12.02.2016
Erschienen in: 02/ 2014 FLUG REVUE

Oceans’s 10Die Flugzeugträger-Flotte der US Navy

Seit Jahrzehnten dominiert die amerikanische Marine mit ihren Superträgern der „Nimitz“-Klasse die Weltmeere und gibt der Regierung in Washington die Möglichkeit, schnell auf Krisen zu reagieren. Neue Herausforderungen werfen aber die Frage auf, ob die schwimmenden Flugzeugbasen ihrer Rolle auch in Zukunft gerecht werden können.

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Seit den Seeschlachten des Zweiten Weltkriegs im Pazifik hat sich der Flugzeugträger zum beherrschenden Instrument globaler Seemacht entwickelt. Dies gilt vor allem für die Trägerflotte der US Navy, die in fast jedem Konflikt, in den die Vereinigten Staaten verwickelt waren, eine wichtige Rolle gespielt hat. Die Schwerpunkte haben sich dabei gewandelt. Ging es im Zweiten Weltkrieg um die Vernichtung der gegnerischen Flotte und die Absicherung von Landungsunternehmungen, fungierten die Träger während der Hochzeit des Kalten Krieges auch als Plattformen für Angriffe mit Nuklearwaffen. 

Weil die US-Flotte auf hoher See keine nennenswerten Gegner zu fürchten hat, werden die Flugzeugträger seit den Kriegen in Korea und Vietnam vor allem als schwimmende Basen für einen Carrier Air Wing mit 60 bis 80 Kampfjets sowie Unterstützungshubschraubern genutzt, die sich vergleichsweise schnell an jedem Brennpunkt der Welt positionieren lassen. Zusammen mit ihren Begleitschiffen bilden die Träger eine beeindruckende Kampfmaschinerie, die von der Regierung in Washington in Marsch gesetzt werden kann, um Stärke zu zeigen und „unsere Interessen in Übersee zu schützen sowie Frieden und Stabilität in aller Welt zu fördern“, wie es die Navy offiziell formuliert.

Ein gutes Beispiel dafür war der Einsatz der USS „Enterprise“ (CVN 65) nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Der Träger war bereits im Indischen Ozean und begann ohne große Verzögerung mit Angriffen auf Trainingscamps der Al-Qaida in Afghanistan. In rund drei Wochen wurden fast 700 Einsätze geflogen, ohne dass man erst Staffeln verlegen und Verhandlungen über Stationierungsrechte führen musste.

Ob Abschreckung, Kampfeinsatz oder auch humanitäre Hilfeleistung wie zuletzt im November nach dem Taifun „Hayan“ auf den Philippinen – die Flugzeugträger der US Navy sind vielseitig einsetzbar. Sie sind aber auch extrem teuer. Ein Träger kostet zusammen mit seinen Flugzeugen etwa so viel wie zehn Atom-U-Boote oder fast 20 Lenkwaffenzerstörer. Einer Studie zufolge sind sogar 46 Prozent des Personals der amerikanischen Marine in den Betrieb der Flugzeugträger und ihrer Unterstützungsschiffe eingebunden.

Kein Wunder also, dass immer wieder Diskussionen aufkommen, ob es sich wirklich auszahlt, wie vom Kongress vorgegeben, elf Flugzeugträger zu betreiben (derzeit mit einer Ausnahmegenehmigung zehn), um drei davon jederzeit für globale Einsätze bereit zu haben. Verteidigungsminister „Chuck“ Hagel ließ jedenfalls im Zusammenhang mit der Haushaltskrise im letzten Sommer anklingen, dass es keine Denkverbote gebe und eine Reduzierung auf acht oder neun Träger nicht ausgeschlossen sei.

Die Überlegungen fallen zusammen mit aufkommenden Bedenken bezüglich der zukünftigen Einsatzmöglichkeiten der Flugzeugträger. Das Stichwort heißt hier „A2/AD“ (anti-access/area-denial), also die Fähigkeit eines potenziellen Gegners, den Einsatz des Trägers und/oder seiner Kampfjets in bestimmten Gebieten zu einem unvertretbar hohen Risiko zu machen. Als prominentestes Beispiel wird hier die chinesische Mittelstreckenrakete DF-21D angeführt, die einen Flugzeugträger über 1000 Kilometer vor der Küste angreifen könnte, sofern natürlich seine Position via Satelliten oder UAVs aufgeklärt werden kann. Auch bessere Angriffs-U-Boote und Marschflugkörper sind gefährlich.

