15.07.2017
Erschienen in: 06/ 2017 FLUG REVUE

Mädchen für allesMarinehubschrauber: Auf großer Fahrt

Ob Fregatte oder Flugzeugträger – Hubschrauber gehören zur Ausstattung vieler Schiffe. Dank flexibler Ausrüstung können sie für die U-Boot- und Schiffsbekämpfung genauso wie für Transportaufgaben eingesetzt werden.

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Bordhubschrauber haben sich im Laufe der Zeit zu „Mädchen für alles“ entwickelt. Bei ihrer Suche nach einem Nachfolger für die von Fregatten aus eingesetzte Westland Sea Lynx Mk 88A hat die Marine denn auch eine lange Liste von Fähigkeiten definiert, die notwendig sind, damit das Schiff und seine flie-genden Komponente den Anforderungen in den vielfältigen Einsatzszenarien gewachsen bleiben. So muss der Helikopter als in das Gesamtsystem integrierter „Sensor“ und „Effektor“ natürlich nach wie vor die komplexe Ausstattung für die Bekämpfung von U-Booten aufnehmen können.

Dazu kommt die Befähigung zum Angriff auf Schiffe aller Art mit Lenkwaffen. Auch das Absetzen von Board-ingteams zur Kontrolle von verdächtigen Schiffen oder die Bekämpfung von Schmugglerbooten mit einem in der Kabine montierten, beweglichen MG sind Aufgaben, deren Bedeutung in den letzten Jahren gewachsen ist. Ganz praktisch sollte das neue Muster in der Lage sein, Personal und Material zum Schiff zu transportieren und im Bedarfsfall auch Außenlasten aufzunehmen. Bei all dem dürfen Bordhubschrauber nicht zu groß und schwer werden, denn sie müssen auf oft kleinen Decks landen und in die Schiffshangars passen.

Da werden die Unterbringung und Integration der umfangreichen Systeme schon zur schwierigen Aufgabe. Gerade für die U-Boot-Jagd ist nämlich eine ganze Palette von Sensoren erforderlich, wie zum Beispiel ein 250 bis 350 Kilogramm schweres Tauchsonar, das an einem Seil unter dem Rumpf bis zu 750 Meter tief ins Wasser gelassen wird. Dort entfaltet sich ein Mikrofon-Messfeld, das zum Beispiel im niedrigen Frequenzbereich (3 bis 5 Kilohertz) die Geräusche von U-Booten aufspüren soll. Für die Suche nach U-Booten kommen außerdem aktive und passive Sonarbojen in Frage; sie senden ihre Daten per Funk an den Helikopter. Alle akustischen Sensoren erfordern entsprechende Auswertesysteme, die meist beide Quellen nutzen können.

Als weiterer Sensor für das Aufspüren von U-Booten kommt noch ein Magnetfelddetektor in Betracht. Im Fall von Bordhubschraubern wird die Sonde oft an einem Seil in einigem Abstand hinterhergezogen, um Störungen zu vermeiden. Einmal gefunden, soll das gegnerische U-Boot auch gleich bekämpft werden. Dafür gibt es Torpedos, die aus niedriger Höhe abgeworfen werden. Sie sind wie das britische Modell Sting Ray Mod 1 um die 270 Kilogramm schwer und 3,5 Meter lang, sodass nur ein oder zwei Exemplare mitgeführt werden.

Torpedos lassen sich natürlich auch gegen Überwasserschiffe einsetzen, doch hier werden vom Hubschrauber aus Lenkwaffen bevorzugt. Die Palette reicht von der Penguin aus Norwegen (2,95 m lang und 330 kg schwer, Reichweite zirka 30 km) bis zur MBDA Exocet (4,7 m lang, 670 kg schwer, Reichweite über 70 km). Auch kleinere Flugkörper wie die Hellfire, mit denen sich Boote von Schmugglern bekämpfen lassen, gehören neuerdings zum Arsenal. Für die Suche nach Schiffen wird im Übrigen ein Rundsichtradar verwendet, das meist in einem flachen Radom unter dem Rumpf untergebracht ist. Modelle wie das Leonardo Seaspray 7400E in der Wildcat HMA2 verfügen inzwischen über Antennen mit elek-tronischer Strahlschwenkung.

Zur Standardausrüstung von Bordhubschraubern gehören elektrooptische Sensoren in einem beweglichen Behälter. Dazu zählen Farb-TV-Kameras ebenso wie Infrarotkameras und ein Laser-Zielbeleuchter. Die Daten aller Sensoren laufen in der Bedienerkonsole zusammen, die in der Kabine untergebracht ist. Dort sind ein oder zwei Crewmitglieder damit beschäftigt, sich ein Lagebild zu verschaffen und den Einsatz entsprechend zu steuern sowie die Informationen über Datenlink an das Mutterschiff weiterzugeben.


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