10.10.2013
FLUG REVUE

Mars ExpressMitten im Tal ein Achttausender!

Stünde ein Astronaut im Talkessel von Hebes Chasma, böte sich ihm ein beeindruckender Anblick: Die Steilwände ragen fast achttausend Meter auf und in der Mitte befindet sich ein zentrales Bergmassiv, das ähnliche Ausmaße wie der Mount Everest hat.

hebes chasma

Von links nach rechts: Farbaufsicht, 3D-Bild, das mit einer Rot-Grün-Brille die Höhenunterschiede dramatisch verdeutlicht, und digitales Geländemodell. © DLR  

 

Die vom DLR betriebene Stereokamera HRSC auf der ESA-Raumsonde Mars Express fotografierte Hebes Chasma bei mehreren Überflügen. Aus acht dieser Aufnahmen wurde nun ein Bildmosaik erstellt, das die gesamten Ausmaße dieser beeindruckenden Landschaftsformation zeigt: Der abflusslose Talkessel hat eine Ausdehnung von 315 Kilometern in West-Ost- und 125 Kilometern in Nord-Süd-Richtung. Der Tafelberg in seinem Zentrum erstreckt sich über etwa 100 Kilometer Länge und zwischen zehn und 20 Kilometern Breite. Das Gipfelplateau dieses Tafelbergs überragt die tiefsten Stellen von Hebes Chasma um etwa achttausend Meter. Die steilen Talhänge sind durch eine Vielzahl von Rinnen gekennzeichnet, die aus dem Gestein geschürft wurden. Am Fuß der Abhänge sind vielerorts Reste von Hangrutschungen zu sehen, die sich an den Flanken gelöst haben. Selbst diese, zum Teil schon von der Erosion gezeichneten Überreste der Bergstürze, bilden immer noch eintausend bis zweitausend Meter hohe „Mittelgebirge“ inmitten des Talkessels.

Hebes Chasma liegt nördlich des riesigen Grabenbruchs der Valles Marineris. Wie diese wird auch für Hebes Chasma ein Ursprung vermutet, der mit der Entstehung der großen Vulkanprovinz Tharsis in Verbindung stehen dürfte, bei der die Marskruste in dieser Region um etwa vier Kilometer aufgewölbt wurde. Durch diesen Prozess baute sich im Untergrund enorme Dehnungsspannungen auf, die zum Aufbrechen der Kruste in der Tharsis-Region führten und tiefe Einschnitte in der Hochfläche entstehen ließen. Wie allerdings der riesige Berg entstanden ist, ob es der Rest eines älteren Plateaus ist oder ob es sich um Sedimente handelt, die erst entstanden, als im abflusslosen Tal ein See oder Binnenmeer existierte, oder ob es gar Ablagerungen sind, die der Wind hierhin geweht hat, ist noch nicht geklärt.

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flugrevue.de/Matthias Gründer


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