26.08.2014
FLUG REVUE

Die Qual der WahlFünf Kandidaten für Landeplätze auf Tschurjumov-Gerassimenko

Noch nie musste ein Missionsteam einen Landeplatz auf einem Kometen auswählen - Lander Philae wird das erste Gerät überhaupt sein, das auf einem Kometen aufsetzt und vor Ort Messungen durchführt.

philae-landestellen

Diese fünf Landestellen kamen bisher in die engere Wahl. © DLR  

 

Der Zielkomet Tschurjumow-Gerassimenko, zu dem die ESA-Raumsonde Rosetta vor zehn Jahren mit Philae an Bord aufgebrochen ist, macht es dem Landerteam unter Leitung des DLR nicht einfach: Auf seiner Oberfläche sind nicht nur flache Gebiete, sondern auch zahlreiche Risse, Hänge, Krater und Brocken zu sehen. Am 24. August fiel nun die Entscheidung für fünf mögliche Landestellen.

Bei dem Auswahlprozess musste das Team aus Wissenschaftlern des „Lander Control Centers“ des DLR in Köln, des SONC (Science, Operations and Navigation Centre) der französischen Raumfahrtagentur CNES und die Wissenschaftler, deren Instrumente an Bord von Philae mitfliegen, die unterschiedlichsten Kriterien berücksichtigen: So benötigt das Landegerät beispielsweise genügend Sonnenstunden, um nach einer 64-stündigen ersten wissenschaftlichen Untersuchungsphase über einen möglichst langen Zeitraum seine Batterien für den Betrieb und die weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen aufzuladen. Erfolgt keine ausreichende Energieversorgung, hat dies Konsequenzen für die geplante „Long Term Science Phase“,  in der alle Instrumente die Entwicklung des Kometen auf seinem Weg in Richtung Sonne untersuchen können. Permanente Beleuchtung hingegen könnte wiederum ein Überhitzen des Landers zur Folge haben und somit die Lebensdauer von Philae und der Instrumente deutlich einschränken. Auch die Zeitspanne von der Trennung des Landers von der Muttersonde bis zur eigentlichen Landung hat Auswirkungen auf die Wissenschaft: Je länger der Landevorgang dauert, umso weniger Energie steht für die erste wissenschaftliche Phase auf der Kometenoberfläche zur Verfügung.

Allerdings: Den idealen Landeplatz, an dem ein flaches Terrain, genügend Sonnenstunden, eine gute Erreichbarkeit und optimale wissenschaftliche Bedingungen gewährleistet sind, entdeckte das Lander-Team nicht auf dem Kometen und musste bei der Auswahl jeweils Vor- und Nachteile abwägen. Informationen über Temperaturen, das Ausgasen oder Geländeformen wurden von den Instrumenten auf dem Orbiter geliefert. Aus ursprünglich zehn möglichen Landeplätze A bis H entschied sich das Landerteam schließlich für fünf Kandidaten auf dem Kometen, der aus einem kleineren Kopf, einem größeren Körper und einem schmalen, sehr aktiven Verbindungsstück besteht. Drei der möglichen Landestellen (B, I und J) befinden sich auf dem kleineren der beiden Kometenteile, die beiden anderen (A und C) sitzen auf dem größeren Teil, dem Körper.

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flugrevue.de/Matthias Gründer


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