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Reduzierte Stückzahlen

Die fliegenden Großprogramme der Bundeswehr

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Viele der großen Beschaffungsprogramme der Bundeswehr werden von technischen Problemen, Stückzahlreduzierungen und Kostensteigerungen gebeutelt.

Wie auch die neue Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen feststellen musste, stimmen „Darstellung und Ist-Zustand vieler Projekte nicht überein“. Gefragt sind deshalb ein „transparenter und effizienter“ Umgang mit den Steuergeldern durch ein „professionelles Großprojektmanagement“.

Problem dabei: „Große Rüstungsvorhaben sind zumeist dadurch gekennzeichnet, dass in einem komplexen, oft auch multinationalen Vertragsgeflecht unter Berücksichtigung industrie-, wirtschafts- und bündnispolitischer Interessen technologisches Neuland betreten wird, um hochwertiges Wehrmaterial "Made in Europe" zu erhalten“.

Laut Verteidigungsministerium werden „Im Bereich der Forschung und Entwicklung durch diese Projekte zudem vielfach wertvolle Beiträge zum Erhalt und zum Ausbau der Konkurrenzfähigkeit der europäischen Industrie insgesamt geleistet. Daher werden oftmals die inhärenten Risiken technischer Probleme und resultierender Kostensteigerungen als Ergebnis einer Güterabwägung bewusst eingegangen, solange sie innerhalb eines akzeptablen Rahmens als beherrschbar angesehen werden können“.

Im folgenden geben wir einen Überblick über den aktuellen Stand der wichtigsten Beschaffungsprogramme im Luftfahrtbereich.

Airbus Defence and Space A400M „Atlas“

Nach Frankreich, der Türkei und Großbritannien soll die Luftwaffe ihren ersten A400M-Transporter im November 2014 erhaltn (Foto: Airbus Military).

Stückzahl
Ursprünglich sollten 60 A400M beschafft werden. Diese Stückzahl wurde jedoch auf 53 reduziert. Davon will die Luftwaffe 40 betreiben, der Rest muss von Deutschland verkauft werden.

Kosten
Für das Waffensystem A400M wurde ein gemeinsamer Entwicklungs- und Beschaffungsvertrag geschlossen (sogenannter Commercial Approach). Die Gesamtkosten für Entwicklung und Beschaffung von 60 Luftfahrzeugen, Kosten der Mittelbereitstellung, Ergänzungsverträge und Infrastruktur waren auf 8,332 Milliarden Euro veranschlagt (Preisstand 12/2002).

Im Rahme einer Vertragsanpassung wurde im November 2010 der Gesamtpreis auf 9,29 Milliarden Euro erhöht (für nun nur noch 53 Flugzeuge). Dazu kommen Kredite, die bei großen Exporterfolgen zurückgezahlt werden müssten.

Erstflug
11. Dezember 2009 in Sevilla

Lieferbeginn
Die Luftwaffe soll ihren ersten A400M im November 2014 erhalten. Damit wird der Auslieferungszeitpunkt um vier Jahre überschritten.

Die volle operationelle Leistungsfähigkeit wird im Jahr 2020 erwartet. Dazu werden in mehreren Schritten Nachrüstmaßnahmen durchgeführt.

Airbus Helicopters Tiger

Der Tiger ist derzeit in Afghanistan im Einsatz (Foto: Bundeswehr/Wilcke).

Stückzahl
In der deutsch-französischen Vereinbarung zur Serienvorbereitung ging man im Juni 1995 von 2012 UHU (Unterstützungshubschrauber für das Heer aus. Im Mai 1998 wurde dann eine Stückzahl von 80 Hubschraubern festgelegt.

Eine Reduzierung auf 57 der Kampfhubschrauber wurde mit der am 15. März 2013 unterschriebenen Absichtserklärung mit Eurocopter angestrebt. Der „Global Deal“ ist allerdings noch nicht als bindender Vertrag ausverhandelt. Tatsächlich eingesetzt werden nur 40 Hubschrauber, Eurocopter soll 17 gebrauchte Maschinen zurücknehmen.

Kosten
Die Entwicklung wurde im Oktober 1987 mit 931 Millionen Euro (Preisstand 12/86) plus 475 Millionen Euro für die Integration des spezifisch deutschen Lenkflugkörpersystems PARS 3 veranschlagt.

Die Kosten für 80 Luftfahrzeuge sollten sich laut der 1998 gebilligten Serienverträge inklusive Serienvorbereitung, Infrastrukturkosten und Kosten für das Programmbüro auf 2,909 Milliarden Euro belaufen.

