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Gut gerüstet für Präzisionsaufgaben

Das Jagdbombergeschwader 33 in Büchel

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Nach der Einführung von lasergelenkten Präzisionswaffen und dem Abstandsflugkörper Taurus ist das Taktische Luftwaffengeschwader 33 gut für Luft-Boden-Aufgaben ausgestattet. Einen weiteren Leistungssprung verspricht die Kampfwertsteigerung des Panavia Tornado.

Fast versteckt im grünen Hügelgelände der Eifel liegt der Fliegerhorst Büchel, Heimat des letzten Jagdbombergeschwaders der Luftwaffe, das mit einer reinen Flotte von Tornado IDS ausgestattet ist. Dies spiegelt sich auch in den Aufgaben des Verbands wider. "Der wesentliche Bestandteil unseres Auftrags ist die Luftnahunterstützung", sagt Oberst Dr. Jan Kuebart. Laut dem damaligen Kommodore des Jagdbombergeschwaders 33 (heute Taktisches Luftwaffengeschwader 33) zeigen die heutigen Szenarien, wie zum Beispiel in Afghanistan, die Notwendigkeit einer bei Bedarf schnellen und präzisen Unterstützung der Bodentruppen aus der Luft, sei es als Begleitschutz (Convoy Escort) oder zur Gefechtsfeldüberwachung (Area Watch). Hierbei gehe es nicht nur um den Einsatz von Waffen, sondern auch um die Bereitstellung eines Lagebildes aus der Luft mit Hilfe von bordeigenen Systemen.
Hier kommt der Laser-Zielbeleuchtungsbehälter Litening von Rafael aus Israel ins Spiel. "Der Einsatz von Präzisionsbewaffnung - in unserem Fall der GBU-24 Paveway III - aus mittlerer Höhe zur Bekämpfung unterschiedlichster Bodenziele unter Nutzung des Laser Designator Pod (LDP) beansprucht im JaboG 33 einen Großteil der täglichen Übungsflugstunden." Dabei erfolgen die Einsätze meist mit ein oder zwei Jets, wobei entweder ein Tornado das Ziel selbst beleuchtet und bekämpft (Self Designation), oder das Ziel von der zweiten Maschine designiert wird (Buddy Lasing). Auch die Zusammenarbeit mit Truppen auf dem Boden wird trainiert (Ground Lasing). Allerdings üben die Besatzungen in Büchel auch den Einsatz konventioneller Bomben und der Bordkanonen.

Als bisher einziges Geschwader der Luftwaffe sind die Büchelaner in der Lage, den Taurus-Flugkörper (Target Adaptive Unitary and Dispenser Robotic Ubiquity System) einzusetzen. Die Waffe kann laut Luftwaffe über eine Distanz von mehr als 350 Kilometern Bodenziele wie zum Beispiel Bunker bekämpfen. Die Herstellerangabe zur Reichweite liegt bei rund 500 Kilometern. Der Tornado kann zwei Taurus KEPD 350 an den Unterrumpfstationen tragen. Der rund 1400 Kilogramm schwere Flugkörper wird von der Firma Taurus Systems GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen von MBDA Deutschland (LFK Lenkflugkörpersysteme) und Saab Bofors hergestellt. Ende letzten Jahres wurde das letzte von insgesamt 600 Exemplaren an die Luftwaffe übergeben. "Damit besitzen wir eine hochmoderne abstandsfähige Präzisionswaffe, die ein Beispiel für eine wirklich gelungene europäische Rüstungszusammenarbeit darstellt", meint Kuebart.

