12.02.2015
FLUG REVUE

Kurze Mission mit LangzeitwirkungErfolgreicher Testflug des experimentellen Raumgleiters IXV der ESA

Das IXV hat seine Mission, mit welcher der Aufbau eigenständiger europäischer Kapazitäten des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre bei künftigen wiederverwendbaren Raumtransportsystemen anvisiert wird, erfolgreich abgeschlossen.

IXV-Missionsablauf

Die Grafik zeigt den Ablauf der Mission des experimentellen Raumgleiters. © ESA  

 

Das „Intermediate eXperimental Vehicle“ (vorläufiges experimentelles Raumfahrzeug) der ESA absolvierte ein reibungsloses Wiedereintrittsmanöver mit anschließender Wasserung im Pazifischen Ozean westlich der Galapagos-Inseln. Der Start des IXV war, am 11. Februar um 14:40 Uhr MEZ an Bord einer Vega-Trägerrakete von Europas Raumflughafen Kourou in Französisch-Guayana aus erfolgt. In einer Höhe von 340 km wurde es von der Trägerrakete getrennt und stieg anschließend bis auf 412 km. Im zweiten Teil seines Suborbitalflugs sammelte es mit seinen mehr als 300 teils herkömmlichen, teils komplexen Sensoren eine Fülle von Daten. Beim anschließenden Sinkflug drosselte das fünf Meter lange und zwei Tonnen schwere Raumfahrzeug seine hypersonische wieder auf supersonische Geschwindigkeit ab.

Während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre betrug die Geschwindigkeit bei einer Höhe von 120 Kilometern 7,5 km/s, womit die Flugbedingungen denen bei einem Wiedereintritt eines Raumfahrzeugs von einer erdnahen Umlaufbahn aus entsprachen. Nach gelungenem Wiedereintritt in die Atmosphäre öffneten sich die Fallschirme des IXV, um das Raumfahrzeug weiter abzubremsen, damit es sicher auf der Wasseroberfläche des Pazifiks aufsetzen konnte. Ballons hielten das IXV über Wasser, bis es vom Bergungsschiff an Bord geholt wurde, um nach seiner Rückkehr im ESTEC, dem technischen Zentrum der ESA in den Niederlanden, eingehend untersucht zu werden.

Die Überwachung der Mission übernahm das Missionskontrollzentrum im Turiner Zentrum für Raumfahrttechnik, ALTEC. Dort gingen die Flug- und Instrumentendaten der verschiedenen Bodenstationen ein, zu denen sowohl Stationen auf dem Festland, wie in Libreville in Gabun und Malindi in Kenia, als auch die mobile Empfangsstation auf dem Bergungsschiff Nos Aries im Pazifik gehören.

Die Beherrschung von Wiedereintrittsmanövern wird der ESA völlig neue Perspektiven eröffnen, denn sie ist eine grundlegende Voraussetzung für wiederverwendbare Trägerstufen, die Rückführung von Proben von anderen Planeten und den Rücktransport von Astronauten aus dem Weltraum, darüber hinaus aber auch für künftige Missionen in den Bereichen der Erdbeobachtung, der Schwerelosigkeitsforschung und der Wartung und Entsorgung von Satelliten. Erste Ergebnisse des Flugs dürften in ca. sechs Wochen bekannt gegeben werden.

Die Auswertung der Flugdaten wird dem Programm für Europas wiederverwendbaren orbitalen Demonstrator (PRIDE) zugutekommen, der zurzeit mit den auf den letzten beiden ESA-Ministerratstagungen bewilligten Finanzmitteln vorbereitet wird. Das wiederverwendbare Raumfahrzeug PRIDE soll mit Europas kleiner Trägerrakete Vega gestartet und in eine Erdumlaufbahn gebracht werden und anschließend automatisch auf einer Landebahn wieder aufsetzen können.

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flugrevue.de/Matthias Gründer


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