in Kooperation mit

Rückblick: Abschied vom "Klappdrachen"

JaboG 31 stellt Tornado außer Dienst

46 Bilder

Am 25. Juni 2010 verabschiedete sich das Jagdbombergeschwader 31 "Boelcke" in Nörvenich vom Panavia Tornado. Die FLUG REVUE war dabei.

Mit "angelegten Ohren" nähert sich der Tornado dem Fliegerhorst Nörvenich bei Kerpen. In größerer Entfernung, vielleicht aus Respekt vor den Leistungen des bewährten Jagdbombers, flankieren ihn zwei Eurofighter. Kurz vor dem Ende der Startbahn steigt der Schwenkflügeljet steil in den Himmel, ein letztes Mal. Seine beiden Nachfolger drehen daraufhin in die Platzrunde ein und landen auf der Piste. Damit ist die Ära des Panavia Tornado IDS beim Jagdbombergeschwader 31 "Boelcke" an diesem sonnigen Freitagvormittag des 25. Juni 2010 symbolisch zu Ende. "Lassen Sie uns gemeinsam mit Stolz auf 27 Jahre Tornado bei "Boelcke" zurückblicken und daraus die Kraft, die Ruhe und das Selbstbewusstsein schöpfen, die nächsten Jahre zu bestehen und weiter den Eurofighter in einer für die Luftwaffe neuen Fähigkeit, der Mehrrollenfähigkeit, hier zur Einsatzbereitschaft zu führen", sagte Oberst Ingo Gerhartz, Kommodore des Verbandes, vor dem Start der "45+46".

Die Besatzung der Fly-out-Maschine steht für den Wandel in der Luftwaffe: Pilot Patrick Belting, jüngster Tornado-Pilot des Verbandes, wird auf den Eurofighter umgeschult. Sein Waffensystemoffizier, Major Andreas Haake, wird künftig das unbemannte Aufklärungssystem Euro Hawk vom Boden aus steuern, da es im Eurofighter keinen Waffensystemoffizier mehr gibt. Die beiden Techniker, Oberfeldwebel Maik Schauff und Stabsunteroffizier Rene Pierron, verlassen jedoch mit dem Tornado den Verband und die Luftwaffe. Angesichts des Abschieds vom Tornado hat Pilot Belting gemischte Gefühle: "Die Umstellung auf den Einsitzer ist ungewohnt, da der zweite Mann im Cockpit fehlt. Früher konnte man eventuelle Fehler gegenseitig erkennen."

Nachfolger Eurofighter

Wann mit regulärem Flugbetrieb des Eurofighters gerechnet werden kann, ist noch offen. "Wir sind ja mittendrin in der Zentralisierung Eurofighter", meint Generalleutnant Peter Schelzig, Befehlshaber Luftwaffenführungskommando, auf Nachfrage der FLUG REVUE. "Für dieses Geschwader heißt das, ab 1. Juli verstärkt mit technischem wie fliegendem Personal nach Laage zu fliegen, per Transall. Jetzt wird der Schwerpunkt auf den Eurofighter gelegt, bis mindestens im März nächsten Jahres. Dann werden wir sehen, wo wir stehen." Nicht nur der Zulauf neuer Flugzeuge, auch die Ausbildung von Flugzeugführern fällt dabei ins Gewicht. Dem Vernehmen nach sind erst zwei Piloten des JaboG 31 auf den Eurofighter umgeschult.

Abhängig von der Ausrüstung ist dagegen die Übernahme der Jagdbomberrolle: "Ab 2012 wollen wir da richtig einsteigen. Was die Ausbildung angeht, sind wir da heute schon mittendrin, in Laage wird der Ausbildungsplan entsprechend umgeschrieben", erklärt Schelzig. "Dieser Verband, dabei bleibt es zunächst einmal, ist der erste Multirole-Verband. Die Anzahl der Eurofighter, die die Luftwaffe bekommen soll, ist nach wie vor 177. Wenn dann unter dem Strich eine andere Zahl herauskommt, muss man sich andere Dinge überlegen, zum Beispiel, ob dann alles multirole-fähig wird."

