12.10.2015
Erschienen in: 10/ 2015 FLUG REVUE

EinsatzbereitschaftLockheed Martin F-35 Lightning II im Dienst

Knapp 14 Jahre nach Start des JSF-Entwicklungsprogramms hat die erste Staffel des US Marine Corps ihre anfängliche Einsatzbereitschaft mit der Lockheed Martin F-35B erreicht. Die Tests mit dem Stealth-Jagdbomber laufen aber noch bis mindestens 2017.

Natürlich waren alle Beteiligten glücklich, als General Joseph Dunford, Kommandant des US Marine Corps, am 31. Juli offiziell die anfängliche Einsatzbereitschaft der F-35B bei der Marine Fighter Attack Squadron 121 in Yuma, Arizona, erklärte. Damit wurde der im Mai 2013 dem US-Kongress vorgelegte Zeitplan eingehalten. Entsprechend euphorisch waren die Kommentare von Hersteller Lockheed Martin, der den Beginn einer „neuen Ära in der Militärluftfahrt“ sieht.

Im Pentagon hat man sich einen etwas realistischeren Blick auf das im Oktober 2001 gestartete Programm bewahrt, das insgesamt etwa fünf Jahre in Verzug ist. Staatssekretär Frank Kendall, für Beschaffung, Technologie und Logistik zuständig, sprach von einem „bedeutenden Meilenstein“ und einer „Bestätigung, dass das F-35 Programm auf Kurs ist“. Allerdings erinnerte er daran, dass „wir noch Arbeit vor uns haben, um die volle Leistungsfähigkeit, die von unseren Streitkräften und denen unserer Partner benötigt werden, zu erreichen, während wir die erfolgreichen Anstrengungen fortsetzen, die Kosten zu senken“. Für Generalleutnant Jon Davis, Stellvertretender Kommandant des Marine Corps für die fliegenden Systeme, ist die IOC-Deklarierung (Initial Operational Capability) ebenfalls nur der Anfang. „Wir müssen sicherstellen, dass wir die notwendigen Ressourcen haben, um die für das Training und kontinuierliche Kampfeinsätze notwendige Verfügbarkeit der F-35B sicherzustellen. Wenn ich momentan Sorgen habe, dann die, dass wir genügend Ersatzteile haben, um das Maximale aus diesem außergewöhnlichen Waffensystem herauszuholen“, so Davis.

Ob und um wie viel besser die F-35 gegenüber den heutigen Kampfjets wie F/A-18, F-16 oder A-10 ist, darüber werden auch in den USA erbitterte Debatten geführt. Momentan gilt es dabei zu bedenken, dass die Einsatzbereitschaft trotz eines recht reduzierten Leistungsspektrums erklärt wurde. Die VFMA-121 „Green Knights“ verfügt über F-35B mit dem Softwarestandard Block 2B. Das heißt zum Beispiel, dass als Bewaffnung nur die AIM-120 AMRAAM, die GBU-12 (225 kg schwere lasergelenkte Bombe) und die GBU-32 (JDAM, 910 kg) benutzt werden können, und zwar nur zum Abwurf aus dem internen Waffenschacht. Dennoch ist das Marine Corps der Meinung, dass damit Aufgaben wie Luftnahunterstützung, offensive und defensive Bekämpfung von gegnerischen Luftfahrzeugen, Gefechtsfeldabriegelung, Begleitschutz und bewaffnete Aufklärung erfüllt werden können. Auch der Einsatz von Hubschrauberträgern und vorgeschobenen Basen aus ist genehmigt.

Beim Marine Corps legt man Wert auf die Feststellung, dass die Einsatzfreigabe nach einem genau definierten Plan und zahlreichen Überprüfungen erfolgt ist. Dazu zählte zum Beispiel die Verlegung von sechs F-35B auf die USS „Wasp“ (LHD-1) vom 18. bis 29. Mai. Während des OT-1 (Operational Testing/Truppenerprobung) flogen normale Piloten des Marine Corps vor der Ostküste von dem Hubschrauberträger aus, der vor den Versuchen die notwendigen Modifikationen erhalten hatte. 108 Missionen mit 85 Flugstunden kamen dabei zusammen.

Neben den Flügen ging es bei OT-1 auch um die Wartbarkeit der F-35B auf See. Erstmals wurde dabei das Kernmodul des F135-Triebwerks mit einer MV-22B Osprey eingeflogen. In einer Verkleidung, die eine gedämpfte Lagerung des rund 2050 Kilogramm schweren Teils ermöglicht, passte es gerade noch in den Kipprotor-Transporter. Davis bewertete die Versuche als „sehr erfolgreich“, wenngleich laut einem Bericht des Pentagon-Test-Direktors Michael Gilmore die Zuverlässigkeit der Jets so schlecht war, dass es Schwierigkeiten bereitete, mehr als zwei oder drei (von sechs) pro Tag in einem flugfähigen Zustand zu halten.

Nach dem Abstecher auf die „Wasp“ kümmerten sich die „Green Knights“ um die Qualifikation von 14 Piloten für den Waffeneinsatz. Ende Juni wurden auf einem Gelände bei Yuma 30 scharfe Bomben abgeworfen. Die JDAMs können laut Major Christopher Trent, Ausbildungsleiter der VMFA-121, mit der F-35 auch bei extrem schlechten Sichtverhältnissen präzise eingesetzt werden, da die F-35 mit ihrem APG-81-Radar eine dreidimensionale Karte des Gefechtsfelds erstellen kann.


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