US Army stoppt FARA-Programm - was nun?

Überraschungs-Aus für US-Superkampfhubschrauber

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Die US Army lässt massiv den Rotstift kreisen und schießt das milliardenschwere FARA-Kampfhubschrauber-Programm ab. Die Bell 360 und Sikorsky Raider-X sind jedoch nicht die einzigen Opfer.

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Bisher haben die USA rund zwei Milliarden Dollar für den zukünftigen Kampf- und Aufklärungshubschrauber ausgegeben. In den nächsten fünf Jahren wären es weitere fünf Milliarden Dollar. Die nun verkündete Entscheidung schockte nicht nur die beiden Hersteller, deren beide Prototypen kurz vor dem Erstflug stehen. Beide Firmen planten den Beginn der Bodenläufe ihrer Prototypen für das zweite Quartal dieses Jahres. Im FARA-Wettbewerb (Future Attack Reconnaissance Aircraft) hatte Bell die 360 Invictus und Sikorsky den Raider-X ins Rennen geschickt. Sie sollten die Nachfolge der OH-58 antreten. Als Grund für die überraschende Entscheidung nannte Army-Chef General Randy George in einer Presseerklärung eine Veränderung in der modernen Kriegsführung: "Wir lernen auf dem Schlachtfeld – vor allem in der Ukraine -, dass sich die Luftaufklärung grundlegend verändert hat. Sensoren und Waffen, die auf einer Vielzahl von unbemannten Systemen und im Weltraum montiert sind, sind allgegenwärtiger, weiterreichend und kostengünstiger als je zuvor."

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Der Prototyp für Flugtests sollte in diesem Jahr zu seinem Erstflug starten.

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Sikorsky ist mit Raider-X am FARA-Wettbewerb der US Army beteiligt.

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Im Oktober 2023 begann die Installation des T901-Triebwerks.

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Der Raider-X verfügt über Koaxial-Rotoren.

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Die Höchstgeschwindigkeit sollte bei 380 km/h liegen.

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Die Fly-by-Wire-Flugsteuerung trägt zur hohen Wendigkeit bei.

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Am 8. Februar 2024 gab die US Army das Ende des FARA-Programms bekannt.

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Dennoch könnten noch Tests des Raider-X erfolgen.

Drohnen sollen übernehmen

Nun sollen unbemannte Flugsysteme die Missionen übernehmen. Dafür können die Planer die für FARA vorgesehenen Milliarden gut gebrauchen. Trotzdem sollen die für dieses Jahr vorgesehen Geldmittel noch erhalten bleiben, um laut Army die industrielle Basis zu schützen und Tests fortzuführen. Mit anderen Worten könnten die beiden Prototypen unter Umständen doch noch in die Luft kommen. Aber zu Beginn des nächsten fiskalischen Jahres am 1. Oktober 2024 ist das endgültige Ende der Entwicklung vorgesehen. Die US Army hatte das FARA-Programm 2018 gestartet und 2020 die beiden Kandidaten von Bell und Sikorsky für den endgültigen Wettbewerb ausgewählt. "Wir sind nach wie vor von den X2-Flugzeugen überzeugt, die jetzt und in Zukunft für amerikanische und internationale Einsätze benötigt werden", teilte Sikorsky nach dem Aus mit. "Wir sind enttäuscht über diese Entscheidung und werden die Nachbesprechung der US-Armee abwarten, um ihre Wahl besser zu verstehen."

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Bells Kandidat für den künftigen Kampf- und Aufklärungshubschrauber der US Army ist das Model 360 Invictus.
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Anfang Juli 2022 präsentierte Bell den Prototypen in Bild und Video.
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Der neue Helikopter war zu diesem Zeitpunkt nach Herstellerangaben zu 90 Prozent fertig.
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Das Model 360 präsentiert sich mit Tandem-Cockpit, konventionellem Rotorkonzept, Stummelflügeln und 20-mm-Kanone unterm Bug.
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Bei der Vorstellung des Konzepts im Herbst 2019 zeigte Bell die Invictus noch mit Fenestron am Heck.
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Dagegen besitzt der Prototyp einen offenen Heckrotor - aus Leistungs- und Gewichtsgründen, wie es heißt.
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Seine Waffen führt der neue Helikopter intern mit. Bei Bedarf fahren die Aufhängungen auf Schienen unter die Hilfsflügel.
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Auf Stealth-Fähigkeiten ist die Invictus jedoch nicht optimiert. Sie soll einfach "nur" schnell fliegen.
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Ob sie das kann, wird sich wohl erst 2023 herausstellen. Dann peilte Bell den Erstflug an. Er verschob sich aber auf 2024. Ob er überhaupt stattfinden wird ist offen.

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Noch fehlt dem Invictus-Prototypen nämlich noch sein Triebwerk: das T901 von General Electric.
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Auch die Sikorsky Raider X, finale Konkurrentin der Invictus, soll mit dem T901 fliegen. Mit Koaxialrotor und Heckpropeller wirkt sie deutlich futuristischer.

Tradition des Versagens?

Mit dem FARA-Ende setzt sich bei der US Army eine bittere Tradition bei der Kiowa-Nachfolge fort. Vor 20 Jahren – am 23. Februar 2004 – stellten die Generäle das Programm des Stealth-Hubschraubers Boeing-Sikorsky RAH-66 Comanche ein. Stattdessen sollten unbemannte Fluggeräte die Aufgaben übernehmen. Dennoch ließ die Armee einen weiteren Hubschrauber entwickeln, aber der Bell ARH-70 Arapaho erging es auch nicht besser. Hier zog das Pentagon 2008 den Stecker.

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Wieder sollen Drohnen die FARA-Aufgaben übernehmen.

Aus für Sikorsky UH-60V

Im Rahmen ihrer Neuausrichtung der Luftfahrt-Planung beendet die US Army auch das Upgrade-Vorhaben der UH-60V Blackhawk aufgrund massiver Kostensteigerungen. Ursprünglich sollten 760 Exemplare der UH-60L auf den neuen Stand gebracht werden. Bisher hatte das Pentagon Geldmittel für 151 Hubschrauber bereitgestellt, von denen knapp die Hälfte ausgeliefert ist. Aktuell fliegt die UH-60V nur bei vier Einheiten, darunter die das 214th Aviation Regiment des 1st Battalion in Wiesbaden. Statt der V-Version will die Army in Zukunft komplett auf die UH-60M setzen.

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Kernpunkt der UH-60V war die Ausstattung der Blackhawk mit einem Glascockpit.

Weitere Opfer

Die Neuausrichtung hat auch Einfluss auf die Einführung des neuen Triebwerks für die AH-64 Apache und die UH-60. Allerdings wird das ITEP-Projekt (Improved Turbine Engine) zunächst nur verschoben. Die Raven- und Shadow-Drohnen werden dagegen außer Dienst gestellt.

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Kipp, kipp, hurra! V-280 Valor: Der Black-Hawk-Ersatz der US Army

UH-60M und CH-47F profitieren

Aber es gibt auch gute Nachrichten für die Industrie: So will die Armee-Führung zusätzliche UH-60M Blackhawk beschaffen und grünes Licht für die volle Serienfertigung der CH-47F Chinook Block II geben. Auch die Entwicklung des Blackhawk-Nachfolgers im FLRAA-Programm (Future Long-Range Assault Aircraft) geht weiter mit einer geplanten Indienststellung der bell V-280 Valor ab 2030.

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