23.02.2017
FLUG REVUE

USAF entsendet WC-135C nach MildenhallExotischer Nuklearaufklärer fliegt über Europa

Ein seltener Nuklear-Spezialaufklärer der amerikanischen Streitkräfte ist derzeit ab Mildenhall in England über Europa im Einsatz. Berichte über einen etwaigen Zusammenhang mit jüngst gemessenen, feinsten Jod-131-Spuren in der europäischen Atmosphäre bestreitet die US Air Force und spricht von einer geplanten Übung.

Boeing WC-135C nuklearer Spezialaufklaerer

Die Boeing WC-135C ist ein amerikanischer Spezialaufklärer, der im Flug gewonnene Luftproben der Atmosphäre auf feinste radioaktive Spuren untersuchen kann. Damit können auch weit entfernte Atomtests und etwaige -unfälle nachgewiesen werden. Foto und Copyright: USAF  

 

Die vierstrahlige WC-135C "Constant Phoenix" traf am 17. Februar aus Offutt, Nebraska, kommend auf dem britischen Luftwaffenstützpunkt RAF Mildenhall ein. Das nukleare Spürflugzeug kann im Flug Luftproben sammeln und mit an Bord eingebauter Labortechnik auswerten. Dabei können feinste nukleare Spaltprodukte und Partikel nachgewiesen werden, die sich, beispielsweise nach Atomtests oder nuklearen Unglücken, weiträumig in der oberen Atmosphäre verteilen. Auch nach den Nuklearunglücken von Tschernobyl und Fukushima war "Constant Phoenix" im Einsatz.

Der seltene Besuch des Spezialaufklärers fällt zeitlich genau mit auffälligen Messwerten über Europa zusammen, die zuerst die französische Behörde für Nuklearaufsicht, dann aber auch Finnland, Norwegen, Polen, Tschechien, Deutschland und Spanien bestätigten. Die Ausbreitung der Strahlung scheint in Nordosteuropa begonnen zu haben. Die gemessene Strahlung soll sehr gering sein, unterhalb jeglicher, behördlicher Grenzwerte liegen und keine direkte Gefahr darstellen.

Zunächst war ein heimlicher Atomtest Russlands als Ursache vermutet worden, es fehlen dazu jedoch die dafür typischen, seismischen Erschütterungen. Möglich wäre demnach auch ein Zwischenfall auf einem russischen U-Boot im Nordpolarmeer oder der Austritt von Strahlung aus einer dortigen nuklearen Deponie, einem Wrack, einer Nuklearfabrik, einem Kraftwerk, Labor oder Krankenhaus. Wegen sehr stürmischen Wetters gilt eine nähere Eingrenzung der Quelle bisher als nicht möglich. Jod 131 hat eine sehr kurze Halbwertzeit von acht Tagen. Daher muss die seit Mitte Januar gemessene Strahlung vor sehr kurzer Zeit ausgetreten sein.

Die amerikanische Webseite "DoD Buzz" zitierte Sprecher der US Air Force mit der offiziellen Aussage, der Besuch des Spezialaufklärers sei ein zuvor geplanter Routineeinsatz. Das Flugzeug nehme regelmäßg an globalen Einsätzen teil. Ein Zusammenhang mit den jüngsten, gemessenen Jodspuren bestehe nicht. Am Mittwoch startete der WC-135C-Spezialaufklärer, begleitet von einem RC-135W "Rivet Joint"-Schwesterflugzeug für die elektronische Funkaufklärung und zwei KC-135-Tankflugzeugen aus Mildenhall, mit dem Rufzeichen "Flory 58" zu einem offenbar längeren Einsatz, der ihn östlich der britischen Küste Richtung Norden führte.

www.flugrevue.de/Sebastian Steinke



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