27.05.2014
Erschienen in: 06/ 2012 FLUG REVUE

ModernisierungMikojan MiG-31BM mit neuen Waffen und Systemen

Russlands Luftstreitkräfte wollen in den kommenden Jahren die Fähigkeiten ihres Langstrecken-Abfangjägers mit Änderungen beim Zaslon-Radar und mit neuen Lenkwaffen verbessern.

Mit einer Abflugmasse von fast 46 Tonnen entspricht die zwar schnelle und reichweitenstarke, aber wenig wendige MiG-31 nicht den heutigen Vorstellungen von agilen und mit moderner Elektronik bestens ausgerüsteten Fightern. Dennoch wollen die russischen Luftstreitkräfte offenbar noch nicht auf ihre „Foxhounds“ (NATOCode) verzichten. Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte jedenfalls ein Programm, das bis 2020 die Modernisierung von 60 Flugzeugen auf den BMStandard vorsieht.


Neue Lenkwaffen

Zielsetzung ist es dabei, neue Lenkwaffen zu integrieren sowie Radar und Avionik deutlich zu verbessern. Auch soll parallel zu den Arbeiten an der Ausrüstung eine Grundüberholung durchgeführt werden, die die Lebensdauer auf 3.500 Flugstunden oder 30 Jahre erhöht. Zuständig für die Aufrüstung ist das Sokol-Werk in Nischni-Nowgorod, bei dem die MiG-31 bis 1994 auch in Serie gebaut wurde (etwa 500
Flugzeuge).


Radar Zaslon-AM

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Russlands Luftstreitkräfte wollen in den kommenden Jahren die Fähigkeiten ihres Langstrecken-Abfangjägers mit Änderungen beim Zaslon-Radar und mit neuen Lenkwaffen verbessern. Foto und Copyright: Butowski  

 

Die MiG-31BM erhalten das Radar Zaslon-AM, das auf dem bisher eingebauten Zaslon-A basiert und auch dessen große Antenne mit passiver elektronischer Strahlschwenkung übernimmt. Die Verwendung eines neuen Rechners sowie die Weiterentwicklung der Software soll die Leistungsfähigkeit des Systems aber beträchtlich erhöhen. Als Reichweite werden nun 240 Kilometer (statt 120 bis 130) angepeilt, und statt sechs sollen künftig 24 Ziele gleichzeitig verfolgt werden können. Sechs davon lassen sich parallel angreifen. Die Anpassung des Zaslon-AM führt das Leninets-Werk in Sankt Petersburg durch.


Verbesserungen der Avionik

Weitere Verbesserungen der Avionik betreffen den Einbau eines neuen Zentralcomputers (Baget 55-06) und die Installation des integrierten Selbstschutzsystems Witebsk. Zu ihm gehören Lenkwaffenwarnsensoren (Infrarotbereich), Radarwarnempfänger sowie Störsender und Düppel-/Täuschkörperwerfer. Auch ein geschleppter Störsender ist vorgesehen. Wie weit die Entwicklung fortgeschritten ist, scheint aber unklar.


Neue Bildschirme

Für die Besatzung gibt es ein großes Farbdisplay im vorderen Cockpit, während der Waffensystemoffizier über drei Flachbildschirme verfügt, die die bisherigen TV-Monitore ersetzen. Neu sind auch die Funkgeräte R800L und ein Empfänger für die satellitengestützte Navigation.


Einführung der K-37M Missile

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Acht Waffenstationen sind für Luft-Luft-Lenkflugkörper wie die R-33 (hier unter dem Rumpf) vorgesehen. Letztere soll durch die K-37M mit höherer Reichweite ersetzt werden. Foto und Copyright: Butowski  

 

Mit der modernisierten Avionik wird die Verwendung neuer Lenkwaffen möglich. Insbesondere geht es um die Einführung der K-37M (Izdelije 610M), die eine Reichweite von rund 200 Kilometern und einen aktiven Radarsuchkopf (MFBU-610MSch) bietet. Die Entwicklung der K-37 (AA-X-13 „Arrow“) begann bereits in den 1980er Jahren, wurde jedoch zwischenzeitlich eingestellt. Nun sollen sich die Flugtests aber dem Ende nähern, so dass die Serienproduktion 2013/2014 beginnen könnte. Auf der MAKS im letzten Jahr wurde auch eine Exportversion (RVV-BD) gezeigt.


Noch rund 150 MiG-31 stehen im Dienst

Weiterhin kann die MiG-31BM natürlich auch vier R-33 oder R-33S (AA-9 „Amos“) unter dem Rumpf tragen. Sie haben noch einen passiven Radarsuchkopf und bieten eine Reichweite von etwa 120 Kilometern. Für die Bekämpfung von Luftzielen auf kürzere Distanzen ist die MiG-31B unter den Tragflächen mit der R-40TD und der R-60 bestückt. Als Ablösung dieser Lenkwaffen sind die K-77-1 und die R-73 vorgesehen. Die K-77-1 ist eine Weiterentwicklung der R-77 (AA-12 „Adder“ oder RVV-AE). Dank aerodynamischer Verfeinerungen soll die Reichweite auf 110 Kilometer gestiegen sein, und auch der Suchkopf wurde verbessert. Die ersten Versuchsschüsse fanden im September und Oktober 2010 von einer Su-27SM(3) aus statt. Inzwischen ist die Serienfertigung bei Wimpel in Moskau angelaufen.

Modernisierungsprogramme

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Einige MiG-31BM sind bereits im Dienst. Bis 2020 sollen 60 Flugzeuge umgerüstet werden. Foto und Copyright: Butowski  

 

Das jetzt bestätigte Modernisierungsprogramm ist übrigens nicht das erste für die MiG-31. Bereits seit März 2008 werden von Sokol auf den BM-Standard hochgerüstete Flugzeuge geliefert. Um die 20 könnten es inzwischen sein; bei ihnen fehlen allerdings wohl wesentliche Elemente der gewünschten Verbesserungen. So ist zu erwarten, dass auch diese Maschinen noch einmal ins Werk müssen und dann zu den Ende 2011 angekündigten 60 MiG-31BM zählen.


Einsatzgebiete

Eingesetzt werden die derzeit vorhandenen MiG-31BM im Übrigen auf der Basis Monchegorsk in Nordrussland. Die noch 130 im Dienst stehenden MiG-31B fliegen beim 929. staatlichen Flugtestzentrum in Aktjubinsk, dem 4. Besatzungsschulungs-und Versuchszentrum in Sawesleijka sowie in Bolschoje Savino, Jelizowo, Kansk, Kotilowo, Monchegorsk und Zentralnaja Uglowaja.

FLUG REVUE Ausgabe 06/2012



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