175943 Flugstunden auf Tornado

Der letzte Überflug des Tornados vom Jagdbombergeschwader 31 "Boelcke" beim Fly-out in Nörvenich. Foto und Copyright: Patrick Hoeveler

Fast genau vor 27 Jahren, am 26. Juli 1983, war der erste Tornado (Kennung 43+93) in Nörvenich gelandet. Seitdem hat der Verband 175943 Flugstunden in 112000 Flügen absolviert (Stand 23. Juni). Am Tag des Fly-outs befanden sich noch sechs Tornados in Nörvenich. Einige davon gehen bis zum offiziellen Ende des Flugbetriebs am 30. Juni zu den anderen Verbänden, anderen droht jedoch die Hochwertteile-Gewinnung (HWT) in Jever und die anschließende Verschrottung. Diesem Schicksal entgehen auch die beiden sonderlackierten Maschinen nicht. Da das Geschwader bereits ein "buntes" Exemplar als Sockelflugzeug besitzt (die "Blue Lightning"), hatten die "Pride of Boelcke" und der Fly-out-Jet keine Chance.

Insgesamt hatte die Bundeswehr 359 Exemplare bestellt (247 für die Luftwaffe, davon 35 ECR, sowie 112 für die Marine). "Zukünftig wird die Zahl der Tornados bei der Luftwaffe mit der fortschreitenden Umrüstung auf den Eurofighter von zurzeit noch 149 (116 IDS, 33 ECR) nach gültigen Planungen auf 85 Maschinen reduziert werden", sagt Schelzig. Der gegenwärtigen Pla-nung nach sollen bis 2014 noch rund 50 Tornados zur HWT nach Jever gehen. Die jüngsten Zellen könnten dagegen bis 2035 fliegen.
Bei welchen Geschwadern dies der Fall sein wird, muss angesichts der in Berlin geplanten Kürzungsmaßnahmen noch geklärt werden. "Das hängt unter dem Strich davon ab, mit wie vielen Dienstposten diese Luftwaffe ausgestattet wird. Wenn es bei dem unteren Ansatz bleibt, den der Minister gemacht hat, nämlich 19000 Dienstposten für die Luftwaffe, dann können wir die Anzahl der Verbände nicht halten. Heute haben wir 34500 Posten, das ist die Kernluftwaffe mit den heutigen Verbänden. Es dauert noch ein paar Wochen, bis wir Klarheit haben", sagt Schelzig. "Angesichts der möglichen Reduzierung kann man weder eine Standortgarantie abgeben noch schon bestimmt sagen, dass irgendein Verband nicht mehr existieren wird."

Sicher dürfte zumindest sein, dass der Tornado in Büchel bei Cochem noch eine gute Weile fliegen wird. Das Jagdbombergeschwader 33 verfügte Ende Mai 2010 über 48 Maschinen, die Anzahl ändert sich mit Zu- und Abgängen von Jets. Auch einige "Klappdrachen" aus Nörvenich haben hier eine neue Heimat gefunden. Der Verband übernahm den Einsatz von Zielbeleuchtungsbehältern und Präzisionswaffen vom JaboG 31 und bildet Besatzungen der anderen deutschen Tornado-Besatzungen entsprechend aus. Auch am Training von bodengebundenen Zielbeleuchtungstrupps nimmt der Verband teil. Trotz seines Alters ist der Jagdbomber bei seinen Crews recht beliebt. Ein Pilot aus Büchel meint stellvertretend: "Der Tornado ist ein sehr zuverlässiges Flugzeug." Diesen Ruf muss sich der Nachfolger erst noch erarbeiten.

FLUG REVUE Ausgabe 08/2010

Top Aktuell Second-Hand-Fighter Angolas Luftwaffe besitzt nun zwölf Su-30
Beliebte Artikel Stealth-Kampfjet Russiche Luftwaffe erhält 76 Suchoi Su-57 Nebel und schlechtes Wetter Französische Rafale müssen in Indonesien notlanden
Stellenangebote Der Baden-Württembergische Luftfahrtverband stellt ein Referent für Aus- und Fortbildung, Flugsicherheit und Sport (m/w/d) gesucht OFD sucht Pilot Jetzt bewerben – Pilot gesucht! OFD sucht Pilot (m/w/d) RUAG sucht Flugzeugmechaniker Jetzt bewerben RUAG sucht Flugzeugmechaniker F/A-18 (m/w)
Anzeige