18.12.2018
FLUG REVUE

Heinrich-Hertz-MissionKommunikationssatellit aus Deutschland

Die ArianeGroup wird das chemische Antriebssystem für den deutschen Kommunikationssatelliten Heinrich Hertz liefern. Das gab der Hauptauftragnehmer der Ariane-Trägerraketenfamilie Mitte Dezember bekannt. Auch weitere elementare Komponenten kommen aus Deutschland.

Heinrich Hertz - Deutscher Kommunikationssatellit

Der deutsche Kommunikationssatellit Heinrich Hertz soll ab 2021 seinen Dienst verrichten. Foto und Copyright: OHB System AG  

 

Der Start des Satelliten ist auf Ende des Jahres 2021 mit einer Ariane 5-Rakete angesetzt. Operieren soll er auf einer geostationären Umlaufbahn in 36.000 Kilometern Höhe über der Erde. Hauptauftragnehmer ist der Satellitenbauer OHB System AG Bremen, welcher für die Entwicklung, Produktion und den Start des Satelliten verantwortlich sein wird. Erstmals nach dem Ende des deutschen Fernmeldesatelliten DFS Kopernikus im Jahr 2002 wird somit wieder ein eigener deutscher Kommunikationssatellit geplant und gefertigt. 

Das von der Arianegroup zu entwickelnde Zweistoff-Antriebssystem dient der Erreichung des Zielorbits und der Lagebahnregelung. Es handelt sich um einen 400N-Apogäumsmotor und zwölf 10N-Triebwerke. Der Apogäumsmotor dient dem Erreichen der endgültigen Umlaufbahn. Er befördert den Satelliten am erdfernsten Punkt seines anfänglichen Orbits, genannt Apogäum, in die vorgesehene Bahn.

Vielfältige Ziele

Die Satellitenmission soll zwei hauptsächliche Ziele erfüllen: Zum einen dient sie dem Test und der Erprobung neuer Technologien für die Satellitenkommunikation auf ihre Weltraumtauglichkeit. Unter den anspruchsvollen Bedingungen des Alls, wie extremer Hitze und Kälte, Vakuum und Schwerelosigkeit, müssen die einzelnen Komponenten ihre sogenannte In-Orbit-Verifikation durchlaufen. So minimiert sich bei einem Einsatz auf zukünftigen Satellitenmissionen das Ausfallrisiko der Bauteile. Dazu sollen an Bord Technologien getestet und rund 20 wissenschaftlich-technische Experimente durchgeführt werden. Diese fallen in den Bereich der Kommunikations-, Antennen- und Satellitentechnik. Betreut werden die Experimente von Wissenschaftsinstituten und Industrieunternehmen.

Zum zweiten ist der Satellit für die Unterstützung der Bundeswehr-Kommunikation vorgesehen. Dabei geht es um die Kommunikation der deutschen Streitkräfte durch eine unabhängige Telekommunikationsnutzlast der Bundeswehr. 

Weiterhin soll mit dem Projekt die Fähigkeit der deutschen Industrie erhalten und ausgebaut werden, eigenständig Kommunikationssatelliten-Systeme und -Plattformen zu bauen und zu starten. Ausgelegt ist die Lebensdauer des Satelliten auf etwa 15 Jahre. 

Antriebstechnologie und Nutzlast made in Germany

Die ArianeGroup ist für die Auslegung, das Design, die Produktion und Tests sowie die Integration des Antriebs zuständig. Die Entwicklung und Produktion soll am Standort Lampoldshausen erfolgen. Die Treibstofftanks werden aus Bremen angeliefert. Die anschließende Integration des kompletten Antriebssystems in den Satelliten wird ebenfalls in Lampoldshausen vonstatten gehen. Dabei werden die neu entwickelten SMA-Ventile (Shape Memory Alloy) erstmals zum Einsatz kommen. Sie dienen der Passivierung des Drucksystems und ersetzen die bisherigen Pyroventile. ArianeGroup nennt dabei als Vorteil eine deutlich längere Lebensdauer als bisher. 

Zentrale Elemente der Mission wurden an Tesat-Spacecom übetragen. Das Unternehmen mit Sitz in Backnang bei Stuttgart wird sowohl für die Herstellung und Verifikation der wissenschaftlich-technischen Nutzlast als auch für den Bau des Repeaters für die militärische Nutzlast verantwortlich sein.

Die Heinrich Hertz-Mission wird vom Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) durchgeführt. Gefördert wird die Entwicklung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, ebenfalls beteiligt ist das Bundesministerium für Verteidigung. Der Vertrag zwischen der OHB System AG und dem DLR wurde im Juni 2017 unterzeichnet.

Heinrich Hetz gehört zur Gruppe der sogenannten SmallGeo-Satelliten (small geostationary satellite). Diese Kleinsatelliten sind durch ihr modulares System sehr flexibel und können vergleichsweise schnell und kostengünstig an verschiedene Anforderungen der Satellitenbetreiber angepasst werden. Heinrich Hertz weist die Maße eines Kleintransporters auf. Der Satellit verfügt neben dem chemischen Antriebssystem über einen elektrischen Antrieb, welcher während der Betriebszeit einen Teil der Lageregelung übernehmen soll. 

Mehr zum Thema:
Astrid Kuzia



FLUG REVUE 2/2019

FLUG REVUE
2/2019
07.01.2019

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Der Marathon-Flug von Singapore Airlines
- China: Fighter-Show in Zuhai
- Marktübersicht: Die Top-Liga der Business Jets
- Rückkehr zum Mond: NASA plant bemannte Raumstation im Orbit
- Luftwaffe: Der Weg ins Kampfjet-Cockpit