Japanische und amerikanische Mondlandefähren

SLIM lebt, „Odie“ bleibt stumm

© JAXA/Takara Tomy/Sony Group Corporation/Doshisha University

Der japanische Mondlander SLIM hat die zweite Mondnacht überlebt. Der Lander "Odysseus" von Intuitive Machines ist hingegen nicht wieder aufgewacht.

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Der "Smart Lander for Investigating Moon" (SLIM) hat sich bei der Bodenstation gemeldet. Das teilte die japanische Raumfahrtagentur JAXA am Morgen des 28. März mit. Damit hat der Mondlander bereits die zweite kalte Mondnacht überlebt. Allerdings stehe die Sonne noch sehr hoch und die Ausrüstung des Landers sei sehr heiß. In der Sonne können die Temperaturen auf dem Mond auf rund 130 Grad Celsius steigen. Deshalb habe man nur einige Aufnahmen mit der Navigationskamera gemacht, so die JAXA auf X (ehemals Twitter).

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Etwas gelitten hat SLIM aber offenbar doch unter der eisigen Kälte der vergangenen Wochen – in der Mondnacht kann es bis zu -160 Grad Celsius kalt werden: Einige Temperatursensoren und ungenutzte Batteriezellen weisen nach Angaben der JAXA Störungen auf. Die Mehrheit der Funktionen, die die erste Mondnacht überlebt haben, konnte jedoch auch nach der zweiten Mondnacht beibehalten werden.

SLIM ist äußerst robust

SLIM gelang am 19. Januar in der Nähe des Shioli-Kraters auf dem Mond eine Präzisionslandung mit einer maximalen Abweichung von 100 Metern vom geplanten Ziel. Allerdings kam der Lander wegen eines Triebwerksausfalls kurz vor der Landung anders als erwartet zum Stehen: auf dem Kopf anstatt auf seinen vier seitlich angebrachten Stoßdämpfern. Das war mit Blick auf die Produktion von Solarstrom nicht optimal. Dennoch gelang es der JAXA, wissenschaftliche Daten zu generieren und zur Erde zu transferieren. Ende Januar ging SLIM dann in einen mehr als dreiwöchigen Schlafmodus während der lunaren Nacht.

Eigentlich ist SLIM nicht für die niedrigen Temperaturen ausgelegt, doch der Lander antwortete am 25. Februar auf einen Befehl von der Erde. SLIM schickte wieder einige Daten zum eigenen Zustand sowie zu den Bedingungen auf der Mondoberfläche nach einer Mondnacht. Die Multiband-Spektroskopie-Kamera (MBC) an Bord funktionierte allerdings nicht richtig. Am 1. März begann SLIMs zweite Mondnacht und die nächste Schlafphase.

"Odysseus" meldet sich nicht

Unterdessen teilte die US-Raumfahrtfirma Intuitive Machines am 23. März mit, dass der Nova-C-Lander "Odysseus" die Mondnacht nicht überlebt hat. "Odysseus" war am 23. Februar in der Nähe des Mondsüdpols gelandet – nur mithilfe seiner Trägheitsmesseinheit und optischer Navigation.

© Intuitive Machines

Der kommerzielle Mondlander Odysseus von Intuitive Machines landete am 23. Februar 2024 erfolgreich in der Südpolregion des Mondes.

© SpaceX

Der Lander der Nova-C-Klasse startete am 15. Februar 2024 mit einer Falcon 9 von SpaceX.

© SpaceX

Der Start und die Nutzlasttrennung klappten perfekt.

© Intuitive Machines

Allerdings lief während der IM-1-Mission nicht alles glatt. Gleich am Anfang hatte Intuitive Machines Probleme mit dem sogenannten Star Tracker, der eine wichtige Rolle für die richtige Ausrichtung des Raumfahrzeugs spielt.

© Intuitive Machines

Weitere Probleme warteten auf das Team von Intuitive Machines: beispielsweise kam es zu einer Gierbewegung, während das Haupttriebwerk lief, die rechtzeitige Kühlung des Triebwerks vor der Zündung musste sich erst einspielen, Odysseus landete nach dem Einschuss in einem niedrigeren Mondorbit als erwartet. Und zuletzt war der für die Landung wichtige Laser-Entfernungsmesser nicht betriebsbereit, weil auf der Erde jemand vergessen hatte, einen Schalter umzulegen.

© Intuitive Machines

Allen Widrigkeiten zum Trotz schaffte Intuitive Machines am 23. Februar eine relativ weiche Landung in der Nähe des Kraters Malapert A in der Südpolregion. Es ist das erste kommerzielle Unternehmen, dem das gelang - und die erste US-amerikanische Mondlandung seit Apollo 17 im Jahr 1972.

© Intuitive Machines

Allerdings brach sich Odysseus bei der Landung ein oder zwei Landebeine und kippte auf die Seite. Dadurch zeigten die Antennen nicht zur Erde.

© Intuitive Machines

Odysseus landete in einem Gebiet mit etwa 12 Grad Steigung. Er kam vermutlich auf einem der beiden Heliumtanks (im Bild der obere, in goldfarbener Isolation) zum Liegen.

© Intuitive Machines

Zunächst kamen nur sehr schwache Signale auf der Erde an. Doch dem Intuitive-Machines-Team gelang es schließlich, Bilder, Telemetriedaten und wissenschaftliche Daten von allen Nutzlasten zu erhalten. Anfänglich ging das Unternehmen noch davon aus, dass IM-1 wegen der Energieversorgung nicht wie geplant nach sieben Tage enden würde, sondern früher. Doch "Odie", wie der Lander genannt wurde, hielt bis zum 29. Februar durch.

Bei der Landung hatte sich "Odie", wie der Lander auch liebevoll genannt wurde, eines oder mehrere Landebeine gebrochen und war auf ansteigendem Gelände mit 30 Grad Neigung auf einem seiner beiden Helium-Tanks zum Stehen gekommen. Das erschwerte die Datenübertragung zur Erde. Am Ende konnten aber dennoch rund 350 MB Daten gesendet werden. Die Mission endete am 29. Februar.

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