06.06.2015
Erschienen in: 10/ 2014 FLUG REVUE

Kipprotor gegen KoaxialrotorDefiant gegen Valor

Die US Army hat zwei Technologievorschläge für künftige Mehrzweckhubschrauber ausgewählt. Die Sikorsky/Boeing SB>1 Defiant und die Bell V-280 Valor sollen 2017 fliegen.

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Bell schickt seinen „Kipprotor der dritten Generation“ ins Rennen. Foto und Copyright: Bell  

 

Nimmt man das Kipprotormuster V-22 Osprey aus, haben die amerikanischen Streitkräfte über Jahrzehnte nur Grundmuster aus den 1960er und 70er Jahren modernisiert. Radikale Fortschritte sind so natürlich nicht möglich. Diese soll nun das langfristig angelegte Programm „Future Vertical Lift“ (FVL/„künftige Drehflüglerfamilie“) bringen, das 2012 vom Pentagon ins Leben gerufen wurde.

Ein erster Schritt auf dem Weg zur Einführung neuer Muster, die vielleicht Ende des nächsten Jahrzehnts beginnen könnte, ist ein Joint Multi-Role Technologiedemonstrator-Programm (JMR-TD), bei dem es darum geht, das Leistungs­potenzial neuer Konzepte im Flug auszuloten. Für die JMR-TD Phase 1 hatte die US Army zunächst Studienaufträge an vier Bieter erteilt. Basis war dabei die sogenannte Model Performance Specification mit Leistungsvorgaben wie hohe Geschwindigkeit (über 400 km/h), Platz für zwölf Soldaten oder ein Aktionsradius von 425 Kilometern. Ein Team von Sikorsky und Boeing sowie AVX Aircraft boten dabei Entwürfe mit Koaxialrotor und Schubpropeller an, während Bell und Karem Aircraft Kipprotormuster vorschlugen. Alle Beteiligten hatten neun Monate Zeit, ihre Konstruktionen auszuarbeiten und im Juni ihre Angebote abzugeben. Letztlich gingen die Militärs auf Nummer sicher und gaben den etablierten Helikopterfirmen den Vorzug gegenüber kleinen Start-ups.

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Sikorsky und Boeing bieten ein Modell mit Koaxialrotor an. Foto und Copyright: Sikorsky  

 

Sikorsky und Boeing, die im Januar 2013 ein JMR-Team bildeten, setzen bei ihrer SB>1 Defiant (dt.: kühn) auf das mit der Sikorsky X2 schon im Flug erprobte Konzept von sehr steifen, eng übereinander angeordneten Koaxialrotoren, kombiniert mit einem Schubpropeller. Damit sollen Geschwindigkeiten von 425 km/h möglich sein. „Die sich ergänzenden Fähigkeiten der beiden Firmen haben zu einem Entwurf geführt, der die beste Lösung für die US Army bietet“, sagte Sikorsky-Präsident Mick Maurer.

„Großartige Leistungen“ mit einem Kipprotor der dritten Generation ver-spricht Bell für seine V-280 Valor (dt.: Mut, Tapferkeit). Bei dieser Konstruktion werden nur die Rotoren und nicht die Motoren geschwenkt. Als Höchstgeschwindigkeit werden 520 km/h angepeilt. „Wir haben eine Menge Arbeit da-rauf verwendet, die Kosten dieses Drehflüglers zu senken“, betonte Chris Gehler, Direktor für Militärprogramme.

Sowohl Bell als auch Sikorsky/Boeing werden nun die Detailkonstruk-tion vorantreiben, um für die Anfang nächsten Jahres anstehende detaillierte Entwurfsüberprüfung bereit zu sein. Ziel ist ein Erstflug Mitte 2017. Dafür werden die Firmen über die 350 Millionen Dollar hinaus, welche die Army für JMR-TD zur Verfügung hat, auch eine Menge Eigenmittel investieren.

FLUG REVUE Ausgabe 10/2014



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