28.02.2015
Erschienen in: 01/ 2014 FLUG REVUE

Russlands neuer Allzweck-Fighter (Teil 2) Herausragende Wendigkeit als unverzichtbare Basis

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Bei allen Bemühungen um modernste Ausrüstung hat Suchoi eine herausragende Wendigkeit als unverzichtbare Basis für einen Fighter nicht vernachlässigt. Die T-50 ist dabei eine Adaption der bewährten Auslegung der „Flanker“-Familie unter Berücksichtigung von Anforderungen bezüglich der Stealth-Eigenschaften zumindest im vorderen Bereich. Flügel und Rumpf gehen sanft ineinander über und sorgen zusammen für den Auftrieb.

Steuerflächen für die sichere Kontrolle des Fighters bei jedem noch so exotischen Flugmanöver gibt es jede Menge. Die Seitenleitwerke sind kleiner als bisher, aber leicht V-förmig und voll beweglich. Sie agieren auch als Bremsklappen. Die Höhenleitwerke sind wie gehabt voll beweglich und können für Rolleingaben auch entgegengesetzt ausschlagen. Sie ergänzen somit die Querruder. Vorflügel sind ebenso vorhanden wie Landeklappen. Besonders interessant sind die vorgezogenen Flügelwurzeln mit ihren flexiblen Klappen über den Lufteinläufen. Sie bewirken, dass der Druckpunkt weit vor dem Schwerpunkt liegt. Je aerodynamisch instabiler ein Flugzeug, desto rapider reagiert es auf Steuereingaben. Vor allem im Überschallbereich soll die T-50 viel manövrierfähiger sein als aktuelle Kampfflugzeuge.

Natürlich ist die T-50 in der Lage, ohne Nachbrenner über Mach 1.0 zu fliegen (Supercruise). Für den nötigen Schub sorgen derzeit zwei Saturn AL41F-1 (Izdelije 117), die mit Nachbrenner 148 kN liefern. Sie verfügen über Schubvektordüsen. Da diese recht weit auseinander liegen erlauben sie nicht nur Steuerinputs um die Querachse sondern auch Rollmanöver bei niedrigen Geschwindigkeiten.

Bis gegen Ende des Jahrzehnts soll die T-50 ein völlig neu entwickeltes Triebwerk erhalten. Das Izdelije 30 von NPO Saturn befindet sich seit 2011 in der Entwicklung. Es verspricht eine höhere Leistung bei niedrigerem Gewicht sowie eine einfachere Herstellung und Wartung. So weit bekannt, wird das Izdelije 30 mit einem dreistufigen Niederdruckverdichter, einem fünfstufigen Hochdruckverdichter sowie jeweils nur einer Stufe für die Hoch- und Niederdruckturbinen auskommen. Der Schub ohne Nachbrenner wird mit 118 Kilonewton angegeben, die maximale Schubleistung mit 168 Kilonewton. Dies soll sich in Parametern wie der Beschleunigung bemerkbar machen.

Wie eingangs erwähnt, haben die T-50 bisher über 450 Flüge absolviert. Es gibt also noch viel zu tun, insbesondere hinsichtlich der Systementwicklung. Nach russischen Informationen, die aber wohl zu viel Optimismus zeigen, soll das sechste Flugzeug 2014 fertig werden. Es dürfte viele der notwendigen Änderungen aufweisen. Danach geht es wohl mit einer Vorserie von vier Flugzeugen weiter, die für staatliche Abnahmetests und die anfängliche Truppenerprobung vorgesehen sind.

Die russischen Rüstungspläne bis 2020 sehen die Beschaffung von 60 PAK FA vor, wobei die Serienfertigung 2016 anlaufen könnte. Neben den russischen Luftstreitkräften will Indien eine Ableitung der T-50 kaufen. Im Dezember 2010 vereinbarten die beiden Länder eine gemeinsame Vorentwurfsphase, an der sich derzeit rund 30 indische Ingenieure bei Suchoi in Moskau beteiligen. Es geht vermutlich vor allem um die Systemausstattung.

Ein für 2013 erwarteter Vertrag über eine Intensivierung der Arbeiten wird sich vermutlich auf 2014 verschieben, da es zuletzt Spekulationen über Differenzen bezüglich der Finanzierung gab. Die Erfahrung mit indischen Flugzeugprojekten zeigt, dass Geduld gefragt ist. Vielleicht 2017 könnte es einen angepassten Prototyp geben. Im Gespräch war zuletzt die Beschaffung von 144 Flugzeugen.


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