05.09.2013
FLUG REVUE

Ein Berg voller Sulfate mitten im Krater

Die aktuellen Bilder der vom DLR betriebenen hochauflösenden Stereokamera (HRSC) an Bord der ESA-Raumsonde Mars Express zeigen den Krater Becquerel, in dem sich ein fast 1000 Meter hoher Berg aus schwefelhaltigen Sedimentschichten befindet. Er zeugt von der bewegten Klimageschichte des Roten Planeten.

Der Krater hat einen Durchmesser von 167 Kilometern, ist fast 4000 Meter tief und liegt in der Region Arabia Terra, die den Übergang vom Marshochland zum nördlichen Tiefland markiert. Benannt wurde er nach dem französischen Physiker Antoine Henry Becquerel (1852-1908), der 1903 gemeinsam mit dem Ehepaar Marie und Pierre Curie für die Entdeckung der Radioaktivität mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde und nach dem die physikalische Einheit für die radioaktive Aktivität benannt ist. In den letzten Jahren überflog Mars Express mehrmals diese Region. Vier dieser Überflugsaufnahmen der HRSC-Kamera wurden zu einem Bildmosaik zusammengesetzt, das Details von bis zu 17 Metern Größe erkennen lässt.

Auf dem Boden des Kraters befinden sich ungewöhnliche Sedimentstrukturen, geschichtete, helle Ablagerungen. Ähnliche gibt es auch im Krater Gale, in dem der NASA-Rover Curiosity am 6. August 2012 gelandet ist. Untersuchungen haben ergeben, dass sie aus sulfathaltigen Gesteinen bestehen, die zum Teil wasserhaltig sind. Sulfate sind Salze der Schwefelsäure wie zum Beispiel Gips und entstehen auf der Erde bei der Verdunstung von Wasser. Im Krater Becquerel bilden diese Sedimentstapel einen fast 1000 Meter hohen Berg mit sanft geneigten Hängen und einer flachen Kuppe.

Auf den Bildern sieht man sehr deutlich die Schichtung innerhalb des hellen Sedimentbergs. Vermutlich war einst der gesamte Kraterboden von diesen Sedimenten bedeckt. Sulfathaltige Gesteine sind relativ anfällig für Verwitterung, so dass im Laufe von möglicherweise mehr als drei Milliarden Jahren ein Großteil der geschichteten Sedimentlagen von der Kraft des Windes abgetragen wurde und ein abgeschliffener und abgerundeter Berg zurückblieb. Die dunklen Flächen in den Bildern sind Oberflächen, die von einer Schicht aus basaltischen Sanden bedeckt sind. Diese Sande haben wahrscheinlich ihren Ursprung in vulkanischer Asche und bilden auf dem Mars vielerorts imposante Dünenfelder.

Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
flugrevue.de/Matthias Gründer


Weitere interessante Inhalte
Experiment des DLR Alexander Gerst steuert Roboter von der ISS aus

17.08.2018 - Über ein Tablet hat der deutsche ESA-Astronaut von der Internationalen Raumstation aus den humanoiden Roboter "Rollin' Justin" in Oberpfaffenhofen dirigiert und komplexe Aufgaben zusammen mit ihm … weiter

Europäischer Windsatellit Aeolus ist bereit zum Start

09.08.2018 - Eine Vega-Trägerrakete soll den Satelliten der europäischen Weltraumorganisation ESA am 21. August ins All bringen. … weiter

Europäische Raumfahrtagentur Jan Wörner bleibt ESA-Generaldirektor

30.07.2018 - Der ESA-Rat hat den Deutschen Jan Wörner am Freitag auf einer Sondersitzung für zwei weitere Jahre wiedergewählt. … weiter

Europäisches Satellitennavigationssystem Letzter Galileo-Start mit Ariane 5

25.07.2018 - Mit dem erfolgreichen Start von "Tara", "Samuel", "Anna" und "Ellen" am Mittwoch wächst die Galileo-Konstellation auf 26 Satelliten. … weiter

Design-Studien für die ESA Airbus könnte Mars-Proben zur Erde zurückbringen

06.07.2018 - Die europäische Weltraumagentur ESA hat Airbus Defence and Space mit zwei Studien für eine geplante Mars-Mission beauftragt. … weiter


FLUG REVUE 09/2018

FLUG REVUE
09/2018
06.08.2018

Abonnements
Digitalabo
E-Paper
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Aktuell: Tempest
- 100 Jahre RAF: Die spektakuläre Jubiläumsschau
- Nahost-Airlines: Das Ende der Luxuswelle?
- Spitzentechnik: Winglets
- AMRAAM-Tests: Eurofighter schießen scharf