08.02.2016
Erschienen in: 02/ 2016 FLUG REVUE

MilitärtransporterAirbus A400M – Mühsamer Steigflug

Die Luftwaffe hat ihren zweiten und dritten A400M-Transporter erhalten. Derweil müht sich Airbus um eine Steigerung der Produktion und die Qualifizierung noch fehlender Fähigkeiten für den taktischen Einsatz.

Fast genau ein Jahr hat das Lufttransportgeschwader 62 auf seinen zweiten Airbus A400M gewartet. Oberst Ludger Bette, der Kommodore des Verbands, war deshalb froh, als er am 10. Dezember 2015 die „54+03“ (MSN30) nach ihrem Überführungsflug aus Sevilla in Wunstorf begrüßen konnte. Auch die Maschine mit der Kennung 54+02 (MSN29) wurde dann, am 18. Dezember, in Sevilla übergeben – immerhin, denn der Plan sah eigentlich für 2015 die Lieferung von fünf A400M an die Luftwaffe vor. „Wir benötigen diese Luftfahrzeuge, um beginnend 2016 die Transall im Bereich des logistischen Lufttransports sukzessive abzulösen“, gab Bette die Richtung vor, nachdem die sogenannte Einsatzprüfung für die Erstbefähigung im September abgeschlossen wurde. „Darüber hinaus müssen die Anzahl der zur Verfügung stehenden Luftfahrzeuge und die Anzahl der ausgebildeten Besatzungen in einem angemessenen Verhältnis stehen“, so der Kommodore. Weil die Flugstunden nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt wurden, konnten von den 13 Crews mit Musterberechtigung nämlich lange nur drei wirklich regelmäßig fliegen, zwei weitere kamen im November ins Line-Training.

„Bis Ende 2016 können wir das Rating durch Simulatorstunden erhalten“, erläuterte Bette bei einem Besuch der FLUG REVUE, „wir gehen also kein Risiko ein.“ Was die Ausbildung auf dem neuen Muster betrifft, ist das LTG 62 bestens ausgestattet. Neben einer FP-FTD (Flat Panel Flight Training Device) für die Einarbeitung in die Systeme steht auch ein Flugsimulator von Thales bereit, der von der Qualität her den besten zivilen Geräten entspricht. Mit bis zu drei längeren Trainingsmissionen pro Tag soll er rund 50 Stunden pro Woche genutzt werden.

Der Startschuss für den ersten nationalen Lehrgang zur Musterberechtigung A400M fiel am 6. Juli. Ein zweiter Kursus begann im November, bei dem neben vier erfahrenen Transall-Piloten zwei Neulinge dabei waren, die direkt von der Grundausbildung in Bremen kamen. Für das Type Rating sind 44 Arbeitstage angesetzt, wobei neben der Theorie und dem Simulator nur ein einziger realer Flug in der A400M auf dem Plan steht.

Neben den Luftfahrzeugführern der Luftwaffe und später der Armée de l´Air werden in Wunstorf auch die Technischen Ladungsmeister (TLM) ausgebildet. Da die A400M im Gegensatz zur Transall keinen bordtechnischen Offizier mehr hat, erhalten sie ein technisches Grundwissen vermittelt. Das Modul „Loadmaster“ dauert 33 Ausbildungstage, während für das Modul „Servicing“ zehn Tage angesetzt sind. Für die Praxis steht seit Juli 2015 ein von Rheinmetall Defence gebauter Frachtraum-Trainer zur Verfügung. Beim 60 Tonnen schweren Cargo Hold Trainer - Enhanced handelt es sich um die exakte Nachbildung des Laderaums, inklusive der Bedienerstation neben der vorderen Eingangstür. Wie im richtigen Flugzeug kann die Längsneigung verstellt werden. So lassen sich auch der Abwurf von Hilfsgütern oder das Absetzen von Fallschirmspringern trainieren. Selbst eine Kopplung mit dem Flugsimulator ist möglich, um eine komplette Mission nachzustellen.

Das Lufttransportgeschwader 62 ist also für den Betrieb der A400M gut gerüstet und hofft nun, bis Ende 2016 ein Dutzend Flugzeuge im Bestand zu haben. Ob das gelingt, wird sich zeigen. Der jüngste Rüstungsbericht des Verteidigungsministeriums vom Oktober enthielt nämlich wenig optimistische Formulierungen. „Bestehende Fragestellungen zur Produktionsqualität lassen weitere Verzögerung in der Auslieferung der Luftfahrzeuge erwarten. Aufgrund der hohen Anzahl der durch den Hersteller zu vertretenden gravierenden Risiken ist der Fähigkeitsaufwuchs A400M auf der Zeitlinie nicht mehr zuverlässig ausplanbar“, heißt es da zum Beispiel. Entsprechend werden Verzugsentschädigungen fällig, die bei den beiden aktuellen Maschinen 13 Millionen Euro betragen. Des Weiteren wird ein Teil des Kaufpreises vorerst einbehalten, da der Bauzustand nicht der zu diesem Zeitpunkt erwarteten Standard Operating Clearance (SOC) entspricht und die Flugzeuge daher später nachgerüstet werden müssen.


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