Die Depot-Instandsetzung stellt die Hauptaufgabe der Friesländer dar, die davon zurzeit rund vier pro Jahr durchführen. In den Hochzeiten der F-4F konnten es schon mal 15 sein. Die EADS in Manching hat die Überholung von Phantoms bereits vor rund zwei Jahren beendet. Um die Einheit in Norddeutschland auszulasten, werden nun auch periodische Instandsetzungen (alle 600 Stunden) durchgeführt, die sonst in den Einsatzverbänden erfolgen.

Derzeit geht man in Jever von der Nutzungsdauer der Phantom bis 2014 aus. Auf dieser Basis sind von 2011 bis 2013 noch sechs weitere Depot-Instandsetzungen geplant, einschließlich der Bearbeitung von zwei F-4F der WTD 61 aus Manching. Der übergeordnete Plan wird vom Materialkommando der Luftwaffe in Köln-Wahn fest-gelegt. Jedes Jahr gibt es dann eine Instandsetzungskonferenz, in der festgelegt wird, was gemacht werden muss. Inwieweit sich die aktuellen Sparzwänge auf die Planung auswirken, ist noch offen.

Ist eine Phantom für eine DI vorgesehen, holt eine Besatzung der LIG 21 den Jet im Verband ab, um bereits auf dem Überführungsflug eventuelle Probleme feststellen zu können. Zu diesem Zweck besitzt Jever eine eigene Crew, die auch den Nachprüfflug am Ende der Arbeiten durchführt. Doch bis es so weit ist, liegt noch ein ganzes Stück Arbeit vor den Technikern.

Die Arbeiten dauern bis zu ein Jahr

F-4F Phantom in der Wartungshalle der LIG 21 in Jever. Foto und Copyright: Patrick Hoeveler

Nach der Landung erfolgt zunächst ein Eingangscheck. Anschließend findet die erste Abrüstphase statt, in der 105 Großbauteile wie äußere Tragflächen, Steuerflächen, Triebwerke oder Schleudersitze sowie die Elektronik ausgebaut werden. Dann heißt es: waschen, strippen, waschen. Nach der Reinigung des Luftfahrzeugs entfernt das Personal in einer speziellen Halle die Lackschicht samt Grundierung per Abstrahlen mit Hilfe von Kunststoffpartikeln. Anschließend steht eine erneute Säuberung der Phantom an. Der Prozess kann bis zu drei Wochen dauern. Den größten Teil der Arbeiten machen das Abkleben und Verschließen von Öffnungen und empfindlichen Stellen aus.

Nun können in der zweiten Abrüstphase die restlichen Bauteile demontiert werden. In den folgenden vier Wochen konzentrieren sich die jeweiligen Fachgruppen auf die Befundung der Bauteile mittels Rissprüfung per Röntgenapparat und anderen Verfahren. Dann beginnt die rund dreimonatige Hauptinstandsetzungszeit, in der alle Arbeiten im Handbuch dokumentiert werden müssen.

Dann wird aus dem "Rohbau" wieder ein Flugzeug: Nach und nach trudeln die aufgearbeiteten Komponenten wieder im Dock ein und kommen an ihren angestammten Platz zurück. Gleichzeitig erfolgen zahlreiche Funktionstests. Läuft alles zur Zufriedenheit der Spezialisten und Prüfer, kann die F-4F die Reise in die Lackierhalle antreten. Nach der Endabnahme steht der Nachprüfflug an. Treten hier keine Probleme auf, erhält das Luftfahrzeug seine Verkehrszulassung zurück und ist wieder bereit für den Einsatz.

Der nötige Aufwand wächst allerdings von Jahr zu Jahr: "Die Struktur ist die größte Herausforderung", meint Oberstabsfeldwebel Rolf Dekena von der LIG 21. "Hier ist mehr Aufwand nötig. Im Schnitt liegt die Einsatzzeit der Flugzeuge bei weit mehr als 7000 Flugstunden." Solche Werte hatten damals die Konstrukteure bei McDonnell Douglas nicht vorhergesehen. Hinzu kommt, dass im Metallbereich nichts mehr von der Industrie kommt, einiges muss in Jever eigenhändig angefertigt werden. Als hilfreich erweist sich der direkte Zugriff auf die Hochwertteile-Gewinnung von ausgedienten Phantoms, die ebenfalls bei der Einheit in Jever erfolgt. "Ohne die HWT wäre einiges nicht mehr möglich und die Depots leer", erklärt Dekena.

Doch auch hier gibt es Grenzen: So lassen sich Beplankungsbleche als Teil der tragenden Außenhaut nicht von Maschine zu Maschine tauschen, da sie aufgrund damals recht hoher Fertigungstoleranzen unter Umständen nicht passen. "Dies ist beim Tornado einfacher", sagt Dekena. "Die Phantom ist durchaus anspruchsvoll instandzuhalten, man kann noch fast alles machen. Ein Großteil der Beanstandungen liegt bei Mechanik und Struktur", ergänzt Keller. "Bei den neueren Mustern steht eher die Elektrik im Mittelpunkt."

FLUG REVUE Ausgabe 08/2010

Top Aktuell Hickam F-22 Arrival Kleine Flotte, große Leistung F-22 Raptor: Der beste Fighter der Welt
Beliebte Artikel Alle Fakten McDonnell Douglas F-4 Phantom II Super Etendard Modernizados Argentinien übernimmt fünf Super Etendard
Stellenangebote Der Baden-Württembergische Luftfahrtverband stellt ein Referent für Aus- und Fortbildung, Flugsicherheit und Sport (m/w/d) gesucht OFD sucht Pilot Jetzt bewerben – Pilot gesucht! OFD sucht Pilot (m/w/d) RUAG sucht Flugzeugmechaniker Jetzt bewerben RUAG sucht Flugzeugmechaniker F/A-18 (m/w)
Anzeige