Der Einsatz des Flugkörpers gilt zumindest von der fliegerischen Seite her als nicht sehr schwierig. "Das Anspruchsvollste wäre hier eine Luft-zu-Luft-Betankung, weil die Maschine mit zwei Taurus relativ schwer ist und in der Luft am Tanker schwerer zu handhaben ist." Viel komplexer ist jedoch die Vorplanung der Mission. "Sie muss äußerst sorgfältig erfolgen, damit man sicher ist, das Ziel genau zu treffen." Daher investiert die Einheit gemäß dem Kommodore viel Zeit in die Ausbildung der Missionsvorbereitung. "Damit eine Besatzung befähigt wird, an der Planungssitzung einer Taurus-Mission teilzunehmen, muss sie erst einmal Vorkenntnisse mitbringen und dann über viele Wochen in der Planung ausgebildet werden." Dennoch ist eine ausreichende Anzahl an Crews entsprechend geschult: "Beim Taurus sind wir absolut einsatzfähig. Wenn es notwendig sein sollte, könnten wir aus dem Stand heraus diese Waffe einsetzen", sagt Kuebart.

Insgesamt befinden sich derzeit rund 55 Piloten und 40 Waffensystemoffiziere im Verband; ihnen stehen knapp 45 Tornados zur Verfügung. Davon sind in der Regel immer 15 bis 20 einsatzklar. "Die Tornado-Flotte wird im Rahmen der Reform der Bundeswehr reduziert werden, dem JaboG 33 stehen aber weiterhin ausreichend Flugzeuge zur Auftragserfüllung zur Verfügung", meint der Kommodore.

Insgesamt sollen 85 Maschinen im Dienst bei der Luftwaffe bleiben, die bis ins Jahr 2025 fliegen könnten. Dabei gilt der Tornado trotz seines Alters als durchaus konkurrenzfähig. "Durch die Integration und konti-nuierliche Verbesserung der GPS-Navigationssysteme und der Einführung von Präzisionsbewaffnung ist der exakte Einsatz unseres Waffensystems erheblich erleichtert worden", meint Kuebart.

Fitnesskur für den Tornado

Außerdem durchläuft der Tornado eine Modernisierung im Rahmen des ASSTA-3-Programms (Avionics Software System Tornado Ada) bei dem Unternehmen Cassidian (ehemals EADS Defence and Security) in Manching. Hier erhält der Jagdbomber unter anderem eine neue Avionik wie das Multifunctional Information Distribution System (MIDS), einschließlich Link-16-Fähigkeit. Mitte 2012 sollen die ersten Flugzeuge an die Luftwaffe übergeben werden. Auch die Laser Joint Direct Attack Munition (LJDAM) wird integriert. Bis Ende 2012 ist daher in Büchel die Einführung der GBU-54, einer Laser-JDAM auf Basis der Mk-82-Bombe geplant. Mit ihren 227 Kilogramm ist sie um 680 Kilogramm leichter als die GBU-24 und ermöglicht dank ihres kleineren Wirkkörpers eine präzise Bekämpfung von Bodenzielen auch in kurzer Entfernung zu eigenen Truppen oder zivilen Strukturen.

Im Rahmen des ASSTA-3-Programms erhält der Jagdbomber zudem moderne Multifunktionsdisplays mit digitaler Kartendarstellung, einen neuen Radarempfänger (Tornado Defensive Aids Subsystem / TDASS), leistungsfähigere Computer und ein verbessertes Navigationssystem. Derzeit erfolgen in Manching die ersten Bewertungsflüge mit den entsprechend kampfwertgesteigerten Serienmaschinen des Nachrüstpakets (NRP 20), bei denen auch Besatzungen des JaboG 33 zum Einsatz kommen. "Die Ergebnisse und Bewertungen durch die Besatzungen sind durchweg positiv. Die Anzeigegenauigkeiten beziehungsweise Bedienerfreundlichkeit der neuen Systemkomponenten führt zu erheblich verbesserten Ergebnissen in allen Teilbereichen eines Fluges." Insgesamt ist Kuebarts Fazit positiv: "Die Maschine ist absolut State of the Art. Wir sind bei der Bewaffnung  und der Avionik wieder hervorragend aufgestellt."
Hinzu kommen noch luftwaffeninterne Weiterentwicklungen im Bereich des taktischen Datenlinks und der Videoübertragung in Echtzeit, die in Prototypform schon bei der Übung "Green Flag East" zum Einsatz kamen. "Die Übermittlung von Satellitenbildern, Textnachrichten und vorgefertigten Dokumenten wie auch die Nutzung von gespeicherten Datenbanken mit Hilfe der Interface Computer Unit (ICU) bringen den Tornado wieder auf Augenhöhe mit Luftfahrzeugen jüngerer Generation. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Tornado auf die nächsten Jahre gesehen das leistungsfähigste Waffensystem der Bundeswehr für Luft-Boden-Einsätze sein wird."

