17.10.2016
Erschienen in: 10/ 2016 FLUG REVUE

Grünes LichtSerienfreigabe Boeing KC-46A

Mit einem Jahr Verzug hat das Pentagon die Fertigung des neuen Tankers Boeing KC-46A für die USAF freigegeben. Diverse Probleme im Entwicklungsprogramm kommen Boeing teuer zu stehen.

Einige „schwierige technische Herausforderungen“ waren zu meistern, bevor Frank Kendall, Unterstaatssekretär des Bereichs Beschaffung, Technologie und Logistik, am 12. August die Genehmigung für die Vorserienproduktion der Boeing KC-46A erteilte. Der ursprünglich für August 2015 geplante sogenannte Milestone C hatte sich mehrfach verzögert. Zuletzt kämpfte Boeing mit technischen Problemen des neu entwickelten Tankauslegers. Auf ihn wirkten bei der Betankung von großen Flugzeugen wie der C-17 Globemaster II zu große Längskräfte ein. Der Versuch, die Angelegenheit mit Änderungen an der Software in den Griff zu bekommen, schlug fehl, sodass hydraulische Entlastungsventile konstruiert und installiert werden mussten.

Für die Serienfreigabe notwendige Nachweise konnten daher erst mit Verspätung erbracht werden. Am 8. Juli wurde zum Beispiel ein Nachtest mit der F-16 durchgeführt, während die Betankung der C-17A am 12. Juli auf dem Plan stand. Der letzte noch ausstehende Test betraf die Betankung der A-10C Thunderbolt II, die am 15. Juli absolviert wurde. Bereits zuvor waren die Versuche mit den Schlauchsystemen im Rumpf und unter den Tragflächen durchgeführt worden. Die F/A-18 Hornet war am 10. Februar an der Reihe und die AV-8B Harrier II am 1. März. Auch die Betankung der KC-46A selbst wurde überprüft. Hinzu kamen Beladungsversuche, denn der aus der 767 abgeleitete Tanker kann auch als Transporter und der Verlegung von Soldaten dienen.

Über 1000 Flugstunden haben die vier Prototypen und die erste bereits komplettierte Serienmaschine inzwischen absolviert. Auch nach dem Milestone C stehen noch weitere umfangreiche Flugversuche auf dem Plan, bis alle militärischen Freigaben und die komplette FAA-Zulassung erreicht sind. Schwierigkeiten gibt es dabei zum Beispiel noch mit den Unterflügelbehältern von Cobham, deren Entwicklung nicht korrekt dokumentiert wurde und bei denen auch ein Konstruktionsfehler behoben werden muss. Mit drei Jahren Verzug sollen nun im Juli 2017 Behälter in der endgültigen Konfiguration für die Tests bereitstehen.

19 Flugzeuge sind Bestellt, 175 werden benötigt

Die Lieferung der KC-46A selbst wird ab August 2017 erfolgen. Eigentlich hätten bis dahin schon 18 Flugzeuge bei der USAF sein sollen, doch dies wird nun erst bis Januar 2018 erreicht – so jedenfalls Boeing bei der Bekanntgabe der Verzögerung Ende Mai. Vorerst hat das US-Verteidigungsministerium 19 der Pegasus-Tanker bestellt. Der am 18. August erteilte Auftrag für die Vorserien­lose 1 und 2 (sieben beziehungsweise zwölf Flugzeuge) hat, wie bereits lange vereinbart, ein Volumen von 2,815 Milliarden Dollar (2,5 Mrd. Euro). Neben den Flugzeugen umfasst er vier Ersatztriebwerke und Unterflügel-Schlauchbehälter für zehn Maschinen. Die ersten Maschinen werden auf der McConnell AFB und der Altus AFB stationiert.

Insgesamt 175 Serienflugzeuge sind geplant, zu geschätzten Produktionskosten von 38,76 Milliarden Dollar (34 Mrd. Euro). In der Produktionsphase hofft Boeing auch die Verluste wieder hereinzuholen, die im Entwicklungsprogramm aufgelaufen sind. Der Entwicklungsvertrag begrenzt die Kosten für das Pentagon auf 4,824 Milliarden Dollar (4,25 Mrd. Euro). Hersteller Boeing, der den Auftrag unbedingt gegen Airbus gewinnen wollte, liegt angesichts der diversen Probleme und Verzögerungen inzwischen deutlich darüber. Zuletzt wurden in der Bilanz für das zweite Quartal 393 Millionen Dollar verbucht, sodass sich die Belastungen inzwischen auf fast 1,9 Milliarden Dollar (1,67 Mrd. Euro) summieren.

FLUG REVUE Ausgabe 10/2016



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