21.12.2016
Erschienen in: 01/ 2017 FLUG REVUE

US-Wahl bei der LuftwaffeBoeing CH-47F gegen Sikorsky CH-53K

Die Luftwaffe sucht einen Nachfolger für ihre Sikorsky- CH-53-Modelle. Boeing und Sikorsky konkurrieren um das Geschäft. Die Lieferungen sollen 2022 beginnen.

fr 01-2017 CH-47F gegen CH53K (01)

Über mehrere Generationen hinweg hat Boeing die Chinook verbessert. Sie soll noch Jahrzehnte fliegen. Foto und Copyright: US Army  

 

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Nach langer erfolgreicher Nutzung“ werde die ab 1972 zunächst beim Heer eingeführte CH-53 „innerhalb der kommenden etwa zehn Jahre an ihr geplantes Nutzungsdauerende kommen“, schreibt das Verteidigungsministerium in seinem Papier zur Militärischen Luftfahrtstrategie. Deshalb müssten Nachfolgeplanungen rechtzeitig erfolgen, „um zum einen nicht den technologischen Anschluss zu verlieren und zum anderen eine kostenintensive Innutzungshaltung alternder Luftfahrzeuge … zu vermeiden“.

Was Letzteres heißt, zeigt sich derzeit beim Avionik-Modernisierungsprogramm CH-53GA. Die Auslieferung der 40 Hubschrauber durch Airbus Helicopters wird sich mindestens 26 Monate länger hinziehen als geplant, was „größtenteils auf technische Störungen der Luftfahrzeuge, auf fehlende Ersatzteile und auf inzwischen zunehmende Kapazitätsengpässe beim Auftragnehmer“ zurückzuführen sei, so der neueste Ministeriumsbericht zu den aktuellen Rüstungsprogrammen.

Ein Nachfolger muss also her, was keine ganz neue Erkenntnis ist. Schon vor über einem Jahrzehnt gab es nämlich erste Überlegungen zu einem Future Transport Helicopter, der in deutsch-französischer Zusammenarbeit entwickelt werden sollte. Trotz umfangreicher Studien und der zeitweiligen Einbindung der EDA (Europäische Verteidigungsagentur) wurde daraus aber nichts. Unter anderem ausufernde Forderungen an das Nutzraumvolumen und eine absehbar geringe Stückzahl führten zu exorbitanten Kosten, die in keiner Weise tragbar waren.

Für die Luftwaffe, die die CH-53-Flotte 2013 von den Heeresfliegern übernommen hat, bleibt somit nur der Weg, ein vorhandenes Muster zu beschaffen. Das als Basis dafür notwendige Dokument „Fähigkeitslücke und Funktionale Forderung“ wurde vom Generalinspekteur der Bundeswehr am 27. Juni 2016 abgezeichnet.
Laut einer Sprecherin des Verteidigungsministeriums ist das Ziel „ein Produkt, das bei höheren Reichweiten und mit eingerüsteter Einsatzausrüstung (zum Beispiel Schutzausstattung, Bewaffnung, etc.) eine nutzbare Zuladung erreicht, die höher ist als die ehemalige Standardlast einer CH-53G. Das Ladevolumen orientiert sich dabei am aktuellen Stand. Zum Erreichen von Reichweitenforderungen ist voraussichtlich eine Luftbetankungsfähigkeit vonnöten. Ein weiterer Fähigkeitsaufwuchs ist missionsorientiert, insbesondere für die Unterstützung von Spezialkräften und die Fähigkeit Combat Search and Rescue zu erwarten.“

Obwohl sich das Ministerium mit Details zu den Anforderungen bedeckt hält, ist klar, dass nur zwei marktverfügbare westliche Muster für die Rolle des künftigen STH (Schwerer Transporthubschrauber) in Frage kommen. So stehen sich bei der für 2018 vorgesehenen formellen Ausschreibung wohl die Boeing CH-47F Chinook in der Ausführung mit großen Tanks und die Sikorsky (heute Teil von Lockheed Martin) CH-53K King Stallion gegenüber – eine Wahl, wie sie so ähnlich auch in den 1960er Jahren getroffen werden musste.


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