Die Zusatzkosten wegen technischer Probleme und Verzögerungen belaufen sich laut Verteidigungsministerium derzeit auf etwa 50 Millionen Euro.

Die Höhe der aus dem Serienvertrag bereits einbehaltenen Vertragsstrafen beträgt etwa 25,1 Millionen Euro.

Erstflug
27. April 1991 in Marignane

Lieferbeginn
Gemäß Serienvertrag sollte der erste UH Tiger in voller Serienkonfiguration im Dezember 2002 geliefert werden.

In Vorserienkonfiguration (Step 1) wurde der erste Tiger am 16. März 2005 geliefert.
Die tatsächliche Auslieferung des ersten UH Tiger Step 2 erfolgte am 30. Juli 2010.

Eurofighter

Die Luftwaffe wird 143 Eurofighter erhalten (Foto: Luftwaffe/Dahmen).

Stückzahl
Für Deutschland wird die Stückzahl - in Umsetzung der im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr im Jahr 2011 getroffenen Festlegung des Ausplanungsumfangs strukturbestimmender Hauptwaffensysteme - von 180 auf 143 Luftfahrzeuge reduziert.

Kosten
Mit Beginn der Entwicklungsphase ist für den deutschen Anteil mit Preisstand 12/87 eine Kostenobergrenze von 2,991 Miliarden Euro festgelegt worden.

Die Gesamtbeschaffungskosten für 180 Luftfahrzeuge (Grundsystem) beliefen sich auf 11,842 Milliarden Euro (Preisstand 12/1997).

Bisher wurden durch die Industrie anteilig an Deutschland Vertragsstrafen in Höhe
von 7,3 Mio. Euro bezahlt.

Über Kompensationszahlungen an die Industrie als Ausgleich für die Nichtabnahme von Flugzeugen wird noch verhandelt.

Erstflug

27. März 1994 in Manching

Lieferbeginn
Im Vertrag zur Fertigung der ersten Tranche Eurofighter war die Auslieferung des ersten Serienluftfahrzeugs an die Luftwaffe für August 2002 vorgesehen. Die Auslieferung des ersten Serienluftfahrzeugs erfolgte im September 2003.

NH Industries NH90

Neben den NH90 für das Heer will die Bundeswehr auch 18 Hubschrauber für die Marine beschaffen(Foto: Bundeswehr).

Stückzahl
Mit der Unterzeichnung des Serienvertrages am 30. Juni 2000 wurde die Beschaffung von 80 Hubschraubern (50 LTH Heer und 30 LTH/SAR) beauftragt und Optionen für die Abnahme weiterer 54 Hubschrauber vereinbart.

Mit Änderungsvertrag Nummer 13 wurden am 7. November 2006 und 16. Juni 2007 insgesamt 42 Hubschrauber (30 LTH Heer und 12 LTH/SAR) aus den Optionen fest bestellt.

Die nunmehr vereinbarte Stückzahlreduzierung auf 82 NH90 ist Teil eines Deals mit Airbus Helicopters, der stattdessen zusätzlich die Beschaffung von 18 NH90 „Sea Lion“ für die Marine vorsieht. Ein bindender Vertrag ist noch nicht geschlossen.

Kosten
Die Obergrenze der Entwicklungskosten wurde im April 2000 mit 595 Mio. Euro festgelegt.

Die Gesamtbeschaffungskosten für 134 Taktische Transporthubschrauber(inklusive nationaler Zusatzverträge) sollte laut Serienvertrag aus dem Jahr 2000 3,658 Milliarden Euro betragen.

Noch notwendige „Abhilfemaßnahmen“ für technische Probleme werden mit etwa 170 Millionen Euro veranschlagt.  Die Kosten für die Anpassung der Simulatoren an den Hubschrauber-Bauzustand FOC (inkl. Obsoleszenzbeseitigung) werden in einem Informationsangebot der Industrie auf ca. 200 Mio. € beziffert.

Bisher sind noch keine Vertragsstrafen einbehalten worden.

Erstflug
18. Dezember 1995 in Marignane

Lieferbeginn
Die Lieferung des ersten Hubschraubers war gemäß Beschaffungsvertrag für April 2004 zugesichert. Die Lieferung des ersten NH90 im Bauzustand "Initial Operational Capability" (IOC) erfolgte im Dezember 2006.

Der erste NH90 in der Konfiguration .Full Operational Capability" (FOC) wurde im November 2013 mit Einschränkungen ausgeliefert. Diese Einschränkungen werden aus heutiger Sicht im zweiten Quartal 2016 behoben sein.

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