12.11.2015
FLUG REVUE

Ein Jahr nach der Landung auf TschuriMeldet sich Philae noch einmal?

Als erstes von Menschen geschaffenes Objekt landete Philae am 12. November 2014 sanft auf der Oberfläche eines Kometen. Ein Interview zum Jahrestag mit dem Projektleiter beim DLR.

Zehn Jahre war die ESA-Sonde Rosetta unterwegs zum Kometen Tschurjumow-Gerassimenko, an Bord der Lander Philae. Am 12. November 2014 schließlich gelang die erste sanfte Landung auf einem Kometen. Doch es lief vieles anders als geplant.

Rund sieben Stunden, nachdem sich Philae von Rosetta ausgeklinkt hatte, setzte der Lander um kurz nach 17 Uhr auf Tschuri auf - und hüpfte weiter, bis er auf einem neuen, schroffen und schattigen Landeplatz zum Stehen kam. Schon in der Nacht vor der Landung hatte die Kaltgasdüse auf der Oberseite des Landers, die ihn auf die Kometenoberfläche drücken sollte, beim Test nicht wie gewünscht reagiert. Und auch das Harpunensystem, das Philae im Boden verankern sollte, funktionierte nicht.

Doch Philae hatte die Landung heil überstanden und konnte mit zehn Instrumenten Messungen durchführen. Bis zum 15. November 2014, rund 60 Stunden lang, hielt die erste, aufgeladene Batterie. Am 13. Juni 2015 meldete sich Philae zurück, seine zweite, wiederaufladbare Batterie hatte genügend Sonnenenergie erhalten. Seit dem 9. Juli herrscht nun allerdings wieder Funkstille. Momentan ist die Konstellation zwischen Lander und Orbiter wieder günstig. Wenn Philaes Solarzellen genügend Sonnenlicht bekommen haben, dann könnte er sich noch einmal melden und Datenpakete senden.

Dr. Stephan Ulamec vom DLR hat die komplette Rosetta-Mission begleitet und ist Projektleiter für Philae. Im Interview mit der FLUG REVUE blickt er auf die Landung zurück.

Eine Mission für die Geschichtsbücher

Dr. Stephan Ulamec DLR

Dr. Stephan Ulamec ist Philae-Projektleiter beim DLR. Foto und Copyright: DLR  

 

Herr Ulamec, vor einem Jahr gelang die spektakuläre Landung von Philae auf dem Kometen Tschuri. Wie war damals die Stimmung im Kontrollzentrum?

Im Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt war die Stimmung ruhig, pragmatisch und analysierend. Draußen im Festsaal war natürlich mehr los. Als ich dort ankam, wurde ich sofort von Journalisten umlagert. Richtig erleichtert war ich aber erst etwa eine Stunde und 50 Minuten nach dem ersten Touchdown von Philae – als er sich nicht mehr bewegte und nach wie vor Signale sendete.

Welche Bilanz ziehen Sie von der Rosetta-Mission?

Ich bin sehr zufrieden. Das Potenzial von Philae konnten wir zwar nicht völlig ausschöpfen, trotzdem wird es vermutlich die Mission in Europa sein, die am meisten in die Geschichtsbücher eingeht.

Wenn Sie Rosetta heute noch einmal planen müssten, was würden Sie anders machen?

Man würde heute sicher andere Technologien verwenden; Speicher, Solarzellen, elektrische Triebwerke bei Rosetta. Aber das Konzept war gut, auch beim Lander.

Rosetta soll zum Ende der Mission im September 2016 ebenfalls auf dem Kometen landen. Was erhoffen Sie sich davon?

Rosetta gehen die Energie und Treibstoff aus, daher gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man lässt sie langsam wegdriften oder man lässt sie auf den Kometen stürzen. Ersteres ist eher langweilig. Außerdem liefert Rosetta hochaufgelöste Bilder, während sie sich an den Kometen herantastet. So bekommen wir die besten Bilder zum Schluss.

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Ulrike Ebner


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