Nicht nur die Bedrohung des Flugzeugträgers selbst ist ein Problem, auch starke Luftverteidigungssysteme, die seinen Kampfjets das Überleben schwer machen, würden den Einsatzzweck des Trägers in Frage stellen. In diesem Bereich versprechen Stealth-optimierte Muster wie die F-35C und längerfristig unbemannte Kampfflugzeuge ein Gegengewicht. Unbemannte Aufklärungsflugzeuge würden den Träger zudem in die Lage versetzen, weiter als zentrales Führungsschiff zu agieren.

Die angesprochenen neuen Bedrohungen zu vernachlässigen wäre fahrlässig, aber es gilt auch zu bedenken, dass sie wohl nur in Konflikten mit technisch hochgerüsteten Gegnern zum Tragen kämen. Insofern hält die Navy an ihren Plänen fest, nach der Stilllegung der „Enterprise“ im Dezember 2012 eine neue Generation von Flugzeugträgern einzuführen. Dies ist ein langer Prozess: Von den ersten Überlegungen Mitte der 1990er Jahre bis zu der nun für 2016 vorgesehenen Indienststellung der USS „Gerald R. Ford“ (CVN 78) werden rund zweieinhalb Jahrzehnte vergangen sein.

Für die „Ford“-Klasse, die auf die Rumpfform der „Nimitz“-Klasse aufbaut, hat die amerikanische Marine das Ziel ausgegeben, mit weniger Personal ein höheres Einsatztempo zu realisieren. Dazu werden eine Reihe neuer Systeme verwendet, die bis hin zu einer effizienteren Müllverbrennung und einer Steigerung der Salzwasseraufbereitung und mehr Duschmöglichkeiten für die Besatzung reichen.

Der Kommandoturm wurde weiter nach hinten verlegt, um die Deckfläche besser nutzen zu können. Die Multifunktionsradare erhalten Antennen mit elektronischer Strahlschwenkung (AESA), und auch der Flugkörper Sea Sparrow für die Selbstverteidigung wird verbessert. Ein wichtiger Punkt ist die Umstellung vieler Systeme auf Strom. So werden die Dampfkatapulte durch das von General Atomics entwickelte EMALS-System ersetzt, bei dem elektromagnetische Felder einen Schlitten (in den das Flugzeug eingehakt ist)  in einer Schiene nach vorn ziehen.

Die Entwicklung der innovativen Systeme, die zum Teil bereits in einem frühen Reifegrad für die „Ford“-Klasse ausgewählt wurden, hat ihren Preis. 4,3 Milliarden Dollar (3,15 Mrd. Euro) wurden in diverse Forschungsprogramme gesteckt. Die Kosten für den Bau der „Ford“ werden nun mit 12,82 Milliarden Dollar (9,3 Mrd. Euro) kalkuliert, was einer Kostensteigerung von etwa 22 Prozent entspricht. Der Bau von der Herstellung der ersten Stahlplatte bis zum Stapellauf beim Newport News Shipyard in Virginia dauerte etwa acht Jahre. Noch fehlt aber einiges an der Ausrüstung.

Der Aufwand für einen Flugzeugträger mit Atomantrieb ist also enorm. Dafür zählen diese Schiffe auch zu den langlebigsten überhaupt. Dienstzeiten von vierzig Jahren und mehr sind keine Seltenheit. „Dieses Schiff wird nicht nur Startplattform sein für Flugzeuge, die wir derzeit im Bestand haben, es wird auch Flugzeuge starten, deren Entwicklung wir noch nicht einmal begonnen haben“, sagte Admiral Jonathan Greenert, Chief of Naval Operations, bei der Taufe der „Ford“ am 9. November 2013 in Newport News.


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