15.09.2015
Erschienen in: 07/ 2015 FLUG REVUE

Definitionsstudie vereinbartEin MALE für Europa

Bis 2025 könnten Deutschland, Frankreich und Spanien ein von der eigenen Industrie entwickeltes unbemanntes Aufklärungsflugzeug in der MALE-Klasse erhalten. Vorerst wird aber nur eine gemeinsame Definitionsstudie durchgeführt.

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Schon seit Jahren untersucht Airbus ein MALE-Konzept mit zwei Turbofan-Triebwerken. Foto und Copyright: Airbus  

 

Europas große Luftfahrtunternehmen drängen schon lange darauf, die UAV-Technologie „voranzutreiben und Europas militärische Fähigkeiten durch den Aufbau eines militärischen Flugsystems der nächsten Generation zu sichern und außerdem die vorhandene Technologiekompetenz unserer Branche zu wahren“. Vorschläge wie das 2009 groß vorgestellte EADS-Modell Talarion oder die Mantis/Telemos-Studien von Dassault und BAE Systems führten jedoch mangels Interesse der Regierungen zu nichts. Nun haben sich die Verteidigungsminister von Deutschland, Frankreich und Italien aber dazu durchgerungen, zumindest eine zweijährige Definitionsstudie für ein europäisches MALE-Programm (unbemanntes Fluggerät, das in mittlerer Flughöhe operiert und eine lange Einsatzdauer bietet) auf den Weg zu bringen. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde am 18. Mai in Brüssel von Ursula von der Leyen, Jean-Yves Le Drian und Roberta Pinotti unterzeichnet.

Der Auftrag an Airbus Defence & Space, Dassault Aviation und Alenia Aermacchi (Finmeccanica) soll im Laufe des Jahres über die Rüstungsagentur OCCAR erteilt werden. Die Kosten dürften bei rund 60 Millionen Euro liegen – so steht es jedenfalls in dem vor einem Jahr eingereichten Vorschlag der Firmen. Für das Geld soll unter anderem geklärt werden, ob sich die Anforderungsprofile der drei Luftstreitkräfte vereinbaren lassen und wie die Zulassung bewerkstelligt werden soll – eine besonders kritische Frage, die zum Beispiel zum Abbruch des Euro-Hawk-Programms führte. Insgesamt wollen die Hersteller „das finanzielle und entwicklungstechnische Risiko durch das Vorschalten einer Definitionsphase auf ein Minimum reduzieren“.

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Alenia Aermacchi stellte den europäischen Luftwaffenchefs Anfang Mai 2015 in Cameri dieses Modell eines „MALE 2020“ vor. Foto und Copyright: Alenia Aermacchi  

 

Welche technische Lösung für eine sich möglichst nahtlos anschließende Entwicklung gefunden wird, ist noch offen. Die Modelle, die die drei Firmen in jüngster Zeit zum Thema MALE gezeigt haben, unterscheiden sich nämlich deutlich. Während Airbus in Fortschreibung des Tala­rion-Konzepts einen Zweistrahler bevorzugt, sieht das Dassault-Modell dem amerikanischen MQ-9 Reaper sehr ähnlich. Schließlich präsentierte Alenia Aermacchi bei der European Air Chiefs Conference einen einstrahligen Entwurf mit Anflügen von Stealth-Eigenschaften. Auf jeden Fall soll es ein „MALE … der nächsten Generation“ werden, dessen Fähigkeiten deutlich über die aktueller Muster wie Reaper und Heron hinausgehen und das natürlich auch Waffen tragen kann. Wie viel Aufpreis die Kunden dafür zahlen wollen bleibt aber unklar. Man hofft, dass sich in der Entwicklungsphase weitere Länder wie Spanien oder Polen beteiligen.

Auch im günstigsten Fall werden sich die Streitkräfte wohl noch ein Jahrzehnt gedulden müssen, denn aus Sicht der Verteidigungsminister könnte das erste System bis 2025 geliefert werden. Bis dahin dürften die Armée de l´Air und die Aeronautica Militare Italiana ihre MQ-9 weiter fliegen. Die Luftwaffe, die in Afghanistan mindestens noch bis März 2016 gemietete IAI Heron 1 einsetzt, wird ebenfalls eine Übergangslösung benötigen. Als Kandidaten dafür sind die MQ-9 und die Heron TP im Rennen, wobei erneut Mietlösungen präferiert werden. 

FLUG REVUE Ausgabe 07/2015



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