Neben den technischen Voraussetzungen müssen aber auch die Besatzungen entsprechend geschult werden. "Das Schwierigste beim Close Air Support sind das nötige Wissen und die Erfahrung bezüglich der Verfahren. Das dauert Jahre, bis man das trainiert und eine Anzahl von Besatzungen entsprechend fit hat. Das haben wir mittlerweile hinter uns“, sagt der Pilot. Um dies zu erreichen, ist die Teilnahme an internationalen Übungen wie eben in diesem Jahr "Green Flag East" auf der Barksdale Air Force Base in Louisiana unerlässlich. Im Anschluss an das Manöver verlegte das Kontingent, an dem auch das JaboG 32 aus Lechfeld beteiligt war, mit den acht Flugzeugen nach Holloman in New Mexico, um dort bei "Consolidated Skills 2011" taktische Verfahren auszubilden und scharfe Waffen einzusetzen. In den vergangenen zwei Jahren war das Jagdbombergeschwader 33 jeweils bei "Green Flag West" in Nellis zu Gast. "Die Teilnahme an solchen Hochwertübungen ist für unsere Besatzungen sehr wichtig. Viele Ausbil-dungsinhalte und Trainingserfolge in den unterschiedlichsten Bereichen der Missionsvorbereitung, Durchführung und Nachbereitung lassen sich nur während solcher Übungen erzielen. Der internationale Informationsaustausch und das Zusammenspiel unterschiedlichster Teilbereiche bieten nahezu unerschöpfliche Möglichkeiten der Weiterbildung und Verbesserung eigener Verfahren." In diesem Jahr steht noch von Ende Oktober bis Ende November das Qualitätsschießen (QSS) mit der Abstandswaffe Taurus in Südafrika auf dem Programm. Daran sind drei Flugzeuge und 100 Personen, davon 70 Soldaten des JaboG 33, beteiligt.

Trotz der vielfältigen Aufgaben muss das Geschwader wie die anderen fliegenden Verbände eine haushaltsbedingte Kürzung der jährlichen Flugstunden hinnehmen. Bis einschließlich letzten Jahres hat das JaboG 33 im Schnitt jährlich rund 7000 Flugstunden erzielt. "Aufgrund knapper Finanzmittel können in diesem Jahr nur 4500 Stunden geflogen werden. Die Anzahl der Piloten und Waffensystemoffiziere im JaboG 33 wird dazu passend maßvoll reduziert. Was ab 2012 passiert, wird die Zeit zeigen." Laut dem Kommodore sind Ressourcen und Flugstunden knapp. Daher kooperiert man intensiv mit den anderen Tornado-Geschwadern und führt gemeinsame Übungskommandos in Sardinien oder den USA durch. "Aufgrund der Einschränkung von verfügbaren Flugstunden sind wir nicht in der Lage, alle Besatzungen in jeder Rolle fit zu machen. Das heißt, wir haben Abstufungen im Bereich der Piloten und Waffen-systemoffiziere, wobei diejenigen, die am oberen Ende des Flugstunden-Pensums sind, alles können und fliegen sollen." Auf der positiven Seite sieht Kuebart das breite Aufgabenspektrum. "Die Mischung der verschiedenen Aufgaben macht die Tätigkeit hier anspruchsvoller, weil man mehr Bälle in der Luft halten muss und in vielen Bereichen fit sein muss, aber gleichzeitig auch interessanter. Wenn das Upgrade des Tornados abgeschlossen ist kommt auch noch das Wissen dazu, ein Flugzeug zu fliegen, das international auch wieder vorne mit dabei ist."

FLUG REVUE Ausgabe 09/2011

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