11.03.2015
FLUG REVUE

Space Launch SystemBodentest der neuen NASA-Schwerlastrakete

In Kürze soll ein großer Bodentest des SLS-Boosters stattfinden, bei dem erstmals eine Zündung mit anschließender zweiminütiger Brenndauer erprobt wird. Dafür haben Experten bereits jetzt das ganze System „vorgewärmt“.

SLS-Booster

Techniker von Orbital ATK bereiten den Booster auf den „Hot-Fire“-Test vor. © NASA  

 

„Wir verwenden den gleichen Treibstoff wie in den Boostern der Space Shuttles“, erklärte Mat Bevill, stellvertretender Chefingenieur beim Marshall Space Flight Center der NASA in Huntsville, Alabama, „und finden am Startplatz üblicherweise Temperaturen von 13 bis 28 Grad Celsius vor. Zur Sicherheit haben wir unsere Booster für einen Bereich von vier bis 32 Grad ausgelegt.“ Aus diesem Grund wird er derzeit auf dem Testgelände von Orbital ATK in Promontory, Utah, gleich bis an die Obergrenze aufgewärmt, was rund einen Monat dauert. Schließlich ist die Feststoffrakete rund 54 Meter lang und besteht zum größten Teil aus einem gummiartigen Material, das behutsam erwärmt werden muss. Zudem verläuft die Verbrennung umso schneller, je wärmer der Treibstoff ist, was wiederum die Flugparameter beeinflusst.

Am Tage des Tests wird dann das schützende Gehäuse über dem Booster auf Schienen weggefahren, und obwohl man natürlich ein Auge auf die Umgebungstemperaturen hat, werden diese das „hot fire“ nicht wesentlich beeinflussen – ebenso langsam, wie sich das Aggregat erwärmt, kühlt es auch wieder ab. Dennoch haben die Ingenieure für das Vorwärmen die Obergrenze des Temperaturbereichs gewählt, so dass selbst bei kalter Außenluft der Test innerhalb der vorgewählten Grenzen stattfinden kann.

Die vorgesehene Prüfung umfasst 102 Parameter, die über 531 Sensoren gemessen werden, vor allem natürlich Schub und Druck. Zudem soll der Test Auskunft geben über das Verhalten des Isolationsmaterials, der neu entwickelten Schubdüse sowie der Robustheit der gesamten Konstruktion. Bei einem sogenannten „cold test“ Anfang nächsten Jahres wird der Booster dann bis an die Untergrenze von vier Grad abgekühlt, um seine entsprechende Performance zu überprüfen. Für einen Flug der 70-Tonnen-Rakete werden künftig zwei Booster aus jeweils fünf Segmenten benötigt.

Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
flugrevue.de/Matthias Gründer


Weitere interessante Inhalte
Tunnelblick Windkanäle

10.09.2018 - Trotz hoher Kosten setzen Flugzeughersteller nach wie vor auf Windkanaltests in der Flugzeugentwicklung. Doch ihre Bedeutung hat sich verändert. … weiter

Raumstation zwischen Mond und Erde Das könnte Europa zum ISS-Nachfolger beitragen

06.09.2018 - Thales Alenia Space leitet im Auftrag der europäischen Raumfahrtagentur ESA Untersuchungen zu zwei Elementen für den von der NASA geplanten Lunar Orbital Platform-Gateway (LOP-G). … weiter

Tests von NASA und Alaska Airlines Software soll Zeit und Treibstoff sparen

04.09.2018 - Der Traffic Aware Planner (TAP) der NASA analysiert Echtzeit-Flugdaten und bietet Piloten optimierte Flugrouten. … weiter

Weltraummüll oder Mikrometeorit? ISS-Besatzung muss Leck abdichten

31.08.2018 - Ein zwei Millimeter großes Leck in einer angedockten Sojus-Kapsel hat die Besatzung der ISS am Donnerstag auf Trab gehalten. Der dadurch aufgetretene Druckverlust konnte aber gestoppt werden. … weiter

NASA-Sonde Parker Solar Probe auf dem Weg zur Sonne

13.08.2018 - Eine Delta IV Heavy brachte am 12. August die Parker Solar Probe der NASA ins All. Die Sonde soll der Sonne so nah wie bisher kein anderes Raumfahrzeug kommen. … weiter


FLUG REVUE 11/2018

FLUG REVUE
11/2018
08.10.2018

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Airbus A380 im Chartereinsatz: Ferienflüge statt Verschrottung
- Breitling-Team: Passagier im Kunstflug-Jet
- Cockpit-Innovationen: Smarte Avionik hilft Piloten
- Diamanten-Airline in Sibirien
- Satellitennavigation: Galileo für die ganze Welt