05.03.2013
FLUG REVUE

Abschied von Herschel

Die Helium-Vorräte des europäischen Weltraumteleskops Herschel gehen wie geplant zu Ende - und damit rückt auch das Ende der Mission näher.

Im Mai 2009 war das 7,50 Meter hohe und 3,4 Tonnen schwere Infrarot-Teleskop mit flüssigem Helium für mehr als drei Jahre an Bord ins Weltall gestartet worden, um dort die Geburt von neuen Sternen zu beobachten. Aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) hatte das DLR unter anderem den Bau von zwei der drei Instrumente von "Herschel" gefördert. Im Laufe der nächsten Wochen wird das letzte Helium aufgebraucht sein und das Teleskop anschließend in einer Umlaufbahn um die Sonne geparkt werden.

Für Laien sehen die Aufnahmen von Herschel schlichtweg schön aus, für Wissenschaftler zeigten sie Abläufe im Weltall, die sie in dieser Qualität so noch nicht gesehen hatten. Mit den Instrumenten PACS, HIFI und SPIRE sah das Teleskop mit seinem 3,50-Meter-Spiegel in verschiedenen Wellenlängen durch Staub- und Gaswolken. Die Wissenschaftler konnten so durch diesen scheinbar undurchdringlichen Nebel blicken und komplizierte Strukturen erkennen, die optische Teleskope nicht sehen. Das bisher größte Teleskop, das jemals im Weltraum geflogen ist, spürt dafür die Wärme von Sternen, Galaxien und Nebeln auf und kann dabei selbst noch extrem schwache Wärmestrahlung erkennen. Aber auch Planeten, Asteroiden und Kometen in unserem Sonnensystem wurden durch Herschel beobachtet.

Damit die empfindlichen Instrumente nicht durch die eigene Wärme in der wissenschaftlichen Arbeit gestört wurden, konstruierten die Ingenieure das Teleskop als fliegenden Kühlschrank: Mit 2300 Litern flüssigem Helium wurden die Sensoren kontinuierlich gekühlt und so auf die richtige Betriebstemperatur von etwa minus 271 Grad Celsius gebracht. Geht jetzt nach dreieinhalb Jahren wissenschaftlicher Sternenbeobachtung planmäßig der Helium-Vorrat zu Ende, werden innerhalb von Stunden die Temperaturen der Instrumente steigen und ihr Einsatz damit nicht mehr möglich sein. Herschel beginnt dann den Ruhestand in einem gesonderten Orbit um die Sonne. Für den Weg dorthin hat das Teleskop noch Treibstoff an Bord.

Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
flugrevue.de/Matthias Gründer


Weitere interessante Inhalte
Oberstufentriebwerk für Ariane 6 Vinci besteht letzte Qualifizierungskampagnen

19.02.2018 - Insgesamt wurden mit dem wiederzündbaren Oberstufentriebwerk rund 140 Tests durchgeführt. … weiter

Bartolomeo Airbus entwickelt kommerzielle Nutzlastplattform für ISS

08.02.2018 - Die Plattform für Experimente wird Mitte 2019 an das europäische Columbus-Labormodul der Internationalen Raumstation angedockt. … weiter

ISS-Weltraumlabor Zehn Jahre Columbus

07.02.2018 - Am 7. Februar 2008 startete das europäische Forschungsmodul Columbus an Bord des Space Shuttle Atlantis zur Internationalen Raumstation ISS. Rund 1800 wissenschaftliche Experimente wurden bisher dort … weiter

Erweiterungssystem zur Satellitennavigation Airbus entwickelt EGNOS V3

29.01.2018 - Die europäische Raumfahrtagentur ESA hat Airbus als Hauptauftragnehmer für die Entwicklung von EGNOS V3 ausgewählt. Das satellitengestützte Erweiterungssystem nutzt erstmals GPS und Galileo. … weiter

Europäisches Satellitennavigationssystem Galileo wächst weiter

13.12.2017 - Am Dienstagabend hat eine Ariane 5 vier Galileo-Satelliten in den Orbit gebracht. Damit sind nun insgesamt 22 Satelliten im All - doch nicht alle sind funktionstüchtig. … weiter


FLUG REVUE 03/2018

FLUG REVUE
03/2018
05.02.2018

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- A380 gerettet
- PC-24 zugelassen
- Wüstenparkplätze für alte Jets
- Navy-Teststaffel "Dust Devils"
- Hubschrauber-Triebwerke
- BER weiter verzögert