23.09.2015
Erschienen in: 09/ 2015 FLUG REVUE

Heißes TrainingItalian Blade 2015

Die größte europäische Hubschrauberübung fand diesmal in Italien statt. Auch das deutsche Heer war stark vertreten.

Mitten im italienischen Sommer mussten sich diesmal die Hubschraubercrews, ihre Bodenmannschaften und Bodentruppen aus sieben Ländern der Herausforderung von Hitze, Sand und Staub stellen. Rund 30 Hubschrauber und über 1000 Mann waren vom 22. Juni bis zum 3. Juli von Viterbo aus im Einsatz, um Erfahrungen bei multinationalen Missionen zu sammeln und Taktiken abzustimmen. Die von der Europäischen Verteidigungsagentur ins Leben gerufene „Blade“-Übung fand bereits zum achten Mal statt. Sie ist die beste Gelegenheit für Helikopterbesatzungen, gemeinsam in einem komplexen Szenario zu trainieren.

Die Flüge fanden nicht vor dem Hintergrund eines offenen Kriegs statt. In dem Szenario ging es vornehmlich darum, Milizen in den abtrünnigen Gebieten eines geschwächten Staates zu bekämpfen. Auch in diesem Umfeld wurden Standards wie Verfahren des Lufttransports, der Luftnahunterstützung sowie Evakuierungsoperationen trainiert. Nach Möglichkeit waren dabei die verschiedenen Hubschraubertypen der teilnehmenden Nationen eingebunden – ein interessanter Mix, der von robusten russischen Mi-24 aus Tschechien über AB.212 aus Österreich bis hin zu neuen NH90 aus Deutschland und Italien reichte. Die Heeresflieger als Teil der Division „Schnelle Kräfte“ entsandten auch vier Bell UH-1D, während die Luftwaffe eine Sikorsky CH-53G beisteuerte. Dazu kamen Fallschirmjäger der Luftlandebrigade 1, die zum Beispiel die Chance nutzten, auch aus italienischen CH-47 Chinook zu abzuspringen.

Für die Missionen, die im Laufe der zwei Übungswochen immer schwieriger wurden, standen unter anderem der Schießplatz Monter Romano, die Trainingszone LIR-53 und andere hoch gelegene Landeplätze im Gebiet des Monte Terminillo zur Verfügung. Dort galt es zum Beispiel, Geiseln zu befreien und auszufliegen. Mit Unterstützung von Mangusta-Kampfhubschraubern flogen dazu Soldaten in Transporthubschraubern ein, um das Gebiet am Boden zu sichern – alles unter der Kontrolle eines Missionskommandeurs, der von einem Helikopter aus die Operation dirigierte.

Alle teilnehmenden Streitkräfte waren für die Planung mindestens einer Mission verantwortlich; dafür gab es einen Tag Vorlauf. Den Übungsteilnehmern standen erfahrene „Mentoren“ aus fünf Ländern zur Seite, die unter anderem auf die Harmonisierung der Einsatzverfahren und Sicherheitsstandards achteten. Insgesamt kamen während „Italian Blade 2015“ fast 450 Flüge mit 620 Flugstunden zusammen. „Das Übungsziel – die Verbesserung und Festigung der internationalen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der militärischen Hubschraubereinsätze – konnte eindeutig erreicht werden“, sagte dazu der österreichische Kontingentskommandant, Oberst Hannes Mittermair. Auch die deutschen Fallschirmjäger waren sehr zufrieden, „umso mehr, als wir die seltene Gelegenheit hatten, mit all den verschiedenen Hubschraubertypen zu trainieren. Gerade die jüngeren Soldaten meiner Kompanie haben enorm viel gelernt in diesem internationalen Umfeld“, zog Oberleutnant Martin K., Chef der 4. Fallschirmjägerkompanie, Bilanz. Gute Vorzeichen also für „Cold Blade“, die nächste Übung des „Helicopter Exercise Programme“ der Europäischen Verteidigungsagentur, die für nächstes Jahr in Finnland angesetzt ist.

FLUG REVUE Ausgabe 09/2015



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