25.09.2018
FLUG REVUE

Europäische ErfolgsgeschichteAriane 5 vor dem 100. Flug

Der Beginn war mit einem Fehlschlag alles andere als vielversprechend, doch heute genießt die europäische Trägerraketen Ariane 5 einen ausgezeichneten Ruf. Am Dienstagabend steht in Kourou der 100. Start an.

Ariane 5GS

Eine Ariane 5GS beim Start in Kourou im Dezember 2004. Foto und Copyright: ESA/CNES/ARIANESPACE-Service Optique CSG  

 

Etwas mehr als 22 Jahre nach dem ersten Start ist es soweit: Zum 100. Mal hebt eine Ariane 5 ab. Beim historischen Flug, geplant für den 25. September 2018 um 19:00 Uhr Ortszeit, bringt die europäische Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana aus zwei Satelliten auf ihre Umlaufbahnen: den Telekommunikationssatelliten Horizons 3e (Intelsat und SKY Perfect JSAT) sowie den Relaissatelliten Azerspace-2/Intelsat 38 (Intelsat und Azercosmos).

Dass sich die Ariane 5 einmal zur zuverlässigsten Schwerlastrakete der Europäer entwickeln würde, war zunächst nicht absehbar. Denn gleich der erste Start des Basistyps Ariane 5G am 4. Juni 1996 war ein Fehlschlag. 40 Sekunden nach dem Start explodierte die Rakete in 3700 Metern Höhe. Grund dafür war ein Softwarefehler, der zu einer Kursabweichung führte. Daraufhin wurde die Selbstzerstörung aktiviert. Und auch die zweite Mission am 30. Oktober 1997 war nur ein Teilerfolg, denn die Oberstufe brachte die Nutzlast auf einen zu niedrigen Orbit. Erst der dritte Flug am 21. Oktober 1998 gelang. Der Routineeinsatz der Ariane 5 verzögerte sich deshalb bis 1999.

Fünf verschiedene Versionen

In ihrer mehr als 20-jährigen Geschichte gab es unterschiedliche Varianten und Weiterentwicklungen der Ariane 5. Die Ariane 5G (Generic), entwickelt ab 1987, war auf 16 Flügen zwischen 1996 und 2003 im Einsatz und konnte eine Nutzlast von 18 Tonnen (LEO, niedrige Erdumlaufbahn) bzw. 6,1 Tonnen (GTO, geostationärer Transferorbit) transportieren. Die Ariane 5G+ (Generic Plus) absolvierte nur drei Flüge zwischen März und Dezember 2004 (LEO-Nutzlast 19 Tonnen, GTO-Nutzlast 6,3 Tonnen). Es folgte die Ariane 5GS, die zwischen August 2005 und Dezember 2009 sechs Mal startete (LEO-Nutzlast 20 Tonnen, GTO-Nutzlast 6,5 Tonnen). Heute im Einsatz sind die Ariane 5 ECA und die Ariane 5 ES.

Die Ariane 5 ECA (Evolution Cryotechnique Type A) wurde von 1995 bis 2002 entwickelt und erhielt im Vergleich zu den Vorgängerversionen eine überarbeitete Hauptstufe mit dem stärkeren Vulcain2-Triebwerk und eine neue kryogene Oberstufe namens ESC-A. Sie dient vor allem für kommerzielle Missionen wie den Transport von Telekommunikationssatelliten. Die Ariane 5 ECA liefert einen Startschub von 11.800 Kilonewton. Sie kann maximal 16 Tonnen Nutzlast in eine niedrige Erdumlaufbahn und mittlerweile 10 Tonnen in einen GTO bringen. Ihr erster Start am am 11. Dezember 2002 war allerdings ein Fehlschlag, der auf ein Versagen des Vulcain2-Triebwerks der Hauptstufe zurückgeführt wurde. Insgesamt kommt die ECA-Version mit der Mission am 25. September 2018 auf 67 Starts.

Die Ariane 5 ES (Evolution Storable) mit der EPS-Oberstufe (Etage aux Propulsives Storables, Stufe aus lagerfähigen Treibstoffen, im Vergleich zu Ariane 5G+ und 5GS überarbeitet und wiederzündbar) ist die bevorzugte Lösung für institutionelle Starts, also beispielsweise für Forschungssatelliten der europäischen Raumfahrtagentur ESA, Galileo-Navigationssatelliten der EU oder früher das europäische Automated Transfer Vehicle (ATV). Die Ariane 5 wurde zwischen 1995 und 2007 entwickelt und bietet denselben Startschub wie die Ariane 5 ECA. Allerdings kann sie höhere Nutzlasten transportieren: 20 Tonnen in einen niedrigen Erdorbit und 8 Tonnen in einen GTO. Sie flog seit ihrem Erststart am 9. März 2008 acht Mal.

Die Nachfolgerin soll günstiger werden

Heutzutage starten sechs bis sieben Ariane 5 jährlich, nur ein bis zwei davon befördern institutionelle Nutzlasten. Trotz ihrer hohen Zuverlässigkeit (97 Prozent bei der Ariane 5 ECA, 100 Prozent bei der Ariane 5 ES) gilt die Ariane 5 mit Startkosten von rund 160 Millionen Euro als zu teuer im internationalen Vergleich. Deshalb hat die ESA die Entwicklung einer günstigeren Nachfolgerin, der Ariane 6, bei der europäischen Industrie in Auftrag gegeben. Die erste Ariane 6 soll am 16. Juli 2020 ihren Jungfernflug absolvieren.


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