13.05.2013
FLUG REVUE

RF-4E: Die erste deutsche Phantom

Mit insgesamt 273 Exemplaren war die Luftwaffe nach den USA der größte Kunde der Phantom. Den Anfang machte der Aufklärer RF-4E.

Als Ende 1967 die neue NATO-Konzeption der Vorneverteidigung (flexible Response) das Prinzip der massiven nuklearen Vergeltung ablöste, zeigte sich eine leistungsfähige Feindaufklärung für eine derartige Strategie als unabdingbar. Hier erwies sich ein allwetterfähiges Aufklärungsflugzeug als dringend nötig, da die Lockheed RF-104G der Luftwaffe diesen Anforderungen nicht mehr entsprachen.

Als Wunschkandidat der damaligen Luftwaffenführung entpuppte sich die RF-4E, welche die Zelle der F-4E mit dem Kamera-Bug der RF-4C kombinierte. Bei einem Stückpreis von 23,3 Millionen Mark wollte man 88 Exemplare für die zwei Aufklärungsgeschwader AG 51 und AG 52 beschaffen. Die Konkurrenz bestand vor allem aus dem günstigeren, zweisitzigen Starfighter RTF-104G, der sich jedoch nicht durchsetzen konnte und im Projektstadium verblieb. Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der USA unterzeichneten nämlich am 29. November 1968 einen Basisvertrag zur Beschaffung von 88 RF-4E.

Der Erstflug der RF-4E (Kennung 35+01) erfolgte am 15. September 1970 in St. Louis. Schon am 20. Januar 1971 übernahm das AG 51 in Bremgarten die ersten Maschinen. Insgesamt waren je 36 für die beiden Geschwader, je zwei für die Technische Schule 1 und die Erprobungsstelle 61 sowie zwölf als Kreislaufreserve vorgesehen.

Ab 1979 rüstete MBB die Aufklärer zum Einsatz von Bomben aus. Dies Zweitrolle endete aber mit der Wiedervereinigung ebenso wie ein Programm zur Lebensdauerverlängerung. Als erstes Strahlflugzeug der Bundeswehr erreichte die 35+13 des AG 52 am 22. Mai 1991 die Zahl von 5000 Flugstunden. Nur zwei Tage später wurde sie stillgelegt und ging als Ersatzteillieferant nach Griechenland.

Die Phantom-Ära beim AG 51 endete am 17. September 1992. Das AG 52 in Leck folgte am 31. März 1994. Der letzte Flug einer deutschen RF-4E erfolgte mit der 98+01 (ehemals 35+01) am 28. September 1995 bei der WTD 61 in Manching.

Insgesamt erhielten die griechischen Luftstreitkräfte 27 und die türkische Luftwaffe 46 Exemplare, die teilweise noch heute fliegen. Während ihrer Dienstzeit bei der Luftwaffe verunglückten 14 RF-4E. Heute ist nur eine der Aufklärer-Phantoms in Deutschland verblieben: die 35+62 diente bis 2003 zur Ausbildung von Wartungsmannschaften und steht heute im Luftwaffen-Museum in Berlin-Gatow.



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